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Waldfriedhof Stuttgart: Wo Heuss und Bosch ruhen

Gartenschauen, Botanische Gärten, Schlossgärten und andere Parkanlagen sind attraktive Besichtigungsobjekte für pflanzenbegeisterte Menschen. Es gibt aber noch andere Orte, die die Bevölkerung anregen, sich für gärtnerische Themen zu interessieren. Sicher etwas ungewöhnlich ist es, einen Friedhof als attraktives Besichtigungsobjekt anzubieten. Zu den besonderen Anlagen zählt der Stuttgarter Waldfriedhof. Er wurde 1913 auf einer bewaldeten, also mit Mischwald bepflanzten Anhöhe über dem südlichen Stadtteil geplant. 1914 fanden die ersten Bestattungen statt. 

In diesem einfach geschmückten Grab ruht der berühmte Industrielle Robert Bosch. Foto: Edgar Gugenhan

Der vor knapp hundert Jahren entstandene Waldfriedhof rückte in neuerer Zeit verstärkt in den Blickpunkt der Bevölkerung. Dies kam kürzlich bei einer Friedhofsbesichtigung durch Mitglieder des Verkehrsvereins Pro Stuttgart zum Ausdruck.

Begrüßt und ins Thema eingeführt wurden die Besucher durch den ehemaligen Direktor des Garten- und Friedhofsamtes der Stadt Stuttgart, Werner Koch. Anschließend übernahm Maurus Baldermann, Steinmetzmeister und Grabmalberater beim Stuttgarter Friedhofsamt, die Führung. Wie er anmerkte, hat der Waldfriedhof eine Fläche von 30 Hektar und ist mit rund 20.000 Grabstätten belegt. Von Anfang an mussten sich die Grabstätten harmonisch in die Waldlandschaft einfügen. Typisch ist auch, dass die Grabstätten nicht mit Einfassungen umgeben sind.

Im Laufe der Jahrzehnte haben viele berühmte Bürger der Stadt dort ihre spätere Grabstätte ausgewählt. Dementsprechend finden sich auf dem Waldfriedhof viele Ehrengräber, die von der Stadt Stuttgart gepflegt werden. Beispielsweise fanden der frühere Bundespräsident Theodor Heuss, Oberbürgermeister Arnulf Klett, Robert Bosch, die berühmten Künstler Adolf Hölzel, Oskar Schlemmer sowie Otto Herbert Hajek und der Opernsänger Wolfgang Windgassen hier ihre letzte Ruhestätte.

Viel Interesse fand auch der Grabstein von Dr. Ernst Hory. Er war als Hauptmann der Reserve zu Beginn des Ersten Weltkriegs schwer verwundet und wenige Wochen später – im September 1914 – verstorben. Seines war das erste Grab auf dem Waldfriedhof.

Ursprünglich war dieser Waldfriedhof gar nicht so einfach zu erreichen. Daher wurde schon 1914 eine Seilbahn geplant. Mit ihr sollten die Besucher vom Stadtteil Heslach bequem aufwärts zum Waldfriedhof fahren können. Erbaut werden konnte diese Seilbahn aber erst 1929. Sie ist heute noch in Betrieb. An jedem Ende eines 550 Meter langen Stahlseils hängt ein mit Teakholz verkleideter Wagen, wobei der aufwärts fahrende Wagen zum Teil mit der Kraft des abwärts fahrenden Wagens die bis zu 28 Prozent steigende Fläche problemlos überwinden kann.

Stimmungsvoll war auch ein Blick über den Ehrenhain, der 1923 angelegt wurde. Wie Werner Koch und Maurus Baldermann anmerkten, werden Friedhofsführungen in Stuttgart von der Bevölkerung stark angenommen. (Edgar Gugenhan)