Grüne Branche

Weihnachtsbäume: Rückblick auf Saison 2010

Übel war die Arbeit in der vergangenen Weihnachtsbaumsaison, weil bereits zum 30. November Schneefall und anschließend auch Eis und Kälte sowohl die Erntearbeiten als auch den Verkauf erschwerten. Nicht übel waren hingegen der Saisonverlauf und die getätigten Geschäfte aus unternehmerischer Sicht. Dieses Resümee zog der Vorsitzende des Bundesverbandes Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland, Bernd Oelkers, zur Eröffnung der Diskussionsveranstaltung in Kassel.

Bäume bis 1,70 Meter waren in der Saison 2010 ausreichend vorhanden. Foto: Liebgard Jennerich

Dennoch hatten die Anwesenden Gelegenheit, ins Detail zu gehen und ihre jeweiligen Erfahrungen und Eindrücke einzubringen. Die Eindrücke waren bundesweit weitgehend deckungsgleich.


In den Handelsstufen

Der Großhandel war ebenso wie die meisten großen und kleinen Einzelhändler am Ende der Saison ausverkauft. Die größeren Einzelhändler konnten zwar die erforderlichen Mengen insgesamt liefern, ähnlich wie im vergangenen Jahr waren aber auch diesmal die Kategorie über 1,70 Meter knapp und am vierten Advent ausverkauft.

Bei den kleineren Produzenten und Händlern sogar schon am dritten Advent. Nachschub zu bekommen war neben der allgemeinen Knappheit auch wegen der Witterung schwierig. An manchen Verkaufsstellen waren dennoch bis zum Ende der Saison Bäume vorhanden (IGW).

Die Zwischen- und kleinen Händler kommen mit den Großhandelspreisen nicht zurecht, weshalb immer mehr das Verkaufsgeschäft aufgeben. Er hätte nicht gedacht, dass diese Marktteilnehmer in der Hochpreisphase so schnell aus dem Markt getrieben werden (Thomas Emslander, Bayern).

Sie hätten schon zuvor zu billig verkauft und waren dann ohne Rücklagen, so dass sie im September/Oktober nicht auf Vorauskasse einkaufen wollten oder konnten. Auf der anderen Seite seien noch Millionen-Beträge offen. Von einer im Vergleich zu 2009 schlechten Zahlungsmoral berichtet auch Graf von Bülow (Schleswig-Holstein).

In Rheinland-Pfalz waren Nordmanntannen zum 22. Dezember ausverkauft (Werner Thielen), desgleichen im Frankfurter Raum (Uwe Klug), im übrigen Hessen (Hansjörg F. Frank) und im Raum München (Markus Schauer).

 

Nordmanntannen

Insbesondere Bäume ab 1,80 Meter erfuhren eine massive Preiserhöhung (Peter Geiß, IGW). Kleine Händler kauften deswegen noch verhaltener, aber große Bäume waren dann trotzdem nicht übrig. Im Schwarzwald, der früher unerschöpflich erschien, wird es in fünf Jahren kein Überangebot an großen Bäumen geben, weil die Kulturflächen zurzeit bei Baumhöhen von 1,50 Meter kahl geschlagen werden (Manfred Graf, Baden-Württemberg). Einen eher stagnierenden Nordmanntannen-Absatz verzeichneten die Verkäufer bei den Baumgrößen von einen bis 1,5 Meter.


Andere Baumarten

Der Absatz von Blaufichten als preisgünstige Alternative stagnierte (Geiß). In Rheinland-Pfalz waren Blaufichten zum Saisonende nicht ausverkauft (Werner Thielen). Thomas Emslander (Bayern) sieht hingegen verstärkt andere Baumarten auf den Markt kommen, einfach weil es nicht ausreichend Nordmanntannen gibt. Auch in Hessen wurde eine verstärkte Nachfrage verzeichnet, allerdings ohne dass die Spitzenposition der Nordmanntanne in der Beliebtheit gefährdet sei.


Preise

Die erzielbaren Preise für Nordmanntannen lagen im oberen Segment (IGW). Und anders als befürchtet habe sich niemand über die höheren Endverkaufspreise beschwert (Eberhard Hennecke, Sauerland). Auf Händlerebene sah das nach Auskunft von Bülows allerdings anders aus. Er habe Klagen gehört, weil die Anbauer zwar gleichbleibende Einzelhandelspreise in den Medien verbreitet hätten, nicht aber, dass die Preise im Zwischenhandel steigen würden 


Baumärkte

Die Qualitäten im Mix waren besser. Der Abfluss der Bäume bei den Baumärkten insgesamt sei gut gewesen, bis hin zum Ausverkauf (Wolfgang Stahl, Hessen). Schneller Ausverkauf von großen und kleinen Ketten meldet auch der Großhändler Anton Nieder (Sauerland).


Marktlage allgemein

Der Wettbewerb ist deutlich zurückgekommen (Graf). Das Wetter hat den Anbauern in die Karten gespielt, resümiert Anton Nieder, im westfälischen Großhandel wären noch mehr Bäume zu bekommen gewesen, aber die Ernte war zu schwierig.

Späte Nachfragen konnten aus Schleswig-Holstein auch nicht mehr komplett befriedigt werden, während das Gros der Bäume gerade noch rechtzeitig vor dem Schneefall geschlagen werden konnte (von Bülow). Der üppige Schneefall hat viele Kunden vor dem Selberschlagen abgehalten, was zu besseren Hofverkäufen geführt habe (Hermann Hellwinkel, Niedersachsen).

 

Schnittgrün

Manche Nachfrage nach Nordmanntannen- und Nobilis-Grün konnte nicht befriedigt werden (Geiß). Laut Werner Thielen war der Schnittgrün-Großhandel hingegen sehr flach. Aus dem Sauerland wurde kritisiert, dass es seit 20 Jahren keine Preissteigerungen gegeben habe. Das sei nicht mehr durchzuhalten.