Grüne Branche

Wasserpflanzengärtnerei als Teilzeit-Standbein

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Wie in Zeitlupe bewegt sich Heike Finke durch ihr Pflanzenreich. Jeder Schritt gleicht einem Kraftakt. Sobald sie einen Fuß auf den Boden setzt, versinkt dieser zentimeterweit im aufgeweichten Lehmboden. Aber genau in dieser Umgebung fühlen sich ihre Gewächse am wohlsten. Denn die Leipzigerin betreibt im Ortsteil Althen die „Wasserpflanzengärtnerei Krause“. Der Betrieb der 47-Jährigen ist einer der wenigen in Sachsen, der sich auf Hydrophyten spezialisiert hat.

Heike Finke in einem Becken ihrer Wasserpflanzengärtnerei. Foto: Filip Lachmann

Wasserpflanzengärtnerei mit prominenten Kunden

Entsprechend prominent ist ihre Kundenliste bestückt. So zählen der Zoo Leipzig sowie das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) zu den regelmäßigen Großabnehmern. Darüber hinaus steuern Zoofachgeschäfte, Garten- und Landschaftsbauer sowie einzelne Naturschwimmbäder gezielt die Gärtnerei am Stadtrand an. Genauso wichtig fürs Geschäft sind die Privatkunden, die vor Ort nach Grün für ihren Gartenteich Ausschau halten oder sich online ihre Waren bestellen. Mittlerweile erwirtschaftet der Online-Handel rund 30 Prozent des Umsatzes.

„Prinzipiell bin ich mit dem bisherigen Geschäftsjahr zufrieden. Der Umsatz liegt auf dem Niveau der vergangenen zwei, drei Jahre“, zieht Heike Finke ein Zwischenfazit über das noch bis August laufende Geschäftsjahr. Eine langfristige Planung sei für sie allerdings schwierig, da vor allem Großkunden wie der Zoologische Garten ihre Bestellungen oftmals ad hoc aufgeben. „Da Wasserpflanzen schnell wachsen, kann ich zum Glück rasch auf solche Anfragen reagieren, aber es bleibt dennoch stets eine Herausforderung“, so die Hydrophyten-Expertin.

Koordinierter läuft die Zusammenarbeit mit den Forschern des UFZ. „Die melden ihren Bedarf in der Regel im Voraus an, sodass ich gezielt separate Aufzuchtbereiche mit den gewünschten Pflanzen anlegen kann.“ In den vergangenen Jahren hätten die Forscher überwiegend mit großen Mengen Flatterbinse experimentiert. Anhand der Pflanzen seien die Abbauprozesse von Schadstoffen im Wasser untersucht worden.

Wasserpflanzengärtnerei in zweiter Generation

Heike Finke führt den Familienbetrieb bereits in zweiter Generation. Im Jahr 2000 übernahm sie das Unternehmensruder von ihrem Vater Werner Krause. Dieser machte 1970 sein Hobby zum Beruf. Zuvor setzte der gelernte Maler zunächst seinen Schrebergarten unter Wasser, um Seerosen und Zierfische zu züchten. Als die Gartenfläche nicht mehr ausreichte, erwarb er das Grundstück, auf dem noch heute die Gärtnerei steht, und machte sich selbstständig. Nach wie vor ist die Wasserpflanzenzucht eine reine Familienangelegenheit. Sowohl Finkes Mutter Helgard als auch ihr Sohn Tom packen stets mit an, wenn es die Zeit erlaubt.

Von Kindesbeinen an half Heike Finke im elterlichen Betrieb mit und erlernte so sukzessive das Handwerk. „Wie mein Vater habe ich keine gärtnerische Ausbildung. Die hätte mir vermutlich nicht viel geholfen, da der Bereich Wasserpflanzen dort nur gestreift wird“, erzählt die ausgebildete Facharbeiterin für Datenverarbeitung. „Viele meiner Kunden sind zum Beispiel überrascht, wie umfangreich die Rhizome von Wasserpflanzen sind. Bei Seerosen haben sie in etwa die gleiche Ausdehnung wie der Teil, der aus dem Boden herausragt. Dementsprechend mächtig muss der Untergrund sein, in dem sie gedeihen.“

Rund 70 verschiedene Wasserpflanzen-Arten

Ihr botanisches Fachwissen umfasst ausschließlich Gewächse, die im Wasser leben. Und davon hat sie ein breites Spektrum im Sortiment. Rund 70 verschiedene Arten wachsen in drei Teichen mit einer Gesamtfläche von 7.500 Quadratmetern sowie in drei Gewächshäusern. Die angebotenen Pflanzen sind in die verschiedenen Wachstumszonen (Ufer-, Sumpf-, Flachwasser-, Tiefwasser-, Filterzone), in Schwimm- und Unterwasserpflanzen sowie die Gruppe der Seerosen unterteilt.

Mit Ausnahme einiger tropischer Schwimmpflanzen stammen alle Gewächse aus eigener Zucht. „Da wir keine beheizten Gewächshäuser haben, ist der Großteil unseres Sortiments winterfest. Pflanzen, die kälteempfindlich sind, kaufen wir zu“, erklärt die Inhaberin. Zu den Verkaufsschlagern zählen zweifellos die Seerosen. Am gefragtesten seien die dunkelroten. Die seien allerdings auch am schwierigsten zu züchten und entsprechend selten. Mit der Züchtung neuer Sorten befasst sich Heike Finke nicht. Sie vertraut vielmehr auf ihr seit Jahren gewachsenes Sortiment.

Neben Wasserpflanzen auch Zierfische im Angebot

Neben Hydrophyten bietet die Wasserpflanzengärtnerei auch Zierfische an. Das Angebot umfasst unter anderem verschiedene Karpfen- und Orfenarten sowie Goldfische und Sonnenbarsche. Zum Teil werden sie direkt in den Pflanzenteichen aufgezogen. Die meisten exotischen Arten kauft Finke jedoch zu. Der Vertrieb der Tiere erfolgt ausschließlich vor Ort.

Neigt sich der Sommer dem Ende entgegen, dann schließen sich auch die Tore der „Wasserpflanzengärtnerei Krause“. Bis das nächste Frühjahr kommt, geht Finke einer zweiten Tätigkeit als Callcenter-Mitarbeiterin nach. Im März steht sie ihren Kunden dann wieder mit Rat und Tat zur Seite.