Grüne Branche

„Vertrautes neu entdecken“: Zwei weitere Bestattungsgärten in Köln

Die Palette der Bestattungsgärten in Köln wird im Frühjahr 2012 um neue Anlagen in Köln-Chorweiler und auf dem Westfriedhof erweitert. Josef F. Terfrüchte – Geschäftsführer der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner – kündigte dies am 23. November bei der Friedhofstagung der Gartenakademie Baden-Württemberg in Karlsruhe bei einem Vortrag zum Thema „Bestattungskultur im Wandel“ an.

Die Kölner Bestattungsgärten sind interessant gestaltet und strahlen trotzdem Ruhe aus. Sitzgelegenheiten gehören dazu. Foto: Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner

Die Kölner Genossenschaft richtet mit den Bestattungsgärten das Augenmerk auf Personen, die Alternativen zu den individuellen Gräbern suchen und daher empfänglich für neue Konzepte sind. Der Graberwerb bei den Kölner Bestattungsgärten ist an den Abschluss eines Dauergrabpflegevertrags gekoppelt. Bisher gibt es solche Anlagen auf dem Melatenfriedhof (eröffnet im Juni 2009), dem Südfriedhof sowie dem Friedhof Mülheim, ferner auf Friedhöfen in Bergisch Gladbach. Wie der Referent anmerkte, werden alle Bestattungsgärten bisher sehr gut angenommen.

Zu den Kennzeichen dieser in die Friedhöfe integrierten Anlagen zählt eine durch Themen unterlegte gestalterische Vielfalt. Es sind Themen wie Rosengarten, Auengarten, Garten der Lichter, Ruhehain oder Partnergarten.

Am Beispiel des 1.600 Quadratmeter großen Bestattungsgartens auf dem Friedhof Mülheim nannte Terfrüchte folgende Preise für den Graberwerb:

  • Rosengarten = 5.954,30 Euro (Urnengrab), 7.101,60 Euro (Erdbestattung);
  • Auengarten = 3.282,10 Euro (Urnengrab), 3.747,60 Euro (Sargbestattung);
  • Spuren des Lebens = 2.166,45 Euro (dieser Teilbereich mit Trockenmauer-Hochbeet ist nur für Urnengräber);
  • Ruhehain = 1.591,70 Euro (ebenfalls nur für Urnenbeisetzung);
  • Pfade der Erinnerung = 2.251,90 Euro, eine auf Erdbestattungen ausgerichtete, mit liegenden Steinen bestückte Alternative zu „pflegefreien Grabstätten“;
  • Gärten der Lichter = 5.946,25 Euro (für Urnenbeisetzungen).

Die zuletzt genannte Variante ist eine Anlage im japanischen Stil, ausgerichtet auf die Symbolik des Lichtes. Für Kerzeneinsätze gibt es dort spezielle Stelen.

Terfrüchte sieht die Bestattungsgärten als Antwort der Friedhofsgärtner auf den Ruf nach „Abwechslung auf dem Friedhof“. Viele Menschen möchten innovative Grabgestaltungen, diese aber nicht am einzelnen Grab realisieren. Schlagwort: „Vertrautes neu denken!“

Auf den 59 Friedhöfen in Köln gibt es jährlich etwa 8.000 Bestattungen. Bis 1993 waren es jeweils gut 10.000 Bestattungen, danach sank die Zahl bis auf rund 7.500 im Jahr 2007. In den Jahren 2009 und 2010 wurde die 8000er-Marke leicht überschritten.

Laut der Bestattungsstatistik machen die Erdbestattungen in Wahl- oder Tiefgräbern noch rund 60 Prozent, die Urnenbestattungen dementsprechend 40 Prozent aus (Stand: 2011, ohne Berücksichtigung der jährlich mehr als 700 ordnungsbehördlichen Bestattungen). Seit dem Jahr 2000 – als die Erdbestattungen noch 77 Prozent ausmachten, ist deren Anteil fast jedes Jahr kleiner geworden.

Laut einer Verbraucherumfrage in Köln aus dem Jahr 2007 hat der Preis eine mittlere (57 Prozent der Befragten) bis hohe Relevanz (18 Prozent der Befragten) bei der Auswahl der Bestattungsart. Hauptgründe für die Wahl besonders preiswerter Bestattungsarten seien knappe Budgets. Keine Pflegeverpflichtung eingehen zu müssen, ist für viele Hinterbliebene aber ebenfalls ein maßgeblicher Entscheidungsgrund.

Starke Kritik übte Terfrüchte an den Kirchen. Dass die Kirchengemeinden aus wirtschaftlichen Gründen die Einrichtung von Kolumbarien im Innern der Gotteshäuser (Stichwort: „Grabeskirchen“) zulassen und fördern, sei ihm unverständlich.

Ein weiterer Vortrag Terfrüchtes bei dieser hauptsächlich auf Friedhofsverwalter ausgerichteten Veranstaltung der Gartenakademie betraf die ordnungsbehördlichen Bestattungen. Sie werden vom Ordnungsamt veranlasst, wenn verstorbene Personen weder Geld zur Abdeckung der Bestattungskosten hinterlassen noch bestattungspflichtige Angehörige haben. Nicht zu verwechseln ist dies mit den Sozialbestattungen, bei denen Angehörige des/der Verstorbenen vorhanden sind.

1997 hatte es in Köln einen Beschluss gegeben, wonach bei ordnungsbehördlichen Bestattungen generell die anonyme Beisetzung gewählt wird. Zu denen, die ein solches Vorgehen scharf kritisierten und auf andere Vorgehensweise drängten, zählte die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner. Vorgeschlagen wurden extra Gräberfelder. Zwei Urnengemeinschaftsfelder für ordnungsbehördliche Bestattungen – je eines auf dem Südfriedhof und auf dem Deutzer Friedhof – wurden dann im Jahr 2008 realisiert und eingesegnet.

Mit sehr einfacher Gestaltung – so der Hinweis Terfrüchtes – entspreche es zwar nicht den Vorstellungen der Gärtner, sei gegenüber der vorherigen Vorgehensweise aber immerhin ein Fortschritt. Immerhin würden die „Ordnungsbehördlichen“ damit nicht mehr namenlos bestattet. Aus sozialen und moralischen Gründen habe die Genossenschaft die Pflege für einen geringen Betrag übernommen. (eh)