Grüne Branche

Waiblinger GaLaBau-Betrieb: „Bei mir kannst Du in Rente gehen“

Um moderne zeitgemäße Unternehmensführung geht es in unserem neuen, der aktuellen TASPO Ausgabe (2/2012) beiliegenden TASPO Magazin und auch im Gartenbaubetrieb Daiß: „Bei mir kannst Du in Rente gehen“ – dieses Versprechen gibt der Garten- und Landschaftsbaubetrieb aus Waiblingen seinen Mitarbeitern – und mit diesem Konzept bewarb er sich auch im vergangenen Jahr um den TASPO Award „Ausbildungsbetrieb des Jahres“. Die TASPO sprach mit Inhaber Günter Daiß über seine Gründe. 

Mit zukunftsgerichtetem Blick: Das Gartenbau-Unternehmen Daiß möchte seine Mitarbeiter gerne bis zur Rente behalten. Werkfoto

„Ich möchte keine temporären Mitarbeiter einstellen, sondern garantiere meinen Kräften von Anfang an eine Einstellung auf Lebenszeit, quasi eine gärtnerische Beamtenlaufbahn“, sagt Günther Daiß. „Der Job ist garantiert anstrengend, mit vielen Herausforderungen und auf Dauer ausgelegt“, kündigt er offen an – und weiß gleichzeitig, dass seine Versprechen nur deshalb einhaltbar sind, weil er bereit ist, mit seinen Mitarbeitern durch dick und dünn, beispielsweise auch durch deren persönliche Lebenskrisen, zu gehen. „Genau dann kann sich unsere fast familiäre Unternehmensführung bewähren“, sieht Günther Daiß seine Aufgabe und gleichzeitig Chance.

Das Konzept ist erfolgreich, so scheint es – die Zahlen sprechen für sich: Unter den 28 Mitarbeitern befinden sich viele äußerst langjährige Mitarbeiter, die oft seit mehr als 20 Jahren dabei sind und fast ausnahmslos aus den eigenen Auszubildendenverhältnissen übernommen worden sind. Bis zum Jahr 2010 waren es 24 Azubis, die bei Daiß gelernt haben. „Von außen neu ist außer den Auszubildenden eigentlich kaum jemand eingestellt worden, der letzte, von außen eingestellte Mitarbeiter kam vor rund zehn Jahren dazu. Entlassungen gab es in den letzten zehn Jahren auch nicht“, sagt der Unternehmer. Seine Auszubildenden – allein 14 in den vergangenen zehn Jahren – hat er alle gut durch die Prüfung gebracht, darunter auch förderbedürftige junge Leute aus Bildungsträger-Einrichtungen. Der Notendurchschnitt der Daiß-Absolventen liegt bei 2,8, keiner ist durchgefallen, drei haben sogar an Berufswettbewerben teilgenommen. Wann immer die Chemie passte und das Unternehmen Bedarf hatte, übernahm Günther Daiß seine Azubis und generierte sich daraus langjährige, mit dem Betrieb vertraute Arbeitskräfte.

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie so offensiv langjährige Mitarbeiter anfordern? Sehen Sie das als eine Maßnahme gegen den wachsenden Fachkräftemangel?

Günther Daiß: Ich habe den Betrieb vor 29 Jahren gegründet. Von Anfang an habe ich in allen Bereichen auf Bewährtes gesetzt. Ein langjähriger Mitarbeiter, der weiß, wie es im Betrieb läuft, der mit viel Vertrauen und Verantwortung ausgestattet ist, ist das Wertvollste, was es im Betrieb gibt. Ich habe viel weniger Ärger, beide Seiten wissen, wie die andere tickt. Ich brauche viel weniger Bauleiteraufwand und der Mitarbeiter ist auch zufriedener.

Was machen Sie anders als andere Betriebe? Welche Rolle spielt bei Ihnen der Punkt Verantwortungsübertragung/Zuständigkeit der Mitarbeiter?

Günther Daiß: In unserem Organisationshandbuch steht alles drin. Jeder weiß, was er zu tun und was er zu erwarten hat, wo er im Betrieb steht und welche Entwicklungsmöglichkeiten er hat. Wir übertragen sehr viel Verantwortung auf unsere Mitarbeiter. Es finden regelmäßige Gespräche statt, jedes Bauvorhaben wird offen diskutiert. Ob Erfolg oder Misserfolg.

Welche Rolle spielt für Ihre Mitarbeiter das „Netzwerk Gärten“, ein selbst organisierter Zusammenschluss verschiedener Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus (www.netzwerk-gaerten.de), dem Sie angehören?

Günther Daiß: Es finden regelmäßige Treffen innerhalb des Netzwerkes Gärten statt, beispielsweise die Vorarbeitertreffen. Da gehen zweimal im Jahr mehrere Vorarbeiter ganze Tage in andere Betriebe, bewerten diese, nehmen gute Ideen mit und verwirklichen diese im eigenen Betrieb.

Was tun Sie, um Ihre Mitarbeiter zu involvieren und zu motivieren?

