Grüne Branche

Würzburger Ornamente als Winter-Grabschmuck

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In Würzburg wurde in den 60er-Jahren eine Tradition entwickelt, die sich bis heute erhalten hat: Zu Allerheiligen entstehen auf den Gräbern aufwendig gestaltete Ornamente als Winterbepflanzung. Insbesondere die Friedhofsgärtnerei Kurzmann hat sich damit einen Namen gemacht. Im Gespräch mit der TASPO verrät Klaus Kurzmann jun. mehr über den Grabschmuck.

Winterlicher Grabschmuck mit aufwendigen Ornamenten: eine Premiumgestaltung der Würzburger Friedhofsgärtnerei. Foto: Klaus Kurzmann

Die Wirkung dieses speziellen Grabschmucks beruht auf den starken Farbkontrasten. Welche Materialien und wieviel brauchen Sie dazu?

Ganz wichtig, weil sehr haltbar, ist das Islandmoos. Von allen Materialien lässt sich das Islandmoos besonders gut verarbeiten, weil es sich bei jeder Temperatur, auch bei Schnee und Eis stecken lässt. Vom Islandmoos verbrauchen wir etwa 5.000 bis 6.000 Stück. Hinzu kommen die Büschel aus Taxus, der gelben Moos- oder Goldfederzypresse (Chamaecyparis ‘Plumosa Aurea’), der kleinen Silberzypresse (Chamaecyparis pisifera ‘Boulevard’), die so schön bläulich schimmert, und Buxus. Außerdem verarbeiten wir diverse andere Koniferenarten und -sorten wie Nordmann- und Nobilis-Tanne oder Thuja. An Grün-Büscheln liegt unser Verbrauch insgesamt bei 3.000 bis 4.000 Stück jährlich.

Nach welchen Vorgaben gestalten Sie den Grabschmuck? 

Das sind alles meine eigenen Kreationen. Je nachdem, was ich an Geld zur Verfügung habe, kalkuliere ich Material und gestalte dann nach eigenen Ideen die Abdeckungen. Nur bei wenigen Kunden sind mir bei den Kosten keine engen Grenzen gesetzt, aber das sieht man auch später in der Gestaltung. Natürlich gestalten wir auch unsere eigenen Familiengräber besonders schön, nebenbei ein Werbeeffekt für unsere Arbeit.

Gibt es gestalterische Tricks, um die Gräber optisch attraktiv zu gestalten, aber gleichzeitig nicht zu teuer werden zu lassen? 

Das einfachste ist die Abdeckung mit Nordmanntanne, dann kommen die Callunen und verschiedene Gräser. Wir haben da inzwischen auch schon umstrukturiert und stecken die Fläche nicht mehr komplett aus. Die Aussteckfläche wird zugunsten der gepflanzten Fläche mit Callunen – früher war es die Erica gracilis – Gräsern, Silberblatt und Stacheldrahtpflanzen einfach kleiner, obwohl die insgesamt gestaltete Fläche gleich geblieben ist. Der Trend geht sogar dahin, fast die gesamte Fläche mit Topfwaren zu bepflanzen und nur noch einen „Rahmen“ mit Tanne um die Pflanzung abzustecken.

Welche Arbeitszeit kalkulieren Sie für eine Grabstelle? 

Für eine aufwendig gestaltete Doppelgrabfläche muss ich schon um die vier Stunden veranschlagen. Mit einem größeren Pflanzbeet geht es natürlich schneller. Normale Absteckungen in der gleichen Art, aber kleiner, dauern eineinhalb bis zwei Stunden.

Und wie sieht die Grabgestaltung im Winter aus?

Für den Winter wird gar nichts mehr geändert. Dieser Grabschmuck läuft bei uns – auch auf den Rechnungen – unter „Herbst-/Winterpflanzung“, und die verbleibt fast ein halbes Jahr, etwa von Mitte Oktober bis Mitte März, auf den Gräbern. Je nach Witterung fangen wir erst dann wieder mit dem Abräumen der Winterbepflanzung an. Die Herbst-/Winterpflanzung verändert sich ja auch nicht, das ist der große Vorteil, während die Frühjahrsbepflanzung leicht wächst, die Sommerbepflanzung aber erheblich. Es gibt natürlich auch Jahre, in denen wir früher wechseln müssen, weil aufgrund warmer Witterung schon alles kahl ist, wie 2016.

2008 konnten wir erst spät wechseln. Wenn man bei gefrorenem Boden noch die Büschel zieht, brechen die Drähte oft ab. Später beim Umgraben stößt man dann wieder auf all die abgebrochenen, bis acht Zentimeter langen Drähte – unangenehm.