Grüne Branche

Von Ziegen und Königen

Die Insel La Tavolara vor der Küste Sardiniens gilt als das kleinste Königreich Europas. Autor Martin Glauert besuchte dessen außergewöhnlichen Inselfriedhof mit den Gräbern der Königsfamilie und erzählt die kuriose Geschichte der Insel.

Von Weitem wirkt die Insel wie ein Ungeheuer, das im Meer schläft, ein Drache mit gezackten Schuppen auf dem Rücken. In der geschützten Bucht liegt ein hölzerner Zweimaster vor Anker und dümpelt auf dem türkisblauen Wasser vor sich hin. Die ganze Szene erinnert an einen Piratenfilm aus der Karibik, und doch sind wir nur wenige hundert Meter von der Küste Sardiniens entfernt, auf der Insel La Tavolara.

Ein Dutzend Sonnenhungrige liegen am schmalen Strand, angelockt vom glasklaren Wasser und der Ruhe. Keiner von ihnen verirrt sich auch nur hundert Meter ins Land hinein, durch das harte Gras, das in die Beine schneidet, vorbei an einer verfallenen Hütte und einem rostigem Pflug. Am Zipfel der Insel stößt man auf eine graue Mauer, die einen viereckigen Bezirk umschließt. In den Himmel ragt ein Kreuz aus Baumstämmen, die der Wind glatt geschliffen hat. Einen Inselfriedhof hätte man in dieser Einsamkeit nicht erwartet. Und er birgt eine kuriose Überraschung.

Wenn man durch das schiefe Holztörchen eintritt, fällt der Blick auf ein massiges Mausoleum aus grobem Beton. Wie ein riesiger Backofen sieht es aus, der gezackte Schornstein aber entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als stilisierte Krone. Begraben liegt hier Polo I. Bertoleoni, „Re di Tavolara“. Ein König auf dieser kleinen Insel? Dahinter steckt kein dummer Scherz, sondern eine kuriose Kapriole der Geschichte. Lesen Sie mehr dazu ab Seite 30 in der November-Ausgabe der Friedhofskultur.