Grüne Branche

Was Himmelsboten erzählen können

Engel haben schon seit einer Reihe von Jahren Hochkonjunktur und das nicht nur auf den historischen Bestattungsplätzen, wo sie sich schon hundert Jahre zuvor in großer Zahl niedergelassen haben. Kein Wunder also, dass Friedhofsverwaltungen und Förderkreise gern ihre Grabmalengel in den Mittelpunkt der Öffentlichkeitsarbeit stellen.

So warb zum Beispiel der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg schon bei der Einführung der Patenschafts-Grabmale mit dem Motto „Engel zu verschenken“. Führungen, die sich diesem Thema widmen, sind also meistens sehr gut besucht, besonders wenn das Wetter mitspielt. Nicht nur ältere Menschen und Erwachsene, auch Schulkinder lassen sich von den Geschichten rund um die Himmelsboten und ihre Bedeutung auf dem Friedhof faszinieren. Das Thema spricht alle Altersgruppen an. Frauen besuchen dabei anscheinend etwas lieber Führungen, die sich explizit den Engeln widmen, als Männer. Das weibliche Geschlecht steht ja lange schon in dem Ruf mit dem Übersinnlichen vertrauter umzugehen als sein männlicher Gegenpart.

Doch meistens wird es bei einer Friedhofsführung zum Thema Engel nicht so sehr um das Übersinnliche gehen, sondern um die – ganz irdischen – Grabmalplastiken und die Familien oder Einzelpersonen, auf deren Grabstätten sie zu finden sind. Zwar lässt sich viel erzählen über die himmlischen Boten, die zu den Menschen kommen, um sie zu geleiten, zu beschützen und ihre Seelen dorthin zu führen, wohin ihre Körper nicht gehen können. Doch die vielen privaten Geschichten von Menschen, in deren Leben Botschaften von Engeln eine wichtige Rolle gespielt haben, wird man auf einer öffentlichen Friedhofsführung selten erzählen. Dazu braucht es doch meist einen intimeren Kreis von Menschen.

Normalerweise geht es um jene Engelsgestalten, die trauernd neben dem Grabmal stehen, Blumen und Kränze zum Grab bringen oder mit hocherhobenen Händen zum Himmel hinaufweisen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist der weiße Marmorengel auf dem Grab der Familie Donnenberg auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Schaut man genauer hin – und Friedhofsführungen sollen die Besucher dazu „verführen“ sich mit dem Ort, seiner Geschichte und seiner Gestaltung auseinanderzusetzen –, so sieht man, dass dieser Engel gerade zum Himmel aufschwebt. Denn sein oder besser ihr nackter Fuß ist schon um wenige Zentimeter von dem felsartig gestalteten Grabmalsockel abgehoben. Sie streckt ihre Arme weit zum Himmel und das Gesicht zeigt eine gewisse Entrücktheit. Man könnte vermuten, dass hier eine Verstorbene dargestellt sein soll, die nach einem engelgleichen Erdendasein nun selbst zum himmlischen Wesen geworden ist. Lesen Sie mehr dazu in der November-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 26.