Grüne Branche

Wie die Tulpen auf den Gönninger Friedhof kamen

Die Tulpe ist eine einfach zu behandelnde und umgängliche Pflanze, die auf dem kleinsten Fleckchen Erde gedeiht. In ihrer Robustheit kann sie die Herkunft aus den Bergregionen ihrer orientalischen Heimat nach wie vor nicht verleugnen. Gerade in Gebieten mit kargem Boden war sie sehr gefragt, so wurde sie auch schon früh in Gönningen (Baden-Württemberg) heimisch, spielte und spielt auch heute wieder während des Frühlings eine große Rolle in der Grabbepflanzung.

 

Überregionale Aufmerksamkeit erlangte der Ort ab dem frühen 20. Jahrhundert durch die Tulpenpracht auf seinem Friedhof. Presseberichte und Werbekampagnen lockten ab den 1930er Jahren Interessierte mit Bus und Bahn aus nah und fern nach Gönningen. So sorgten etwa 4.000 bis 5.000 Besucher am ersten Mai-Wochenende des Jahres 1936 für ein in dem Ort bisher nicht gekanntes Verkehrschaos. (Fotos: Hartmut Fetzer)

Bestechend durch ihre Farbigkeit ist die Tulpe daher in allen ihren Anbaugebieten stets ein Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit und des Frühlings geworden. So verwundert es nicht, wenn die Gönninger Samenhändlerinnen und -händler seit der Mitte des 19. Jahrhundert die Gräber ihrer Angehörigen mit den damals noch teuer gehandelten Tulpen bepflanzten – gleichsam als Gruß des Lebens an die Verstorbenen, in Dankbarkeit für die in der damaligen harten Zeit geleistete Arbeit, gerade bezüglich des mühsamen Broterwerbs durch die Samenhandelsreisen, aber auch als lichte Hoffnung für das eigene Dasein. Mehr dazu in der April-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 21.