Grüne Branche

Wenn Paarhufer die Grünpflege managen

, erstellt von

„Haben Sie noch alle Schafe im Dachgarten?“ – auf diese Frage kann Christoph von Canstein gelassen mit „ja“ antworten. Sein Betrieb, die biologische Pflanzenschutz GbR, vermietet unter anderem in Zusammenarbeit mit einem Schäfer wollige Paarhufer, um Dachbegrünungen von großen Gebäudekomplexen zu pflegen. Wir sprachen mit dem Unternehmer.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Dachbegrünungen zu pflegen, indem Sie Schafe einsetzen?

Unkraut zwischen Vinca, Sedum oder Waldsteinia zu entfernen ist sehr arbeitsaufwendig und mühsam. Man muss den ganzen Tag in der Hocke oder auf den Knien arbeiten. Teils sind Dachgärten bis 5.000 Quadratmeter groß und voller Unkraut. Hier den Überblick zu behalten, wenn das Unkraut schon höher ist als die Bodendecker ist, schon schwierig. Zudem ist der Bodenabtrag und der Verlust an Kulturpflanzen bei extensiver Dachbegrünung enorm, wenn man das Unkraut mit der Wurzel entfernen will. Auch sind die „Anfahrtswege“ teilweise sehr lang.

Die Anlieferung in einem Einkaufszentrum ist im UG. Der Dachgarten im fünften oder sechsten Obergeschoss. Alles muss von oben nach unten (und umgekehrt) transportiert und verladen werden. Dies alles entfällt bei dem Schafeinsatz. Shropshire Schafe fressen nur das Unkraut und lassen Vinca, Sedum und so weiter stehen. Zudem sorgen sie noch für eine natürliche Düngung.

Wie sieht die aktuelle Auftragslage aus?

Aktuell sind drei Schafe auf einem Dachgarten eines Einkaufzentrums im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg im Einsatz. Eine Anfrage mussten wir absagen, da auf dem Dachgarten Kreuzkraut wächst. Dies vertragen unsere Schafe nicht. Auch wollen wir nicht aus reiner PR für Einkaufzentren unsere Schafe auf Dachgärten stellen. Sie sollen schon eine sinnvolle Arbeit darstellen.

Wie funktioniert das Konzept genau?

Die Schafe haben einen abgegrenzten Unterstand, wo sie trinken, schlafen und sich zurückziehen können. Wir arbeiten mit einem Schäfer aus Brandenburg zusammen, der eine Wandergenehmigung hat. Die Schafe, meistens drei, bleiben etwa 14 Tage auf dem Dach. Jeden Tag ist ein Mitarbeiter kurz vor Ort um zu sehen ob alles in Ordnung ist. Zudem passen die Mitarbeiter des Centers ebenso auf die Schafe auf. Es werden in der Zeit Stühle et cetera auf den Dachgarten gestellt, da es so beruhigend ist, während der Mittagspause Schafe zu beobachten.

Stellt die Pflege von Dachbegrünungen mit Schafen Ihre Haupteinnahmequelle dar?

Der Schafeinsatz auf Dachgärten trägt nur zum Teil unseres Umsatzes bei. Wir machen hauptsächlich biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingen in Einkaufszentren, Büros und Schaugewächshäusern. Kein Objektmanager will klebrige Fußböden haben, wenn Wollläuse, Schildläuse und ähnliches auftritt. Zudem haben fünf Meter hohe Palmen oder Ficus auch einen enormen Wert, der nicht so ohne weiteres ersetzt werden kann, da neue Pflanzen in der Größe durch keine Tür mehr passen.