Grüne Branche

Worauf Kunden in der Floristik „abfahren“

Verbraucher „sehen“ Floristik anders als ausgebildete Fachkräfte – aber wie? Diese Frage ließ sich hervorragend auf der Deutschen Meisterschaft der Floristen (DMF) in Berlin (17. bis 18. August) beantworten. 

Die vielen, hundert Besucher in den Potsdamer-Platz-Arkaden gehörten in ihrer überwiegenden Mehrzahl nicht zu den typischen Wochenend-Einkäufern aus dem lokalen Umfeld. Es war durchweg Flanier-Publikum mit viel Zeit und Interesse, in der Regel 30 Jahre und älter, viele Touristen, darunter viele Ausländer und darunter wiederum viele Asiaten. Eine sehr breite Besucherstruktur also, die doch klar erkennbare Vorlieben offenlegte.

Nach zwei Tagen intensiver Publikumsbeobachtung lässt sich sagen: Überall da, wo neben der Floristik eine „Idee“ zu erkennen war, blieben die Betrachter hängen. Immer dann, wenn Neugierde geweckt wurde oder sogar interaktive Elemente zum Mitmachen anregten, gab es einen deutlichen Publikumseffekt. Wobei der Begriff Effekt durchaus ein Schlüssel sein kann für das, was das Publikum heute wünscht oder sogar erwartet.

Ein gutes Beispiel schuf Victoria Salomon aus Sachsen-Anhalt, die Drittplatzierte der DMF 2012. Sie spielte in ihrer Pflanzarbeit mit dem bekannten Guckloch-Effekt, den sie noch prägnanter bei der Präsentation ihres Straußes nutzte. Als Hommage an Berlin war eine Litfaßsäule mit Jazz- und Pop-Plakaten aus den 1980ern beklebt. Die Litfaßsäule hatte eine Öffnung, durch die ein Stehstrauß in einer Glasvase auf eine sich im Kreis drehende Säule gestellt werden konnte. Blieb das kleine Tor offen, sah man den sich drehenden, beleuchteten Strauß in voller Größe. War das Tor geschlossen, konnte das Publikum durch kleine Gucklöcher schauen. Wobei das Licht in dem verdunkelten Umfeld die floralen und non-floralen Materialien (leuchtend-bunte Glasfaserschnüre) illuminierte und glitzern ließ. Ob mit verschlossenem oder geöffnetem Tor – der Guckloch-Effekt funktionierte, die Litfaßsäule war ein weiterer großer Publikumsmagnet unter den 55 Werkstücken der DMF.

Bezogen auf das Publikumsinteresse hat die DMF 2012 gezeigt, dass die Verbraucher auch in der Floristik Erlebnis suchen, eine gewisse Leichtigkeit ist gefragt. Überall da, wo leicht nachvollziehbare „Ideen“ die Neugierde ansprachen, war das Interesse groß.

In der aktuellen TASPO Ausgabe 36/2012 lesen Sie unter anderem, wie sich ein Erlebnis inszenieren lässt, warum außergewöhnliche Blüten und Unbekanntes heute zum Einkaufserlebnis gehören und mit welchen Effekten die anderen Teilnehmer bei der DMF 2012 spielten. (Martin Hein/ts)