Grüne Branche

Verkehrssicherungspflicht von Bäumen

Das Spektrum von Friedhöfen hat sich maßgeblich geändert. Aus dem einst umfriedeten Raum um die Kirche sind Ruhestätten entstanden, die von traditioneller Prägung bis hin zu Bestattungswäldern reichen. Die Prinzipien der Verkehrssicherungspflicht (VSP) für Besucher sind eindeutig: Sie sind vor Unfällen, mit denen sie nicht rechnen müssen, vom Betreiber solcher „Trauergärten“ zu schützen. 

Hauptwegeachse auf einem traditionellen Friedhof mit altem Baumbestand. Foto: Dr. Hans-Joachim Schulz

Folglich existieren für gut strukturierte Friedhöfe – egal, ob traditionell oder letzte Ruhestätte unter einem Baum im Bestattungswald – Organisationsplan, Dienstanweisung und Friedhofssatzung.

Verkehrssicherungspflicht für Bäume obliegt dem Betreiber der Friedhöfe

Geregelt ist die Behandlung der Friedhofswege, die Ausgestaltung der Beleuchtung, die Überprüfung baulicher Anlagen wie Mauern, Tore, Leichenhalle und Kapelle, Streupflicht bis hin zur Kontrolle der Grabsteine. Soweit Friedhöfe mit Bäumen entstanden sind, obliegt dem Betreiber der Friedhöfe die Verkehrssicherungspflicht für diese Bäume.

Grundsätzlich bestehen aus sachverständiger Sicht keine Unterschiede hinsichtlich der Verkehrssicherungspflicht (VSP) auf traditionellen Friedhöfen und Bestattungswäldern. Ausreichend sind die Maßnahmen, die ein umsichtiger Pflichtiger zur Gefahrenabwendung für notwendig und ausreichend erachtet. Gefahren, die auf Naturgewalten oder sonstigen nicht vorhersehbaren Gegebenheiten beruhen, sind unvermeidbar und unterliegen folglich dem eigenen Risiko.

Nach allgemeiner Auffassung bestimmt sich der Umfang der VSP nach den berechtigten Sicherheitserwartungen des Verkehrs. Angesprochen wird der Vertrauensschutz. Der Benutzer von Straße, Platz oder einer sonstigen Fläche, auf der ein Verkehr eröffnet ist oder regelmäßig stattfindet, muss grundsätzlich darauf vertrauen dürfen, dass er bei zweckmäßiger Nutzung nicht durch äußere Umstände, auf die er – im Gegensatz zum Unterhaltungspflichtigen – keinen Einfluss hat, geschädigt wird.

Beim Bestattungswald erstreckt sich die VSP nicht nur auf das für Bestattungen ausgewiesene Waldareal, sondern auch auf den dazugehörigen Parkplatz und den von dort zum Waldfriedhof führenden Waldweg.

FLL-Richtlinien normieren Anforderungsprofil und Vorgehensweise bei Baumkontrollen

Die „Richtlinien zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen – Baumkontrollrichtlinien“ (Ausgabe 2010) der FLL normieren das Anforderungsprofil und die Vorgehensweise bei Baumkontrollen. In den Fällen, in denen der Handlungsbedarf in Analogie der FLL-Baumkontrollrichtlinien nicht abschließend festgelegt werden kann, bestimmen die FLL-Baumuntersuchungsrichtlinien (2013) das weitere Vorgehen.

In der Regel sind für Baumuntersuchungen besonders qualifizierte Experten/innen zuständig, die im Bedarfsfall aufwendiges technisches Equipment einsetzen. Dazu muss man wissen, dass Baumkontrolleur kein traditionell anerkannter Beruf ist. Anzutreffen sind Personen mit forstlicher Ausbildung oder Berufsabschlüssen im Garten- und Landschaftsbau, des Produktionsgartenbaus oder andere.

Die FLL bietet eine Qualifikation zum FLL-Zertifizierten Baumkontrolleur bei verschiedenen Ausbildungseinrichtungen an (siehe zum Beispiel unter www.dasgrün.de, FLL-Zertifizierter Baumkontrolleur).

Autor: Dr. Hans-Joachim Schulz, Sachverständiger, Waldbröl – www.baumwert-methodekoch.de

Den kompletten Beitrag zur Verkehrssicherungspflicht von Bäumen lesen Sie in der April-Ausgabe der Friedhofskultur.