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Wasserpflanzen-Kultur: „Fieberklee wächst wie eine Eiche“

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Leonhard Wolff produziert seit 25 Jahren im eigenen Familienbetrieb in Langerwehe-Schönthal Wasserpflanzen – darunter auch Fieberklee, die von der Loki Schmidt Stiftung frisch gekürte „Blume des Jahres 2020“. Wir sprachen mit dem Gärtnermeister mit Fachrichtung Stauden über dessen Stellenwert im Sortiment und die Kultur von Wasserpflanzen generell.

Herr Wolff, was zeichnet Ihren Betrieb aus?

Wir sind spezialisiert auf Wasserpflanzen und bieten Renaturierungs-, Schwimm- und Sauerstoffpflanzen sowie Seerosen an. Aufgrund der unterschiedlichen Standortbedingungen dieser Pflanzen kultivieren wir sie in Beckenanlagen mit unterschiedlichen Wassertiefen, sowohl im Freiland, als auch im Gewächshaus.

Welchen Stellenwert hat der Fieberklee im Sortiment für Sie?

Der Fieberklee, also Menyanthes trifoliata, ist auf jeden Fall ein Wasserpflanzen-Klassiker mit einer besonders ausgefallenen, dekorativen Blüte. Damit hat er einen festen Platz im Sortiment, ist jedoch trotzdem kein Bestseller. Wir produzieren pro Jahr etwa 5.000 Töpfe Fieberklee.

Was versprechen Sie sich von seiner Wahl zur Blume des Jahres 2020?

Die Loki Schmidt Stiftung macht durch diese Aktion seit Jahrzehnten auf gefährdete Pflanzen und ihre Lebensräume aufmerksam. Die Wahl ist auf den bedrohten Fieberklee gefallen, um auf den nötigen Schutz der Moore hinzuweisen. Moore binden ja in ihren Torfschichten Unmengen an klimaschädlichem CO2 und tragen so maßgeblich zum Klimaschutz bei. Ein aktuelleres Thema gibt es momentan wohl kaum.

Aus meiner gärtnerischen Sicht ist die Wahl des Fieberklees ein zweischneidiges Schwert. Zum einen sollen die Moore mit ihren bedrohten Arten geschützt werden und andererseits wird weltweit sehr viel Torf abgebaut. Torfersatzstoffe werden von Substratherstellern zunehmend angeboten, um den weiteren Torfabbau zu verringern. Auch wir sind dabei zu testen. Voraussichtlich werden wir dieses Jahr mehr Fieberklee verkaufen als sonst. Die Bekanntheit von Fieberklee wird bestimmt steigen und Endkunden werden vermehrt Interesse zeigen.

Wie läuft denn die Kultur von Fieberklee ab?

Wir vermehren unsere Pflanzen selbst, dafür haben wir Mutterpflanzen-Becken. Hier schneiden wir etwa 15 Zentimeter lange Triebe ab, diese kommen dann in spezielle Wasserpflanzen-Erde. Da die Bewurzelung einige Monate dauert, sage ich immer, „Fieberklee wächst wie eine Eiche“. Daher kann man ihn leider nicht schnell nachproduzieren.

Was sind in Ihrem Sortiment die Topseller? Wie verlaufen hier Preisentwicklung und Nachfrage?

Topseller sind wasserklärende Pflanzen für den Gartenteich, welche den Algen die Lebensgrundlage nehmen und zu einer besseren Sauerstoffversorgung verhelfen. Beispiele wären hier Tannenwedel (Hippuris vulgaris) und Hornblatt (Ceratophyllum). Auch Repositionspflanzen zur Renaturierung sind gefragt. Da sind Schilf (Phragmites australis) und einheimische Gräser nennenswert.                   

Preiserhöhungen sind nicht leicht umzusetzen. Dennoch müssen wir die stetig steigenden Rohstoff- und Produktionskosten an unsere Kunden weitergeben. Die Nachfrage im Wasserpflanzen-Bereich verzeichnet jährlich Zuwächse.

Welche Neuheiten gibt es im Wasserpflanzen-Sortiment?

Neuheiten gibt es im normalen Programm nur wenige. In letzter Zeit haben wir einige nicht ganz so winterharte Pflanzen in unser Sortiment übernommen, die im Besonderen für Terrassenteiche interessant sind. Hier haben wir einige Gattungen aus dem Bereich der Aquarienpflanzen ausgewählt. Bei den Seerosen haben wir die blühfreudige Nymphaea ʻWanvisaʼ neu im Programm. Jede ihrer Blüten ist von der Farbverteilung her ein Unikat. Hier kann eine Blütenhälfte komplett rot-orange und die andere gelb sein.

Wer sind Ihre Kunden und wie ist Ihr Absatz organisiert?

Wir verkaufen unsere Pflanzen an Gartencenter, Staudengärtner, Baumschulen, Gartenlandschaftsbauer und im Onlineshop. Besonders für den Garten- und Landschaftsbau arbeiten wir auch Bepflanzungspläne aus und beraten. Unseren Absatz versuchen wir so weit wie möglich zu streuen und können Kunden bundesweit durch gute Speditionen im Overnight-Verfahren bedienen. Ebenso beliefern wir Kunden in den Nachbarländern.

Wie lösen Sie Ihren Wasserbedarf?

Der Wasserbedarf ist gar nicht so hoch, wie man vermuten könnte. Wir nutzen Leitungswasser, sammeln Regenwasser und Oberflächenwasser. Durch unsere geschlossenen Wasserbecken verbrauchen wir allerdings nicht viel davon. Wasser kann natürlich verdunsten, fließt jedoch nicht direkt in den Untergrund. Und wenn es einmal richtig regnet, sind die Becken voll.

Problematisch sind Nutrias, also Sumpfbiber, die sich bei uns angesiedelt haben. Letztes Jahr hatten wir große Schäden durch sie, ganze Becken wurden verwüstet. Es sind richtige Wasserpflanzenfresser, die auch komplette Habitate leer fressen können. Wir schützen uns nach dieser Erfahrung jetzt mit einem Zaun.

Weitere Informationen zur Wasserpflanzen-Gärtnerei Wolff in Langerwehe erhalten Sie auf der Website des Unternehmens.

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