Grüne Branche

Wie rüsten sich Friedhofsgärtner gegen Unwetter?

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Stürme und lokale Unwetter – die Wetterkapriolen scheinen sich zu häufen. Therese Backhaus-Cysyk hat bei Friedhofsgärtnern nachgefragt, wie sie sich wappnen und der Praxisalltag sich verändert hat. Ist vielleicht sogar eine Versicherung notwendig?

Selbst bei ordnungsgemäßer Verkehrssicherung kann es auf Friedhöfen zu Sturmschäden kommen. Foto: Krzysztof Gorski/Fotolia

Birgit Ehlers-Ascherfeld, Blumen Ehlers-Ascherfeld (Langenhagen)

Wir im Raum Langenhagen-Hannover sind von extremem Wetter bislang immer verschont geblieben. Die städtische Friedhofsverwaltung handhabt eine regelmäßige Prävention und Baumkontrolle, sodass wir hier gut abgesichert sind.

Regen, Feuchtigkeit, Nässe: Bei uns in der Region haben wir recht durchlässige Böden, wenn, dann treten Pilzkrankheiten beispielsweise bei Euonymus auf. Optimale Boden- und Nährstoffverhältnisse beugen vielem vor.

Trockenheit, Hitze: Wenn es möglich ist, sollte die Pflanzenauswahl darauf abgestimmt werden und hinsichtlich hitze- und trockenheitstoleranten Pflanzen in allen Bereichen beraten werden.

Eine Versicherung kann auch nicht helfen. Wie sollte Trockenheit bewertet werden? Sturm ist Sache der Verwaltung, und wenn wir nicht auf dem Friedhof arbeiten können, wäre das eine Teilleistung der Betriebsunterbrechung, wenn der Friedhofsbereich mitversichert ist.

Thorsten Adrian, Friedhofsgärtnerei Adrian (Bremen)

Für eine Versicherung sehe ich keine Notwendigkeit, da wir ja „nur“ für den Kunden Pflegearbeiten durchführen. Wenn, dann müsste der Kunde sein Grab versichern.

Als Reaktion auf den vergangenen Sommer werden wir für 2019 unsere Preisliste so überarbeiten, dass uns für künftige Extremjahre/-Ereignisse ein gewisser Puffer zur Verfügung steht.

Stephan Wolters, Friedhofsgärtnerei & Bestattungen Wolter (Kempen)

Wir haben im Juli 1999 hier in Kempen eine Windhose (Tornado) überstanden. Im alten Betrieb waren rund 20 Gewächshaus-Scheiben zerbrochen, im neuen Betrieb war nur eine Scheibe gerissen. Rund sechs Wochen zuvor hatten wir Hagelschlag mit zwei bis drei Zentimeter dicken Hagelkörnern, wodurch etwa zehn Scheiben im alten Betrieb zerbrochen wurden. Die Folge: Wir haben die Hagelversicherung gekündigt. Wenn der Betrieb zwei Extremereignisse so gut übersteht, ist es deutlich günstiger, die Schäden selber zu bezahlen.

Kunden von geschädigten Grabstätten wurden telefonisch informiert und die Reparaturen berechnet. Zudem haben wir eine Pauschale für eine aufwendige Sonderreinigung der Pflegegrabstätten erhoben – etwa zehn Euro je Grabstelle. Darüber gab es keine nennenswerten Rückmeldungen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich eine Versicherung wirklich lohnt. Dazu sind die Fälle zu selten und die Prämien wahrscheinlich zu hoch.