Grüne Branche

Wissenstransfer ergab innovative Hubarbeitsbühne

Als Beispiel für einen erfolgreichen Wissenstranfer in die Praxis nennt die Jade Universität (Wilhelmshaven) aktuell ein Beispiel aus dem Baumschulbereich. Das Beispiel zeigt auch auf, wie durch richtige Einschätzung der eigenen Stärken und Grenzen die richtigen Partner mit ins Boot geholt werden können und dadurch neue Lösungen entstehen.

Neue Hubarbeitsbühne. Werkfoto

Nach Angaben der Universität bildete die Anfrage der Baumschule Johann Bruns (Bad Zwischenahn) bei Jürgen Kreye (Jürgen Kreye Landtechnik, Bad Zwischenahn) nach einer speziellen Hubarbeitsbühne für den Baumschnitt, die es bisher noch nicht gab, den Ausgangspunkt des Projektes.

Jürgen Kreye ist offen für die Wünsche seiner Kunden. Mitunter werden ihm dabei Grenzen auferlegt, die den Landmaschinenmechaniker-Meister aber nicht abschrecken. „Wenn ich mit meinen Kenntnissen nicht mehr weiterkomme, frage ich Leute, die es können“, sagt er selbstbewusst. So war es auch, als die Baumschule Johann Bruns die erwähnte Hubarbeitsbühne anfragte.

Jürgen Kreye setzte sich daraufhin mit Prof. Dr. Stephan Bartelmei, Leiter des Instituts für Innovationstransfer an der Jade Hochschule, in Verbindung. Mit ihm hatte er bereits schon erfolgreich ein Projekt zur Konstruktion einer „Ballenzange, die den Stamm der Bäume nicht beschädigt“, bestritten.

Hubarbeitsbühnen, die genutzt werden, um Bäume zu beschneiden, gibt es in verschiedenen Ausführungen. Allerdings gab es keine, die sieben Meter hoch und im Gelände ohne Hilfsmittel standfest ist. Daneben sollte die Hubarbeitsbühne unter anderem über ein Kettenlaufwerk für eine gute Geländegängigkeit und geringen Bodendruck verfügen. Außerdem sollte sie einen geräumigen Arbeitskorb mit einer Wetterschutzkabine für das Arbeiten bei Regen und Kälte besitzen, der auch seitlich ausgeschwenkt werden kann.

Wunsch des anfragenden Baumschulunternehmens war es, dass die Bedienung aller Funktionen über eine Funkfernsteuerung erfolgen und ein zentraler Mikrocontroller zur Steuerung und Überwachung aller Funktionen dienen kann. Die Jade Hochschule hat bei Kreyes Projekt zur Entwicklung der Elektro-Hydraulik und Steuerungstechnik mit beigetragen.

Wegen der Komplexität der Aufgabenstellung und fehlender Versuchsinfrastruktur war Jürgen Kreye auf weitere externe Hilfe angewiesen. Die konnte der Maschinenbauer Stephan Bartelmei mit seiner Infrastruktur und seinen speziellen Kenntnissen beisteuern. „Das war eine sehr komplizierte Aufgabe“, bestätigt er, „nicht zuletzt, weil es hier auch um Elektro- und Steuerungstechnik ging.“

Gut eineinhalb Jahre hat die Entwicklung gedauert. Neben Stephan Bartelmei waren nach Angaben der Jade Universität auch Studierende in das Projekt involviert, die wie Jürgen Kreye viel gelernt haben. Inzwischen ist der Prototyp erfolgreich im Einsatz.

Für das Entwicklungsprojekt hat der Kooperationsbetrieb Jürgen Kreye Landtechnik in Verbindung mit dem Institut für Innovations-Transfer an der Jade Hochschule den 2. Platz bei der Ausschreibung des Innovationspreises des Niedersächsischen Handwerks 2012 belegt, der mit 3.000 Euro dotiert ist. „Für mich war das eine große Bestätigung“, sagt Jürgen Kreye und freut sich ebenso wie Stephan Bartelmei über die Anerkennung.

„Die gesammelten Erfahrungen kommen meinem Betrieb zugute, und mittelfristig werde ich die Hubarbeitsbühne auch an weitere Kunden verkaufen können. Unterm Strich rechnet sich das immer für meinen Betrieb, der für Innovationen steht und sich von Wettbewerbern genau deshalb abhebt“, stellt Kreye klar. (ju/hlw)