Grüne Branche

Vom Baum in die Hand und in den Mund

Die neuen Familienäpfel wollen gar nicht in den Keller
Heute wird wieder eingekocht, werden Marmeladen gerührt, die Früchte aus eigenem Garten verarbeitet, eingefroren und auch wieder in Gläsern konserviert. Hatte früher diese Vorratshaltung den Sinn, Gemüse, Obst und Früchte für die erntelose Zeit im Winter verfügbar zu machen, so steht dieser Zweck jetzt nicht mehr im Vordergrund, vielmehr ist es die luxuriöse Erfahrung des Tuns. Heute will der „Selbstversorger" vor allem wissen, wie die grünen Lebensmittel entstehen, er will das Werden vom Saatgut oder der Blüte bis zur Frucht im Garten begleiten und dann die Ernte stolz und kreativ verarbeiten oder lustvoll frisch genießen. Gärtnern und Genuss liegen heute sehr eng beieinander. 

Der Dessert-Sommerapfel Julka ist klein bis mittelgroß, anfangs zart rosa, später dunkelrot und im Geschmack drei Wochen lang süß bis sehr süß. Foto: Lubera.

Der eine oder andere mag sich noch an seine Kindertage erinnern, als man es nicht erwarten konnte, im Sommer die ersten, meist sauren Äpfel zu pflücken. Ein typischer Sommerapfel war lange der Weiße Klarapfel. Handliche Äpfelchen, blassgrün am Baum, reif im August, herzhaft im Geschmack - das war die gute Nachricht. Wenn es gelang, den Apfel zum richtigen Zeitpunkt zu pflücken, waren gleich ganz viele reif und mussten in wenigen Tagen geerntet und auch gegessen sein. An Lagerung war nicht zu denken. Druckempfindlich waren sie, und der Reifeprozess ließ sie schnell mehlig, überreif und faul werden.

Vor allem gesund
Die Sommeräpfel von heute kommen anders daher und haben viele gute Eigenschaften. Markus Kobelt, Schweizer Obstbaumzüchter aus Passion, befasst sich seit Jahren mit der Apfelzüchtung. Schmecken sollen sie, saftig sollen sie sein - und dies über mehrere Wochen - und die Bäume sollen vor allem gesund und feuerbrandresistent sein. Denn der Feuerbrand ist eine für Kernobstpflanzen besonders gefährliche Krankheit, die zwar keine Gefahr für den Menschen birgt, die sich aber unter Obstbäumen seuchenartig ausbreiten kann. In Deutschland sind das Auftreten und selbst der Verdacht auf Feuerbrand meldepflichtig.
Die zuständige Behörde (je nach Bundesland ist dies das Landesamt bzw. die Landesanstalt für Landwirtschaft) kann eine Quarantänezone von fünf Kilometern um befallene Grundstücke anordnen. Im abgegrenzten Gebiet werden u.a. die Vernichtung von hochanfälligen und befallenen Wirtspflanzen sowie das Verbot der Bienenhaltung angeordnet. Sommeräpfel wie der genannte Weiße Klarapfel, aber auch so bekannte Sorten wie Cox Orange oder James Grieve, gelten als sehr anfällig. Da mit der Krankheit nicht zu spaßen ist, ist die Forschung nach Feuerbrand toleranten Sorten nicht hoch genug zu bewerten.

Zusammen mit Instituten aus Deutschland und der Schweiz treibt Kobelt die Resistenzzüchtung mit Verve voran: „Züchtung - speziell die Apfelzüchtung - dauert in der Regel seine Zeit, aber manchmal gibt es einen überraschenden Durchbruch, mit schnellem, unerwarteten Fortschritt. Unser Glücksfall heißt Ninifee und ist ein wirklich sagenhafter Apfel. Er vereinigt die Eigenschaften der Frühsorten zum ersten Mal mit denen einer Lagersorte." Lubera Paradis® Ninifee® ist schon in der zweiten Augusthälfte erntereif, kann aber auch noch vier Wochen länger am Baum hängen und begeistert vor allem diejenigen, die gerne in süße, erntefrische Äpfel beißen wollen.

Reinbeißen, dass es spritzt
Nichts geht über das Erlebnis, einen Apfel vom eigenen Baum zu pflücken, an ihm zu riechen, ihn zu bewundern und dann kraftvoll hineinzubeißen, dass es spritzt - darum geht es den Hobbygärtnern und ihren Kindern heute. Die Lagerhaltung für vitaminarme Zeiten, wie sie früher gang und gäbe war, scheitert heute oft schon an den Räumlichkeiten der Häuser. Wer hat schon noch einen kalten Keller, in dem Obst und Gemüse gut klimatisiert überwintert werden können?

Die neuen Apfelzüchtungen richten sich nach den Bedürfnissen von jungen Familien, Kobelt nennt sie deswegen auch Familienäpfel. Besonders angetan hat es ihm neben Ninifee der Familienapfel Werdenberg®: „Werdenberg ist schon Mitte August reif und deckt über eine lange Ernteperiode alle Apfelgelüste ab: Er bleibt über sechs bis acht Wochen saftig und knackig, aber er verändert während dieses Zeitraums seinen Charakter. Zunächst ist es ein säuerlicher Apfel - vergleichbar mit dem Gravensteiner. Am Ende der Ernteperiode im September hat er dann ein breites, an Bananen erinnerndes Aroma."

Früh reif heißt nicht sauer - im Gegenteil
Wer meint, die frühen Äpfel wären nur sauer, dem sei hier noch der Dessert-Sommerapfel Julka® in die Obstschale gelegt. Der Apfel ist klein bis mittelgroß, anfangs zart rosa, später dunkelrot und im Geschmack drei Wochen lang süß bis sehr süß. Der Baum eignet sich auch für kleine Flächen, da er nicht höher als zwei Meter wird. Er ist resistent gegen Schorf, tolerant gegen Mehltau und feuerbrandresistent.

Alle genannten Sorten sind als Busch, Spalier und Halbstamm in zehn Liter Containern u.a. auch im Internet unter www.lubera.com erhältlich. Sie werden praktisch bis ins Haus geliefert und tragen schon im zweiten Jahr Früchte. Wer weitere Informationen zu Sommeräpfeln, zur Züchtung, Lagerung oder zum Schnitt der Apfelbäume sucht, wird unter www.gartenvideo.com fündig.