Grüne Branche

Vereinigte Hagel: 60 Millionen Euro Unwetterschäden

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Das „dicke“ Ende könnte noch kommen: Der Juli galt in der Vergangenheit als Monat der Wetterkapriolen. Schon jetzt zählt alleine der Versicherer Vereinigte Hagel für das bisherige Jahr 60 Millionen Euro Schaden durch Unwetter in Gartenbau und Landwirtschaft. 

Zunehmende Unwetterschäden: Auch Starkregen suchte Gartenbau-Betriebe in diesem Jahr schon heim. Foto: Gartenbau-Versicherung

Sturmtief Paul verursacht alleine 30 Millionen Euro Schaden

Die Hagelschäden trafen durchweg alle Kulturen. Von Getreide, Raps, Mais, über Hülsenfrüchte bis hin zu Obst und Wein. Am Schlimmsten „beutelte“ am 22. Juni Sturmtief Paul die Produktionsbetriebe. Die Unwetterfront verursachte alleine an diesem Tag 30 Millionen Euro Schaden in Gartenbau und Landwirtschaft. Unwetter am 19. und 30. Mai wiederum vernichteten Erntebestände und Material im Wert von 20 Millionen Euro.

Wie die TASPO bereits im März berichtete, ist die Anzahl wetterbedingter Naturkatastrophen laut Statistik der Deutschen Versicherungsgesellschaft von 1980 bis 2013 weltweit auf etwa das Dreifache gestiegen. „Die Wetterereignisse sind regional begrenzt in den letzten Jahren immer extremer geworden“, machte Christian Senft, Direktor der Gartenbau-Versicherung, im Rahmen des Ahlemer Forums deutlich. Hagelkörner mit größerem und damit zerstörerischem Durchmesser treten in kürzeren Zeitintervallen auf, die Frequenz von flächendeckenden Stürmen wird höher, das für unsere Breiten untypische Phänomen „Windhose“ tritt immer häufiger auf.

Später Frost sucht Obst- und Weinbau heim

Auch spät im Jahr einsetzender Frost hat bereits seinen Tribut unter Obst- und Weinkulturen gefordert. Hier wurden der Vereinigten Hagel bisher Schäden in der Höhe von rund fünf Millionen Euro gemeldet. Doch auch wer unter Glas anbaut ist nicht sicher. Hagelkörner, groß wie Vogeleier, sind keine absolute Seltenheit mehr.

Auch sehr hohe Regenmengen beziehungsweise große Mengen an Schnee in kürzester Zeit – oft kombiniert mit starker regionaler Konzentration – gibt es immer häufiger. „Für diese Extremereignisse sind bisher übliche Dimensionierungen und Materialien beim Gewächshausbau oft nicht ausgelegt“, so Senft.

Unwetterschäden: Gartenbau und Bundesländer denken um

Im Gartenbau sei deshalb ein Umdenken erforderlich, so der Experte. „In früheren Jahren konnten teilgeschädigte Pflanzen noch als B-Ware vermarktet werden, heute führen kleinste Qualitätseinbußen praktisch schon zum Totalschaden“, sagte Senft. Den Gefährdungen durch extremere Wetterereignisse technisch und baulich entgegenzuwirken, bedeute einen höheren Investitionsaufwand, zu dem erhöhter Aufwand für Automatisierung und Energieeffizienz hinzukommt.

Auch die Bundesländer denken inzwischen um. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben bereits gehandelt und im April entstandene Frostschäden, die ganze Ernten im Wein- und Obstbau ausfallen lassen könnten, als „Naturkatastrophe“ eingestuft. Somit haben betroffene Betriebe nun die Möglichkeit, Hilfsgelder vonseiten des Staates in Anspruch zu nehmen. Rheinland-Pfalz und Bayern diskutieren ähnliche Entschädigungsfonds und auch auf Bundesebene laufen derzeit Gespräche.