Grüne Branche

Weihenstephaner Modell: Poinsettien energiesparend kultiviert

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf arbeitet bereits seit einiger Zeit an der Entwicklung einer Regelstrategie für Gewächshäuser, mit dem Ziel, den Energiebedarf für gärtnerische Kulturen zu senken, ohne pflanzenbauliche Qualitätsverluste hinnehmen zu müssen.

Die Sorte ’Mars’, produziert nach dem Weihenstephaner Modell. Foto: Haas

Beim „Weihenstephaner Modell“ handelt es sich um eine Klimaführungsstrategie, bei der anstatt mit fest eingestellten Temperatursollwerten für den Tag und für die Nacht in den Morgen- und Abendstunden die Temperaturanforderungen zur Energieeinsparung angepasst werden.

Den Versuchen liegt der Ansatz zugrunde, dass Pflanzen nicht zwingend gleichmäßige Temperaturen für optimales Wachstum und Blütenbildung benötigen, sondern eine bestimmte Wärmesumme. Das Modell arbeitet in drei Schritten:

  • Absenkung der Heiztemperaturen in den Morgenstunden ähnlich des Prinzips Cool Morning, allerdings ohne Zwangslüftung;
  • Heraufsetzen der Lüftungstemperaturen am Spätnachmittag, um Sonneneinstrahlung zur Deckung des Energiebedarfs am frühen Abend zu nutzen;
  • Einsatz von Energie- und Verdunklungsschirmen zur Reduzierung des zu beheizenden Luftvolumens im Gewächshaus in der Nacht beziehungsweise bei sehr geringer Einstrahlung.

Versuche bei verschiedenen gärtnerischen Kulturen haben bisher gezeigt, dass eine Kulturstrategie nach dem „Weihenstephaner Modell“ zu erheblicher Energieeinsparung von 25 bis 60 Prozent führen kann, ohne dass Qualitätseinbußen zu erwarten sind. Im Einzelfall ist die tatsächliche Energieeinsparung stark von der Lage des Betriebes und den sonstigen Rahmenbedingungen abhängig.

So haben beispielsweise die Betriebe in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung deutliche Standortvorteile, weil das „Weihenstephaner Modell“ die Nutzung der kostenfreien Sonnenenergie anstrebt. Ziel der Versuche im vergangenen Jahr war es, das „Weihenstephaner Modell“ am Beispiel von Euphorbia pulcherrima weiter zu optimieren und Sicherheit im Grenzbereich der Anwendung zu erhalten.

Variiert wurde in den aktuellen Versuchen besonders die „Cool Morning“-Phase durch Verlängerung und stärkere Temperaturabsenkung. Darüber hinaus wurde am frühen Abend nach dem Schließen der Energie- und Verdunklungsschirme durch zeitlich begrenzte höhere Heiztemperaturen ein Wärmepolster geschaffen.

Bei Folgeversuchen im Frühjahr 2014 mit Beet- und Balkonpflanzen standen die Pflanzenqualität und einzuhaltende Absatztermine im Vordergrund. Die aktuellen Versuche an Euphorbia pulcherrima beschäftigen sich mit der Reaktion von Nützlingen auf veränderte Kulturbedingungen. Darüber hinaus wird der Einfluss der unterschiedlichen Standweiten unter Anwendung des „Weihenstephaner Modells“ untersucht. (ts)