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Vom Kokain-Labor zur Baumschule

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Die Regenwälder Kolumbiens wurden Jahrzehnte lang illegal gerodet. Nicht etwa für die Gewinnung von Holz, sondern für den illegalen Drogenanbau der unzähligen Kokain-Labore. Die Umweltschutzorganisation WWF engagiert sich in diesen Gegenden mit der Initiative „Protect Areas & Peace“, um dort alternative Lebensgrundlagen für die Menschen vor Ort zu schaffen. So auch für den Landwirt Wilmer, der vom Kokain-Produzenten zum Baumschuler wurde und nun seine Heimat renaturieren will.

Statt Kokain werden in der Gemeinschaftsgärtnerei heute einheimische Bäume und Pflanzen gezogen. Foto: Laura Valencia / WWF-Colombia

1,3 Millionen Hektar Wald für Kokainanbau

Über 50 Jahre lang war der Nationalpark Sierra de La Macarena in Kolumbien Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Tausende Menschen verloren hier ihr Leben, skrupellos war und ist das Geschäft mit Kokain. Dem Land wurde durch die Abholzung der Regenwälder schwerer Schaden zugefügt. Hier wo die Anden, der Orinoquia und der Amazonas aufeinandertreffen finden sich tropische Regenwälder, Feuchtgebiete und Buschlandschaften, in denen wertvolle Baumarten wachsen und ikonische Arten wie Jaguar und Tapir durch die Wälder und Ebenen ziehen. Die Zerstörung des Ökosystems schätzt der WWF allein in den vergangenen 15 Jahren auf mindestens 1,3 Millionen Hektar Wald, der einzig für den Drogenanbau und andere illegale Aktivitäten gerodet wurde. Politisch herrschte hier ein Jahrzehntelanger Konflikt zwischen der Guerrillabewegung FARC und der Kolumbianischen Regierung. Ein Friedensabkommen von 2016 besiegelte schließlich den Waffenstillstand, doch die Lage bleibt nach wie vor angespannt. Der WWF engagiert sich hier mit der von der Internationalen Klimainitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums unterstützten Initiative „Protected Areas & Peace“.

Vom Kokain-Produzenten zum Baumschuler

Durch die Initiative werden ehemalige Kämpfer:innen dabei unterstützt, sich alternative Lebensgrundlagen in einer Demokratie aufzubauen und auch das Ökosystem dabei zu schützen. Unter diesen Menschen befindet sich auch Wilmer. Früher baute er illegal die Koka-Pflanze in der Sierra de La Macarena an, um daraus in einem der unzähligen Labore in seinem Dorf Bocas del Sansa das Rauschgift Kokain herzustellen. Durch die Initiative kann Wilmer jetzt in einer Gemeinschaftsgärtnerei seinen Lebensunterhalt als Baumschuler verdienen. Diese wird von den Einheimischen als gemeinschaftlich betrieben, um schließlich dadurch das wertvolle Ökosystem zu erhalten.

Ökotourismus als alternative Einnahmequelle

Wilmer und andere Anbauer wurden durch das WWF-Projekt darin geschult, wie man einheimische Bäume und Pflanzen zieht. Zudem wurde ihnen verdeutlicht, Alternativen für die Bewirtschaftung ihres Landes zu finden. An der Stelle, wo sich einst sein Koka-Labor befand, existiert jetzt Wilmers Baumschule. „Wenn wir die Natur um uns erhalten, erhalten wir auch das Wasser, die Luft, die Nahrung und die Artenvielfalt“, sagt Wilmer. „Wir haben verstanden, dass dieser Prozess nicht nur für uns, sondern für die gesamte Menschheit wichtig ist.“ Darüber hinaus lernten die Menschen auch weitere alternative Einkommensquellen kennen. So wollen sich Wilmer und sein Dorf für den Ökotourismus in der Region stark machen. Es soll ein Pfad durch den Wald angelegt werden, wo Touristen Einblicke in den Wiederaufforstungsprozess erhalten und auch selbst einen Baum pflanzen können. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Homepage des WWF. (Fotos: Laura Valencia / WWF-Colombia)

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