Grüne Branche

Wenn polnische Saisonkräfte eine deutsche Firma gründen …

Auf riesiges Interesse stieß die Idee des Stuttgarter Rechtsanwalts Ulrich Emmert, der während der Leeser Spargelmesse (10. bis 13. Februar) einen alternativen Weg vorschlug, um nicht den engen Rahmenvorgaben der so genannten Eckpunkteregelung zur Beschäftigung von polnischen Saisonkräften ausgesetzt zu sein: Die polnischen Saisonarbeitskräfte gründen in Deutschland eine Firma und bieten die Ernteleistungen auf selbstständiger Basis an.

So ist es möglich, dass die Saisonkräfte die Niederlassungsfreiheit in der Europäischen Union nutzen, die seit 1. Mai 2004 auch für die Beitrittsländer uneingeschränkt gilt, und sich in Deutschland selbstständig machen.

Der Vorteil für die Auftragnehmer: Sie können das ganze Jahr sozialversicherungsfrei bleiben, es gibt keine zeitliche Limitierung ihrer Tätigkeit in Deutschland und die Vermittlung über die Zentrale Arbeitsvermittlung (ZAV) ist nicht notwendig. Es handelt sich schließlich um selbstständige Arbeitskräfte, die über die Gesellschaft ihre Arbeitskraft mehreren Landwirten anbieten und ihre Arbeit selbst auswählen. Arbeiten die einzelnen polnischen Selbstständigen für verschiedene landwirtschaftliche Unternehmen, können sie unter Umständen das ganze Jahr in Deutschland tätig sein: Der Spargelernte folgt das Erdbeerpflücken, das Beerenobst, die Apfelernte und die Weihnachtsbaumsaison.

Dabei weist Emmert darauf hin, dass die Polen als echte Selbstständige arbeiten müssen und nicht wie bisher in den Betrieb des Landwirts eingegliedert sein dürfen. Sonst besteht das Risiko, dass das Unternehmen bei Prüfungen durch die deutsche Sozialversicherung und den Zoll als scheinselbstständig qualifiziert wird. Daher sollten sich die Existenzgründer sehr genau informieren und gut beraten lassen. Weitere Informationen finden Sie in der aktuellen TASPO (Ausgabe 06/2006)