Grüne Branche

Weihnachtsbaum-Forschung in der Kritik

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Der Bund der Steuerzahler äußert in seinem jüngsten Schwarzbuch Kritik an der staatlichen Förderung der Weihnachtsbaum-Züchtung durch somatische Embryogenese als Gegensatz zu klassischen Züchtungsstrategien. Die TASPO bat Dr. Hardy Dembny, Geschäftsführer der Baumschulen Oberdorla in Thüringen, um eine Stellungnahme zu dieser Kritik.

Die ersten geklonten Weihnachtsbaum-Nachkommen stehen größtenteils in Münster-Wolbeck. Foto: Baumschulen Oberdorla

Drei Baumschulen an Forschungsprojekt beteiligt

Dembny leitet eine von drei Baumschulen, die als kommerzielle Partnerin seit 2012 eng in dieses Forschungsprojekt eingebunden ist.

„Die einzige Möglichkeit zur Vermehrung von Nadelgehölzen bildet die somatische Embryogenese (somE), an der weltweit mit unterschiedlichen Baumarten seit rund 30 Jahren geforscht wird, da Stecklingsvermehrung und die Veredlung hier nicht funktionieren und auch viel zu langwierig wären“, erklärt Dembny.

Grundlagen der Methodik somE Voraussetzung für Förderung

Erst nachdem die institutionelle Forschung (durch die Humboldt-Universität zu Berlin und das Gartenbauzentrum Münster-Wolbeck) die entsprechenden Grundlagen der Methodik somE entwickelt hatte, wurde diese Forschung im Rahmen von Programmen des Bundesforschungsministeriums für klein- und mittelständische Unternehmen (KMU-innovativ) in der von 2012 bis 2016 laufenden Projektphase unterstützt, so Dembny weiter.

Beteiligt waren drei kommerzielle Gewebekulturlabore, die Erfahrungen mit der In vitro-Vermehrung von Gehölzen haben.

Ziel: genetische Basis vergrößern

Ziel war und ist, so Dr. Dembny, die genetische Basis zur Selektion von Nordmanntannen im Hinblick auf Eigenschaften wie Knospenzahl und Spätaustrieb zur Vermeidung von Spätfrostschäden zu vergrößern. Gleichzeitig wollte man die Übertragung der methodischen Ansätze aus der institutionellen Forschung in die Praxis prüfen. Dabei hätten die Firmen auf Grund der Anteilsförderung erhebliche Eigenmittel für diese Forschung ausgegeben.

Nicht zuletzt aus diesem Grund beteiligt sich neben der Baumschulen Oberdorla GmbH und einer weiteren Firma, die das Züchtungsmaterial bereitstellt und die Prüfung der Ergebnisse organisiert, aktuell kein weiteres Labor an dieser Forschungsarbeit.

Pflanzungen bei führenden Weihnachtsbaum-Baumschulen

Neben Nachkommen aus den Anfängen dieser Forschungsarbeit, die größtenteils am Gartenbauzentrum (GBZ) Münster-Wolbeck aufgepflanzt sind und auch nach strukturellen Veränderungen am GBZ weiterhin betreut werden, sind mittlerweile Pflanzungen bei führenden Weihnachtsbaum-Baumschulen Deutschlands entstanden, um die Selektionsarbeit zu unterstützen.

Vor allem in den vergangenen Jahren seien mehrere hundert embryogene Klone entstanden, die gerade wegen der langen Anzucht- und Prüfzeit der Nachkommen per Kryokonservierung gesichert wurden. Züchtungsarbeit erfolge immer auf der Basis eines breiten Genpools, auch wenn am Ende die Supersorte ein Einklongehölz sein könnte, gibt Dembny zu bedenken.

Züchtungsarbeit: Investition in die Zukunft

Ob zwei Millionen Euro für diese Züchtungsarbeit im Vergleich zur Förderung anderer Züchtungsarbeiten und der Forschung an neuen (biotechnologischen) Methoden der Pflanzenzüchtung viel oder wenig ist, liege sicher im Auge des Betrachters. Züchtungsarbeit sei immer eine ungewisse Investition in die Zukunft. Neue Sorten müssten sich immer im Vergleich zu Bekanntem bewähren. Aber bessere Eigenschaften generierten eine entsprechende Nachfrage.

In diese Eigenschaftsbewertung fließe aber erstmals auch die Vermehrbarkeit ein, die sich ebenso am Markt zu bewähren habe. Allerdings bekomme die Honorierung des Züchtungserfolgs eine ganz andere Dimension, da wegen der somE eine nicht lizenzierte Vermehrung ohne Zugriff auf die krykonservierten embryogenen Klone nicht möglich sei.

Anbau von Weihnachtsbäumen langfristig sichern

„Ist Züchtung bei Weihnachtsbäumen so schlecht, dass der Staat diese keinesfalls unterstützen sollte?“, fragt Dembny abschließend. Immerhin gehe es um die langfristige Sicherung des Anbaus von Weihnachtsbäumen in Deutschland vor dem Hintergrund realer Gefahren für die Ernte von Saatgut im Nordkaukasus durch Abholzungen, Waldbrände und Beschränkungen des Zugangs zu den Erntebeständen.

Mehr zum Thema Weihnachtsbäume – darunter Pflanzenschutz für das Frühjahr und einen Ausblick auf die kommende Saison – lesen Sie in unserer Beilage TASPO WeihnachtsBaum, die zusammen mit der TASPO 13/2018 am 30. März erscheint.