Xylella: Schweizer Gärtner versichern sich

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Das Feuerbakterium Xylella fastidiosa befällt unter anderem Oliven. Foto: EPPO

Als Vorsorge gegen einen Befall mit Xylella fastidiosa haben einige Schweizer Gärtner bereits eine Epidemie-Versicherung abgeschlossen. Sie wird seit vergangenem Herbst von Axa Winterthur angeboten und tritt bei Schließung des Betriebs oder Quarantäne in Kraft. Hierzulande arbeitet der Zentralverband Gartenbau (ZVG) noch an einer Risikoabsicherung.

Die Schweizer Versicherung zahlt unter anderem die Kosten für die Beseitigung von kontaminierter Ware, den Schaden bei Verkaufs- und Lieferverbot innerhalb einer Sperrzone sowie den Ausfall bei Handelsverboten von Zulieferbetrieben. Die Deckung ist nicht auf das Feuerbakterium Xylella beschränkt, sondern umfasst auch andere Quarantäneschädlinge wie Braunfäule Ralstonia und neue Erreger.

Erste Anfragen bereits im Sommer 2017

„Wir haben im Sommer 2017 erste Anfragen erhalten, woraufhin wir ein entsprechendes Versicherungsprodukt entwickelt und auf den Markt gebracht haben“, erklärt eine Sprecherin des Schweizer Versicherers. Seit Herbst sei die Nachfrage konstant, jedoch in kleinem Rahmen geblieben.

„Wir haben im vergangenen Herbst eine Versicherung abgeschlossen“, berichtet Arthur Küng, Inhaber des Gartencenters Guggenbühl in Bonstetten. Vorausgegangen war eine Verbandssitzung, in der über die Folgen bei einem Xylella-Ausbruch diskutiert wurde. Eine Schließung seines Betriebs und ein längeres Verkaufsverbot für bestimmte Pflanzen könnten zu einem existenziellen Problem führen, da das kürzlich modernisierte Gartencenter nicht über hohe Rücklagen verfüge. Fehlen Einnahmen durch das Verkaufsverbot unter anderem von Rosmarin, Lavendel, Vinca und Oliven, sei das schwer aufzufangen.

Xylella-Versicherung: großes Interesse von Verkaufsbetrieben

Neben dem Befall im eigenen Betrieb gehe auch ein Risiko von benachbarten Unternehmen aus. In einem Radius von fünf Kilometern fallen Küng allein drei Nachbarn ein, bei denen Xylella ebenso ausbrechen könnte. Dann werde auch über seinen Betrieb Quarantäne verhängt. Einige seiner Kollegen hätten sich ebenfalls für eine Versicherung entschieden. „Aus meiner Erfa-Gruppe sind es drei bis vier von zehn Mitgliedern“, so Küng. Insbesondere bei Verkaufsbetrieben sei das Interesse groß. Produktionsbetriebe könnten hingegen einfacher Xylella-Wirtspflanzen aus dem Sortiment nehmen.

Erwin Meier-Honegger, Co-Geschäftsführer des Gartencenters Meier in Dürnten, hat sich nach diversen Gesprächen während der IPM mit seinem Team vorerst gegen eine Versicherung entschieden. „Wir schätzen die Lage so ein, dass bei einem Ereignis ausschließlich die potenziellen Wirtspflanzen gesperrt werden. So würden 80 Prozent des Sortiments verfügbar bleiben“, sagte Meier-Honegger auf Nachfrage. Einen kompletten Ertragsausfall könnten sie sich somit kaum vorstellen. Zudem gebe es den Image-Schaden und verunsicherte Konsumenten mit oder ohne Versicherung.

Mediales Interesse bei Xylella-Vorfall groß

Einen Vorgeschmack auf die öffentliche Reaktion hat das Dürnter Gartencenter im Sommer 2016 bekommen. Damals griffen mehrere Zeitungen in der Schweiz einen Xylella-Vorfall auf, nachdem die Neue Zürcher Zeitung getitelt hatte: „Der Pflanzenkiller ist im Kanton Zürich angekommen“. Obwohl die Entdeckung von drei befallenen, importierten Kaffee-Pflanzen zu dem Zeitpunkt bereits ein Jahr zurücklag und eine Ausbreitung durch schnelles Eingreifen verhindert werden konnte, traf das Auftreten des Feuerbakteriums mit einem Mal auf großes mediales Interesse.

Es hätte vermehrten Beratungsbedarf gegeben, weil Kunden einen Befall ihrer Pflanzen befürchteten, zumal es keine klassischen Symptome für Xylella gibt. Vertrocknete Blätter und Zweige können jedoch genauso durch Wasserstress, Sonnenbrand oder Nährstoffmangel hervorgerufen werden. Doch die Berichte hatten Kunden verunsichert.

ZVG: Versicherungslösung noch im ersten Halbjahr

Eine Versicherungslösung strebt auch der Zentralverband Gartenbau (ZVG) an, der zur IPM meldete, dass er seinen Mitgliedern noch in der ersten Jahreshälfte eine Lösung zur Absicherung im Quarantänefall vorstellen kann. Ein Partner sei gefunden worden, von dem ein konkretes Angebot erwartet werde. Der Bund deutscher Baumschulen favorisiert dagegen einen Fonds.