Grüne Branche

Von England lernen - Gartenbegeisterung wecken

England gilt als das Land der Gartenbegeisterten schlechthin. Was macht den Unterschied zwischen der britischen und der deutschen Einstellung zum Garten und in der Gartengestaltung? Und wie kann diese angelsächsische Garteneuphorie auch hierzulande entfacht werden? Die Gartendesignerin Gabriella Pape erzählte auf der GaLaBau-Fachtagung von ihren Erfahrungen und Visionen. Seit den 90er Jahren betreibt die gebürtige Hamburgerin, die auch in England studiert hat, zusammen mit Dr. Isabelle van Groeningen ein Gartendesignstudio in Wiltshire. Sie hat sich auf Privatgärten spezialisiert. Die englischen Bauherren werden immer jünger. Sie sind durchschnittlich zwischen 25 und 45 Jahre alt und haben wesentlich weniger Berührungsängste gegenüber Design. Schon vor dem Entwurf klärt sie mit den Auftraggebern ab, wie die Anlage später gepflegt werden soll und kann darauf ihre Gestaltung abstimmen. Um ihre Ideen ihren Kunden zu veranschaulichen, hat sie eine Bühnenbildnerin engagiert, die Ansichten und Perspektiven zeichnet. Den Kunden die Bilder zu visualisieren, hält sie für extrem wichtig. Etwa 70 Prozent ihrer Aufträge bestehen darin, vorhandene Anlagen umzubauen. Dabei werden meist nur Teile neu gestaltet: einzelne Beete oder ein Gartenraum. Man werde getestet, ob die Gestaltung zusagt und die Chemie stimmt. Selten wird der ganze Garten neu geplant. Die Kunden in England sind extrem informiert, so Pape, haben Kenntnisse über Pflanzen und Boden. Sie sind nicht anstrengend, aber anspruchsvoll. So genannte "storyboards" helfen der Gartendesignerin, die Wünsche ihrer Kunden zu ermitteln. Das heißt, die Kunden notieren, was ihnen gefällt oder was nicht, ergänzt durch entsprechende Bilder und Zeitungsausschnitte. "Dabei müssen sie sich mit ihrem Partner auseinandersetzen. Eine typische Situation: Er will Rasen, sie will Garten", erzählt Pape. "Mir gibt es die Chance, weniger Fehler zu machen. Auch wenn der Auftrag ausgeführt ist, begleitet Pape "ihre" Gärten und meldet sich immer wieder bei ihren Kunden. Die Erfahrungen, die sie in England gemacht hat und die Wertschätzung, die die Briten dem Garten entgegenbringen, möchte die Gartendesignerin auch in Deutschland vermitteln. Ihre Vision nimmt auch schon Gestalt an. In Berlin-Dahlem, in unmittelbarer Umgebung des Botanischen Gartens, hat sie von der Technischen Universität ein Grundstück erworben - Teil der ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt. Sie wurde ursprünglich von Peter Joseph Lenné gegründet. Die denkmalgeschützten Gewächshäuser werden gerade restauriert. Dort entsteht eine Gartenschule für Laien, Fachleute und Gartenliebhaber. Im Design Center sollen sich Bauherr und Planer treffen. Ein exklusives Pflanzencenter wird ausgewählte Neuheiten und Besonderheiten aus dem Bereich Gehölze, Stauden und Einjährige anbieten. Die Firma Manufactum wird mit Accessoires, Gartengeräten und Zubehör vertreten sein. Gartenmöbel und ein Café ergänzen das Projekt. Die interne Eröffnung ist für den 30. April geplant.