Günther Daiß: Wir geben unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich bei uns zu entwickeln. Es werden Verantwortungen übertragen, wir fördern berufliche und private Entwicklungen. Jeder bekommt einen angemessenen Lohn, am Ende des Jahres gibt’s unter Umständen noch eine Erfolgsbeteiligung. Wir arbeiten in der Regel 45 Stunden in der Woche, da gibt es genügend Raum für familienfreundliche Sonderfreizeiten. Jedes Bauvorhaben wird nachkalkuliert und mit den Mitarbeitern diskutiert.

Wie viele Mitarbeiter welcher Qualifikation und Altersklasse beschäftigen Sie und welche Entwicklung streben Sie hier an?

Günther Daiß: Wir arbeiten derzeit mit 26 Mitarbeitern, darunter zwei Ingenieure, vier Meister, neun Landschaftsgärtner, zwei Kauffrauen, zwei Mitarbeiter mit anderen Berufen, fünf Lehrlinge und zwei Ungelernte. Wir streben in Zukunft noch höhere Qualifikationen an. Jedes Jahr wird ein Facharbeiter zur Meisterschule motiviert.

Wie kommen Sie an „passende“ Azubis? Und gestalten Sie die Ausbildung in besonderer Weise, um diese zu qualifizieren und um sie im Betrieb zu halten?

Günther Daiß: Wir haben Bildungspartnerschaften mit mehreren Schulen, werben mit Wettbewerben, sind in der Initiative für Ausbildung, gehen auf Azubimessen und sind im Netzwerk Gärten. Unser Ausbilderhandbuch hilft uns in der Organisation und stellt für beide Seiten klare Spielregeln auf. Die Initiative oder das Netzwerk Gärten bringt unseren Azubis eine breitere Ausbildung durch Azubitreffen und Azubiaustausch.

In welcher Art Einzugsgebiet liegt Ihr Betrieb? Oder anders ausgedrückt: Wie schwer/leicht ist es in Ihrer Region, an passende Arbeitskräfte zu kommen?

Günther Daiß: Wir sitzen im Speckgürtel von Baden-Württemberg, Arbeitskräfte kann man in unserer Gegend fast nicht bekommen. Deshalb bilden wir selber aus. In den Bewerbungsgesprächen sagen wir es unseren Azubibewerbern. Ansonsten werben wir damit nicht.

Wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil beschreiben? Was machen Sie anders als andere, was schätzen Ihre Mitarbeiter an Ihnen?

Günther Daiß: Ich habe gerade unsere Gärtnermeisterin dazu befragt. Sie sagt, ich hätte einen demokratisch-autoritären Führungsstil. Meine Stärke ist, glaube ich, dass ich es verstehe, die Menschen mitzunehmen. Ich gehe voran und nehme die Mitarbeiter mit. Aber manchmal hinke ich auch hinterher – und von den Mitarbeitern kommt dann der Hinweis, dass es jetzt genug ist. Es wird auch mal jemand getragen. Wir sind ein Team, jeder trägt und erntet.

Welche Aktivitäten bieten Sie Ihren Mitarbeitern außerhalb der Arbeit, um sie zu binden? Was veranstalten Sie beispielsweise gemeinsam?

Günther Daiß: Eigentlich fast gar nichts Besonderes, außer einer Sommer- und einer Weihnachtsfeier machen wir privat nichts. Das heißt aber nicht, dass wir nicht am anderen interessiert sind. Im Gegenteil, es ist uns wichtig, dass es jedem gut geht. Wir helfen, wenn’s privat klemmt. Wir tragen, wenn’s schwierig wird. Wenn jemand eine private Investition hat, sind wir auch mal beratend tätig. Vor Jahren habe ich mal einem Mitarbeiter geholfen, ein Haus zu ersteigern. Ich habe die Finanzierung und die Vermietung in meine Hände genommen.

Woran merken Sie, wenn Mitarbeiter nicht zum Betrieb passen?

Günther Daiß: Das merken wir relativ schnell. Wenn er/sie nicht mitzieht, keinen Einsatz zeigt, keine Motivation hat, unehrlich ist oder nur rumredet. Das merken die Mitarbeiter – und oft höre ich von denen dann entsprechende Kommentare. Die wollen immer die Besten, wir bekommen auch oft die besten Bewerber für unsere Ausbildungsstellen – aber manchmal sollte man auch schwächeren Menschen eine Chance geben. Ich muss da oft bremsen und auch mal auf mehr Geduld pochen. Wenn ein Azubi sich in der Lehrzeit bewährt, wird er in der Regel nicht mehr gekündigt.

Welche Perspektiven bieten Sie Ihren Mitarbeitern für die Zukunft? Wie sehen Sie die Entwicklung Ihres Unternehmens?

Günther Daiß: Wir bieten einen Arbeitsplatz bis zur Rente. Wir qualifizieren unsere Mitarbeiter, unterstützen auch zum Meister. Jeder kann sich bei uns entwickeln, jeder wird gefördert. Jeder wird anerkannt, bekommt Verantwortung und auch entsprechende Rückendeckung. Wir wollen auch in Zukunft immer unter den Besten sein. Da gibt es mehr als genug Entwicklungsmöglichkeiten für jeden.

Was raten Sie Berufskollegen in Sachen Mitarbeiterbindung? 

Günther Daiß: Man muss die Mitarbeiter als Menschen behandeln, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten geben, auch Fehler machen lassen. Sie mit in die Prozesse einbeziehen, ihnen zuhören, sie ernst nehmen und auf ihre Ideen hören. (kla)