Waldverluste größer als angenommen

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Kahle Wälder sind in Deutschland keine Seltenheit, die Satellitenbilder des DLR offenbare größere Verluste, als angnommen. Foto: DLR/ Thonfeld

Dass sich der deutsche Wald in keinem guten und gesunden Zustand befindet, gilt als unbestritten. Wie Forschende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nun allerdings herausgefunden haben, sei der Zustand des Waldes schlimmer als befürchtet. Anlass zur Sorge geben aktuelle Satellitenbilder.

Waldverlust liegt bei rund fünf Prozent

Die Wälder sind die grüne Lunge des Planeten, hier wird nicht nur CO2 gebunden, der Wald bieten auch unzähligen Arten Lebensraum. Allerdings befinden sich die deutschen Wälder in keinem guten Zustand, das ging bereits im vergangenen Jahr im Februar aus der Waldzustandserhebung des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor. Beim DLR stellte man sich die Frage, wieviel Wald in den letzten Jahren durch Klimaveränderung, Schädlingsbefall und sonstigen Umwelteinflüssen generell verlorengegangen ist. Dafür analysierten Forschende satellitengestützte Erdbeobachtungsdaten und machten zum ersten Mal deutschlandweit sichtbar, wie viel Verlust der Wald zu verzeichnen hat. Die Analyse erstreckt sich auf den Zeitraum von Januar 2018 bis einschließlich April 2021. Die Ergebnisse seien alarmierend, denn auf einer Fläche von rund 501.000 Hektar seien Baumverluste zu verzeichnen. Damit seien fast fünf Prozent der gesamten Waldfläche verloren gegangen, was ein deutlich höherer Verlust ist, als eigentlich angenommen. Als Auslöser gelten vor allem die ungewöhnlich starken Hitze- und Dürreperioden in diesen Jahren, die wiederum den Befall durch Schadinsekten begünstigt haben.

Nadelwälder besonders betroffen

Um den Baumverlust genau zu beziffern, nutzten Forschende der DLR-Forschungsgruppe des Earth Observation Center (EOC) den Satelliten Sentinel-2 des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus sowie den US-amerikanischen Satelliten Landsat-8 als Datenquelle. Damit konnten großflächige Verluste im Oberstand von Wäldern genau erfasst und drastische Schäden wie komplett abgestorbene Bestände genau sichtbar gemacht werden. Besonders betroffen sei die Mitte Deutschlands von der Eifel, über Sauerland, Harz und Thüringer Wald, bis in die Sächsische Schweiz. Hier sind es vor allem die Nadelwälder, die besonders geschädigt sind. Allein Nordrhein-Westfalen verlor innerhalb von drei Jahren mehr als ein Viertel seiner Fichtenwälder. Kahlschläge seien oftmals der letzte Ausweg, dem Schädlingsbefall Herr zu werden.

Die Fichtenwälder entstanden vielerorts nach dem zweiten Weltkrieg und wurden als Holzlieferanten in Monokulturen angelegt. Dadurch sind diese Wälder weniger widerstandsfähig und waren besonders anfällig in den Hitzeperioden der vergangenen Jahre. „Unsere Analysen zeigen, dass auch Eiche, Buche und Kiefer – neben der Fichte die häufigsten Baumarten in Deutschland – starke Schäden aufweisen. Dasselbe gilt für seltenere Arten wie Bergahorn oder Lärche", sagt Dr. Frank Thonfeld vom EOC des DLR. „Die jährlichen Waldzustandsberichte der Behörden machen bereits deutlich, dass sich der Zustand der deutschen Wälder schon seit längerer Zeit kontinuierlich verschlechtert. Aber die Schäden der letzten wenigen Jahre sind beispiellos.“

Ylenia und Zeynep sorgen in Niedersachsen für Verluste

Neben dem Schädlingsbefall erlitt der Wald aber auch Verluste durch vermehrt auftretende Stürme. Hier habe das DLR vor allem Ostbayern, Sachsen-Anhalt und Sachsen als die Regionen mit den höchsten Verlusten durch Wind identifiziert. Doch auch Niedersachsen wurde gerade durch die beiden vergangenen Sturmtiefs Ylenia und Zeynep schwer geschädigt, das gab das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bekannt. „Dürre, Borkenkäfer und jetzt wieder Stürme - Niedersachsens Wälder kommen einfach nicht zur Ruhe. Mein Dank gilt sowohl der Landwirtschaftskammer mit ihren Bezirksförsterinnen und -förstern als auch dem Personal der Landesforsten sowie den zahlreichen Privatwaldbesitzenden, die nun die Schäden begutachten, die Wälder wieder sicher machen und anschließend mit der Wiederaufforstung beginnen", sagte Niedersachsens Forstministerin Barbara Otte-Kinast.    

NRW: geschätzt zehn Prozent geschädigt 

Sorgen um die Aufforstung macht man sich hingegen in Nordrhein-Westfalen. Die Tagesschau berichtete, dass der Nachschub an benötigtem Saatgut eng werden könnte. Die im Vorjahr geerntete Saatgutmenge in den NRW-Wäldern sei mit zehn Tonnen die geringste seit gut zehn Jahren. Es reiche bei Weitem nicht aus, um den Bedarf der Baumschulen und der Wälder zu decken. Die trockenen Jahre der jüngsten Vergangenheit gibt der Landesbetrieb Wald und Holz aus NRW als einen der Gründe für die sparsame Samen-Ernte an. Die Bäume seien durch den Wassermangel in den Sparmodus gegangen und hätten weniger Samen produziert. Man hoffe jetzt auf einen ertragreicheren Herbst, heißt es weiter, denn das Ausgangsmaterial werde dringend benötigt. Der Landesbetrieb schätzt den Waldschaden in NRW infolge von Sturm, Dürre und den Borkenkäfer auf gut zehn Prozent.

Effiziente Maßnahmen zum Schutz notwendig

Das DLR sieht aber nicht Deutschland allein vor großen Herausforderungen stehen, auch Nachbarländer wie Tschechien und Österreich stehen vor ähnlichen Problemen. Mittelfristig setze sich voraussichtlich die Tendenz fort, dass noch weitere Bestände verloren gehen. Es werde laut DLR Jahrzehnte dauern, bis die wirtschaftlichen Schäden eingeholt sind. Die Erholung des Ökosystems Wald werde demnach noch länger dauern. Es müssen daher dringend effiziente Maßnahmen zum Schutz der Wälder ergriffen werden.