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Was passiert mit ungepflegten Gräbern?

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In Düsseldorf erhitzt ein „verschwundenes“ Grab die Gemüter. Wie RP Online berichtet, hatte die Verwaltung des Friedhofs Staffeln die Grabstätte von Christine Reschke „überraschend“ einebnen lassen, weil die Pflege des Bestattungsortes vernachlässigt wurde.

Eine Grabstätte kann bei Verwahrlosung trotz bestehender Nutzungsrechte eingeebnet werden. Die Kosten für die Pflege der Fläche trägt der Halter der Nutzungsrechte bis zum Auslaufen des Vertrags. Foto: Pixabay

Friedhofsverwaltung Staffeln lässt Grabstätte trotz bestehendem Nutzungsrecht einebnen

„Ich war völlig konsterniert, alles war weg: der Grabstein, die Vase, die Lampe“, zitiert RP-Online Petra Vietens. Sie ist keine direkte Angehörige der Bestatteten, sondern mehr eine Bekannte. Einmal im Jahr besuche sie die Grabstätte von Christine Reschke, um dort zum Geburtstag der Verstorbenen Blumen niederzulegen. Nun starrte die 57-Jährige auf eine eingeebnete Fläche.  

Was war also passiert und weshalb verschwand das Grab so „plötzlich?“ Die Antwort findet sich zum Teil in der Satzung des Friedhofs wieder, wie sie auch auf der Webseite der Stadtverwaltung Düsseldorf zu lesen ist, und zum Teil in den äußeren Umständen. Denn obwohl die Nutzungsrechte des Liegeplatzes auf 25 Jahre durch Frau Reschke gekauft worden war, habe es laut RP Online keinen Nachfolger gegeben, der diese Nutzungsrechte in Anspruch habe nehmen wollen/können.

Friedhofssatzung: Vernachlässigung von Grabstellen

Die Friedhofssatzung für den Friedhof Staffeln besagt zu diesem Umstand in Paragraph 31 „Allgemeines“ folgendes:

  • (1) Grabbeete müssen im Rahmen der Vorschrift des § 21 gärtnerisch hergerichtet und instandgehalten werden. Dies gilt entsprechend für den Grabschmuck. Verwelkte Blumen und Kränze sind unverzüglich von den Grabstätten zu entfernen.
  • (5) Für die Herrichtung und die Instandhaltung der Grabstätte ist die/der Nutzungsberechtigte verantwortlich.

Da für Absatz 5 aufgrund der fehlende Nachfolge kein Nutzungsberechtigter mehr in Frage kam, griff nun § 34 Vernachlässigung von Grabstellen:

  • (1) Ist eine Grabstätte nicht ordnungsgemäß hergerichtet oder gepflegt, wird die / der Nutzungsberechtigte oder Inhaber/in der Grabnummernkarte schriftlich aufgefordert, binnen einer festzusetzenden angemessenen Frist die Grabstätte in Ordnung zu bringen. Nach zweimaliger schriftlicher Aufforderung kann das Friedhofsamt die Grabstätte auf Kosten der/des Nutzungsberechtigten abräumen, einebnen, mit Rasen einsäen und bis zum Ablauf des Nutzungsrechtes auf Kosten des/der Nutzungsberechtigten pflegen.
  • (2)Ist eine Grabstätte nicht ordnungsgemäß hergerichtet oder gepflegt und die/ der Nutzungsberechtigte oder der/ die Inhaber/in der Grabnummernkarte nicht bekannt oder ihr / sein Wohnsitz unbekannt und auch über das Amt für Einwohnerwesen nicht zu ermitteln, so ergeht die Aufforderung durch eine allgemeine öffentliche Bekanntmachung und durch ein für sechs Monate auf dem Grab aufgestelltes Hinweisschild. Kommt die / der Nutzungsberechtigte oder die/der Inhaber/in der Grabnummernkarte ihrer/seiner Verpflichtung innerhalb von sechs Monaten nicht nach, wird die Grabstätte zu ihren/seinen Lasten abgeräumt, eingeebnet, eingesät und bis zum Ablauf des Nutzungsrechtes auf ihre/seine Kosten gepflegt.

Deshalb hatte die Friedhofsverwaltung eine Einebnung veranlasst, nachdem ein im Juni aufgestelltes Schild, sich um die Grabpflege zu kümmern, unbeachtet geblieben sei. Auch andere Friedhöfe haben ähnliche Abschnitte in ihren Satzungen eingefügt.

Dauergrabpflege auch ohne Nachkommen?

Doch auch wenn es keine Angehörigen gibt, die die Grabpflege übernehmen können oder wollen, ist dieser drastische, finale Schritt nicht unausweichlich. Ein Vertrag mit einer Treuhandstelle Dauergrabpflege hätte ihn verhindern können und so die Vertragslaufzeit von 25 Jahren greifen lassen.

Die Pflegekosten für das Grab richten sich nach der Laufzeit des Vertrages und dem gewünschten Leistungsumfang. Sie werden bei Vertragsabschluss in einer Summe bezahlt. Die Treuhandstelle für Dauergrabpflege sicher an, beauftragt und bezahlt jährlich den Friedhofsgärtner und kontrolliert jährlich die erbrachten Leistungen.

Auskünfte erhalten Sie bei Ihrem Friedhofsgärtner oder auch der jeweiligen Treuhandstelle. Mehr rund um die Themen Friedhofsverwaltung und Bestattungskultur lesen Sie in unserem Fachmagazin Friedhofkultur, das Sie auch über unseren TASPO Shop abrufen können.