Grüne Branche

Versicherung gegen Xylella, ALB und Co. kommt

, erstellt von

In der Schweiz können sich Gärtner schon gegen Xylella und andere Quarantäneschädiger versichern. Bald soll auch der deutsche Gartenbau diese Möglichkeit erhalten: Die Gartenbau-Versicherung (GV) will voraussichtlich noch bis Ende März ebenfalls einen entsprechenden Versicherungsschutz anbieten.

Oleander gehört zu den Pflanzen, die besonders von einem Befall mit Xylella fastidiosa gefährdet sind. Foto: 123rf/GV

Schadenersatz bei Quarantäneverfügungen

Die jetzt vom Aufsichtsrat der Gesellschaft beschlossene Lösung sieht vor, den Mitgliedsbetrieben der Gartenbau-Versicherung eine ergänzende Klausel anzubieten, die den bestehenden Deckungsumfang erweitert und im Fall einer behördlich angeordneten Quarantäneverfügung Schadenersatz im Rahmen des Versicherungsvertrags leistet.

Von der Versicherung abgedeckt sein sollen allerdings lediglich Folgeschäden, beispielsweise durch die Unterbrechung der Produktion für einen Zeitraum bis zu zwölf Monaten. Für Pflanzen, die aufgrund einer Quarantäneverfügung vernichtet werden müssen, sieht die ausgearbeitete Versicherungslösung der Gartenbau-Versicherung hingegen keinen Schadenersatz vor.

Staatliche Entschädigungen ab Dezember 2019

Ab Dezember 2019 sollen für die von angeordneten Tilgungsmaßnahmen betroffenen Betriebe allerdings staatliche Entschädigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Das sieht die neue EU-Verordnung zum Schutz vor Pflanzenschädlingen vor – allerdings nur, wenn hierfür nationale Systeme vorhanden sind.

Versichern können sich die Mitgliedsbetriebe der Gartenbau-Versicherung gegen folgende Quarantäneschädlinge:

  • das Feuerbakterium Xylella fastidiosa
  • Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB)
  • Citrusbockkäfer (CLB)

Versicherungsschutz für Unter-Glas- und Freiland-Kulturen

Anbieten will die Gartenbau-Versicherung den zusätzlichen Versicherungsschutz sowohl für Kulturen in Gewächshäusern (im Rahmen von Hortisecur G zur sogenannten Verderbschadenversicherung – TV Verderb), als auch für die Produktion im Freiland (im Produkt Hortisecur F als Erweiterung der Mehrgefahren-Ergänzungsdeckung). Darüber hinaus soll es für Gartencenter eine Ergänzung der Feuer-Betriebsunterbrechungs-Versicherung geben.

Wie der Bund deutscher Baumschulen (BdB) gegenüber der TASPO betont, können allerdings weder die von der Gartenbau-Versicherung angedachte Police, noch die in der Schweiz angebotene Epidemie-Versicherung das Problem eines mehrjährigen amtlichen Verbringungsverbotes, von dem die Baumschulen wegen der langjährigen Kulturzeit betroffen wären, lösen.

BdB: Fondslösung nach wie vor der richtige Weg

„Daher halten wir die Fondslösung nach wie vor für den richtigen Weg“, so BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl. Auch werde die Police beim deutschen Versicherungsmodell nur für bestimmte Schaderreger und nur für Bestandskunden mit bereits bestehenden Verträgen angeboten – eine Lösung für Scharka oder auch für heute noch unbekannte Quarantäneschädiger fehle dagegen nach wie vor.

„Im Sinne der Existenz der Betriebe streben wir eine Lösung an, die die Folgen des Auftretens von Quarantäneschädigern und die damit verbundenen amtlichen Sperrungsverfügungen umfassend anpackt. Aufgrund des gesetzlich vorgesehenen Verwaltungshandelns sehen wir demnach auch den Staat in der  finanziellen Verantwortung, wobei sich die Baumschulwirtschaft klar zu einem Eigenanteil bekennt, um ihre eigene Sorgfalt im Umgang mit den Gehölzen herauszustreichen“, so Guhl.

Insellösungen, die vordergründig signalisieren, man habe die Gefahr im Griff, seien beim zweiten Blick wenig hilfreich, wie der BdB-Hauptgeschäftsführer gegenüber der TASPO betont. „Das werden wir in dieser Art und Weise auch künftig an die Politik adressieren und an der Sache orientiert argumentieren.“