Was macht eigentlich eine Gartenbau-Ingenieurin im Zoo?

Veröffentlichungsdatum: , Katrin Klawitter

Gartenbau-Ingenieurin Eva Augart und Kollege Lorenz Ormos kontrollieren die Eukalyptus-Kultur. Foto: Wilhelma

Eva Augart hat Gartenbau an der Fachhochschule Weihenstephan studiert, eine Gärtnerlehre auf der Insel Mainau absolviert, im Bereich Saatguttechnologie und Pflanzenzüchtung bei Jelitto und Volmary gearbeitet. Das Heimweh zog sie wieder in den süddeutschen Raum – in den Fachbereich Botanik der Wilhelma.

Zoologisch-botanischer Garten mit spannender Historie

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, für einen Zoo zu arbeiten“, sagt Augart. Und die Wilhelma hat eine spannende Historie: Sie entstand ab 1842 als Lustgarten für König Wilhelm – eine schöne Gartenanlage in Hanglage Stuttgarts, die Jahre später auch für Besucher geöffnet wurde. Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sie sich zu einem Botanischen Garten, nach dem zweiten Weltkrieg kamen Tiere hinzu – und so wuchs sie zu einem zoologisch-botanischen Garten mit einer beeindruckenden Vielfalt und Kombination von Pflanzen und Tieren.

Die botanische Abteilung der Wilhelma hat zwei Standbeine: Die botanischen Sammlungen und die Eigenproduktion. Der botanische Schwerpunkt teilt sich in die rein systematische Sammlung von Pflanzengattungen und -familien wie Gesnerien, Orchideen, Kakteen und Sukkulenten und in geografische Schwerpunkte, die bestimmte Regionen auch botanisch widerspiegeln – wie das Amazonienhaus mit südamerikanischen oder das Menschenaffenhaus mit tropischen, afrikanischen Arten. „Wir versuchen in diesen Häusern, die Pflanzen der Herkunft der Tiere anzupassen“, so Augart.

Wilhelma mit eigener Zierpflanzen-Produktion

Gärtner braucht die Wilhelma, „weil wir als zoologisch-botanischer Garten auch eine eigene Pflanzenproduktion haben und Zierpflanzen-Standardkulturen wie Chrysanthemen, Cyclamen, Weihnachtssterne und Sommerflor selbst produzieren“, erläutert die Gartenbau-Ingenieurin. Produziert werden Zierpflanzen für die Wilhelma-eigenen Schauhäuser und die vielen Freilandbeete des zoologisch-botanischen Gartens. Rund 20.000 Pflanzen jährlich, parallel zu den rund 9.000 Pflanzenarten und -sorten der botanischen Sammlung, die durchgehend in den Gewächshäusern stehen.

Besucher kommen gezielt für botanische Veranstaltungen

Lohnt sich die Eigenproduktion für einen Zoo? „Unbedingt“, sagt Eva Augart. „In unseren Schauhäusern wird teilweise richtig geklotzt – unter anderem mit Weihnachtssternen.“ Denn nicht alle Besucher eines Zoos kommen nur, um Tiere zu sehen. Es gibt durchaus eine Stammbesucherschaft, die Botanik sehr schätzt und gezielt für botanische Veranstaltungen wie die Chili- oder Zitruspflanzenschau oder die weihnachtliche Ausstellung kommt. Dafür produzieren die Gärtner eigens Poinsettien-Sonderformen, präsentiert wird die Ausstellung eindrucksvoll auf Moosfarn-Teppich.

► Warum in der Wilhelma auch Eukalyptus angebaut wird und Palmen fliegen, lesen Sie in der Gärtnerböse 5/2021.