Grüne Branche

Wildobst – eine Möglichkeit für den Gartenbau?

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Der Trend in der Gesellschaft geht hin zu essbaren Pflanzen. Gesund müssen sie sein – und dabei im Garten noch gut aussehen. „Superfoods“ ist dabei ein Stichwort, das immer wieder fällt. Wie Wildobst zu einer Möglichkeit für den Gartenbau werden kann.

Wildobst wie Aronia bietet nicht nur eine gute Möglichkeit, Nischenmärkte zu bedienen, sondern ist auch pflegeleicht im Anbau. Foto: Kordes Jungpflanzen

Gründe für den Trend hin zum Wildobst

Sanddorn und Holunder haben schon eine weltweite Bedeutung im Gartenbau, Superfoods wie Goji, Aronia oder Schisandra sind derzeit in aller Munde. Naschfrüchte wie Felsenbirne, Kornelkirsche oder Honigbirnen gewinnen mehr und mehr an Beliebtheit. Auch Inhaltsstoffe, die für Pharmazie und Kosmetik verwendet werden können, machen Wildobst zusätzlich attraktiv. „Die Gründe für den Trend hin zum Wildobst liegen in gesellschaftlichen Megatrends, dem Zeitgeist und dem neuen Lebensstil“, erklärt Claudia Kordes, zuständig für Presse und Marketing bei Kordes Jungpflanzen, die Entwicklung. Für sie sind drei Tendenzen für den Gartenbau besonders wichtig: Individualisierung, Gesundheit und Urbanisierung – diese böten der Branche Bereiche, in denen mit passenden Produkten viel erreicht werden kann.

Wildobst als Wachstumssegment

Hieraus lassen sich neue Konzepte entwickeln, so Kordes, die sich für ihren Betrieb intensiv mit der Nutzung von Wildobst auseinandergesetzt hat: „Vom Outdoor-Grillgenuss – heute wird ja nicht mehr nur Fleisch gegrillt – über Do-It-Yourself-Projekte, besonders im Bereich vertikales Grün, bis hin zum gemeinschaftlichen Family Garden. So entstanden und entstehen Marktsegmente, die es in der jetzigen Größenordnung vor ein paar Jahren noch gar nicht gab.“ Mit Wildobst bestehe ein Wachstumssegment, von dem noch lange positive, nachhaltige Effekte ausgehen werden. „Der allgemeine Wunsch nach Grün, die Verunsicherung über die Herkunft des Essens und der Greta-Effekt einer neuen Generation, die sich in der Digitalisierung nach Erdung sehnt und Nachhaltigkeit und Regionalität fordert, sind die Wurzeln dieses Trends“, führt Kordes weiter aus.

Der Verband der GartenBaumschulen im Bund deutscher Baumschulen hat für dieses Jahr gesagt: „Der essbare Pflanzen-Trend bietet großes Potenzial für die Branche, bekannte, aber auch alternative Genusspflanzen anzubieten.“ Im Bereich Wildobst verdichten sich mehrere Konsumenten-Wünsche, sodass bestimmte Trends bedient werden. Nicht nur aus Sicht des Endkunden ist Wildobst zeitgemäß und interessant, sondern für Kordes auch aus Sicht der Produktion: „Es lassen sich gute Preise erzielen, und in der verarbeitenden Industrie ist bereits Wildobst angekommen – darunter Apfelbeeren oder Holunder.“ Verbesserte Anbautechniken und bessere Sorten mit höherem Nutzwert würden Wildobst darüber hinaus weiter für die Produktion interessant machen.

Vorteile auch für biologischen Anbau

„Für den biologischen Anbau gibt es weitere Vorteile von Wildobst. Es braucht wenig Dünger, ist pflegeleicht, krankheitsresistent und häufig frosthart“, erläutert Kordes. Ein weiterer Vorteil für den Erwerbsanbau läge darin, Mischkulturen nutzen zu können. „Wildobst dient auch als Nektarspender für Insekten oder Nistplatz für Vögel, außerdem hat die Gesundheitsindustrie bereits zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten entdeckt.“ Beim Einsatz im privaten Garten spiele hier vor allem die Unkenntnis des Verbrauchers eine wichtige Rolle. Da müsste man im Verkauf aktiv gegen anarbeiten.

Dieser Beitrag ist in Ausgabe 21/2020 als Teil des TASPO extra Genusspflanzen erschienen. Darin informieren wir regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und Trends bei Gemüse, Obst und Kräutern.

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