Grüne Branche

Wie gelingt der Werterhalt der Rose?

IPM 2016 - Mit Rosenzüchtern im Gespräch
Alljährlich werden auf der IPM in Essen die Rosenmengen und dazugehörigen Preise im Markt diskutiert – das erinnert an den bekannten „Schweinezyklus“: zu viel Ware, zu geringe Preise. Inzwischen aber häufen sich die Überlegungen in den Rosenhäusern, wie vom Erzeuger bis zum Endverbraucher der Wert der Rose gesichert werden kann, wirtschaftlich wie ideell.

In den vergangenen zwei Jahren war der Rosenmarkt auf dem europäischen Festland eine Herausforderung“, sagte Kate Porter, Handels- und Projektmanagerin für das britische Züchterhaus David Austin Roses (GB-Wolverhampton). Es sei sehr viel Ware auf dem Markt und dementsprechend speziell Massenware unter Preisdruck geraten. „Die Einkäufer sind im Moment vorsichtig. Aber der unruhige Rosenmarkt der letzten Monate wird sich 2016 wieder beruhigen“, lautet ihre Prognose.

Austin: Sortengesundheit und Verbraucherstudien
Ohnehin sei David Austin Roses von der aktuellen Marktsituation „weniger betroffen, weil wir im Gesamtmarkt ein außerordentlich starkes Markenimage haben“. Auch habe man „neben der unverwechselbaren Sortenanmutung unserer Züchtungen auch die Gesundheit dazu geeigneter Sorten und ihre daraus resultierende verbesserte Gartenperformance in jüngster Vergangenheit stärker hervorgehoben“.

Eine Stärke von David Austin Roses sei beispielsweise, Rosen in sehr detaillierten Farbkonzepten anbieten zu können: „Wenn wir etwa die Farbenwelt Gelb oder Weiß nehmen, so sind wir dazu in der Lage, den Endverbrauchern aus einer Vielzahl attraktiver Einzelfarbtöne dieser Farbwelten exakt denjenigen anzubieten, der punktgenau zu seinen Gestaltungsideen passt.“

Delbard: Marktnische finden und sie behaupten
„Ja, der Rosenmarkt ist momentan ein schwieriger. Sie erleben mich nicht überschwänglich, wie noch vor wenigen Jahren“, kommentierte Ingrid Fischer für Delbard den aktuellen deutschen Rosenmarkt. Sie sehe die Situation aber positiv, denn der Markt habe sich durchaus „eingependelt“. Denn: „Jedes Rosenhaus muss seine Nische im Markt finden und behaupten. Delbard beispielsweise steht unverwechselbar für die Rosenattribute Farbe und Duft, für etwas Besonderes unter den Gartenrosen. Und damit kann man sich selbst in einem Massenmarkt seine Nischen schaffen, in dem zurzeit mit Massenrosen bekanntlich nichts verdient ist.“

Eindeutige Farbtrends bei Rosen gebe es derzeit keine, beobachtet Ingrid Fischer: „Gefragt sind gefüllte Blüten, nostalgische Sortenanmutung, besondere Blütenfarben und vor allem duftende Sorten. Aber im Grunde ist es ganz einfach: Wenn im Gartencenter eine attraktive Rose steht, dann verkauft sie sich auch. Ihre Qualität ist entscheidend. Man darf sie nur nicht als Massenartikel laufen lassen.“ Einen Wunsch an den Rosenmarkt hätte Ingrid Fischer noch: „Die Preise müssten wieder steigen.“

Noack: Sortenbereinigung und neues Konzept
Reinhard Noack (Gütersloh) nannte die derzeitige Marktlage bei Rosen eine „unüberlegte Überproduktion“, die manchem in der Handelskette nun „betriebswirtschaftliche Schwierigkeiten“ bereite. Sicher sei der Rosenmarkt auch von Einsparungen beim öffentlichen Grün betroffen, maßgeblich aber sei der stockende Absatz im Facheinzelhandel. Der Handel habe es nicht verstanden, Rosen „als Verdiener hinzubekommen“ und „Konstanz in den Rosenabsatz zu bringen“. Das führe zu den gegenwärtigen Rabattschlachten.

Wie sieht die Rose der Zukunft aus?
Eine Rose habe nicht allein hervorragende Sorteneigenschaften zu besitzen, sie müsse zugleich auch wirtschaftlich interessant sein. „Wer von Nachhaltigkeit spricht, muss die Dinge längerfristig betrachten“, sagte Reinhard Noack. Seine Aussichten auf den aktuellen Rosenmarkt: „vorsichtig optimistisch und sicher nicht schlecht, wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat.“ Zu diesen „Hausaufgaben“ zählt Reinhard Noack, schon heute die Rose von morgen vorauszudenken: „Diese Rosen müssen neue Ideen für neuen Umsatz liefern.“

Rosen Tantau: „Mittelfristige Marktbereinigung“
„Die momentane Herbst-/Frühjahrssaison verläuft bei Wurzel- und Containerware schleppend“, sagte Thomas Löffler für Rosen Tantau (Uetersen). Für Containerrosen dürfe man „nicht den großen Durchbruch erwarten“. Er erwartet, dass ab kommendem Herbst Rosen in Europa knapp werden dürften, nachdem hier im Jahr 2015 „deutlich weniger veredelt worden sind. Mittelfristig bereinigt sich der Markt also wieder“, sagte Löffler.

Rosen Tantau kommt mit einer neuen Generation von Noblesse-Spray-Rosen, nämlich den Rokoko Rosen, in den Markt. Diese zeichnen sich durch die Kombination der vielblütigen Polyantha Grandiflora-Hybriden, kombiniert mit nostalgisch anmutenden Blüten aus. Rokoko Rosen erzeugen schon jetzt „aufgrund ihrer Vielblütigkeit großes Interesse bei den Gartencentereinkäufern“, so Thomas Löffler.
Engelbert Kötter, Walldürn

Lesen Sie den ausführlichen Artikel mit vielen weiteren Statements in Ausgabe 03/2016 Deutsche Baumschule.