Grüne Branche

Zahlreiche Kommunen erhöhen 2012 erneut die Friedhofsgebühren

Pünktlich zur Jahreswende haben viele Kommunen die Friedhofsgebühren erhöht – oft um zweistellige Prozentsätze, berichtet die Verbraucherinitiative Aeternitas (Königswinter). Die Erhöhungen seien aufgrund der Veränderungen im Friedhofs- und Bestattungswesen unausweichlich, heißt es vielerorts. Grundlegende Reformen blieben jedoch aus, weshalb am Ende der Bürger zur Kasse gebeten werde. 

Mit den höheren Friedhofsgebühren, mit denen die Bürger bundesweit für 2012 rechnen müssen, setzt sich laut Aeternitas ein Trend fort, der schon seit Jahren zu beobachten sei. Im vergangenen Jahr beispielsweise stiegen die Friedhofsgebühren in Deutschland um durchschnittlich drei Prozent, ergab die Auswertung der Aeternitas-Gebührendatenbank mit Daten von knapp 1.000 Kommunen. „Strukturelle Probleme der Friedhöfe werden nicht erkannt, sondern mit dem Dreh an der Gebührenschraube kaschiert – und damit im Endeffekt verschärft“, kritisiert der Aeternitas-Geschäftsführer und Jurist Christoph Keldenich. Die immer höheren Gebühren verstärkten den Trend zu günstigen Gräbern, was die Gebührenhaushalte weiter belaste.

Osnabrück zum Beispiel habe 2012 die Friedhofsgebühren je nach Grabart um bis zu fünf Prozent erhöht. Kostendeckend wäre eine Erhöhung erst ab 30 Prozent gewesen. Dies soll den Bürgern aber nicht zugemutet werden, weshalb voraussichtlich ein Defizit von 700.000 Euro bleibt. In Düsseldorf müssen die Gebührenzahler dieses Jahr, so heißt es weiter, mit durchschnittlich 13,6 Prozent höheren Friedhofsgebühren rechnen, obwohl die Gebühren bereits in den letzten Jahren deutlich erhöht worden waren. Ursache ist unter anderem, dass innerhalb von 20 Jahren der Anteil der Urnenbestattungen von 20 auf fast 50 Prozent gestiegen und die Zahl der Bestattungen insgesamt von knapp 8.000 auf 5.000 gesunken sei. Die dadurch entstandenen Defizite müssten von den aktuellen Gebührenzahlern aufgebracht werden.
Besonders hart treffe es die Bürger der niederrheinischen Stadt Tönisvorst. Wegen eines Defizits aus dem Jahr 2010 erhöhe die Kommune einzelne Gebührenposten, zum Beispiel für die Trauerhalle, um bis zu 240 Prozent. Auch die Stadt Bonn versuche, ein Defizit aus den letzten Jahren von 900.000 Euro auf die neuen Gebühren umzulegen.

Die Beispiele veranschaulichten, wo die Kommunen der Schuh drückt. Die meisten deutschen Friedhöfe arbeiteten nicht kostendeckend und erwirtschafteten jedes Jahr große Defizite. Abgrenzungen früherer Gebühreneinnahmen, die Gewinn bringend verzinst werden könnten, wurden und werden laut Aeternitas nicht gebildet. Friedhofsflächen würden sogar zu Lasten der Gebührenzahler von den Kommunen jedes Jahr mit einem kalkulatorischen Zins von bis zu sieben Prozent auf Betriebsanlagen und Grundstücke belastet – obwohl der Friedhofsflächenbedarf für Bestattungen jährlich sinkt.

Während sich vor 20 Jahren nur knapp ein Drittel der Deutschen für eine Urnenbeisetzung entschieden hat, ist es heute schon ungefähr die Hälfte. Wegen des Trends zum kleinen und günstigen, oft sogar anonymen Grab sinken die Gebühreneinnahmen der Friedhöfe.
Darüber hinaus entstehen nicht mehr für Bestattungen benötigte Überhangflächen – bundesweit ungefähr 15.000 Hektar. Die Pflege dieser Flächen kostet die Gebührenzahler weiterhin Geld, Aeternitas schätzt ungefähr 300 bis 350 Millionen Euro. Viele Friedhöfe hätten versäumt, sich dem veränderten Bestattungsverhalten der Bundesbürger anzupassen. Sie litten noch heute unter Fehlplanungen aus den 1960er und 1970er Jahren, als mit einem gleich bleibenden Anteil von großflächigen, teuren Sarggräbern und steigenden Bevölkerungs- und Sterbezahlen gerechnet wurde. Die Konkurrenz durch Bestattungen außerhalb von Friedhöfen verschärfe das Problem weiter. Der Anteil von Baumbestattungen, Seebestattungen, Beisetzungen in ehemaligen Kirchen und im Ausland ist innerhalb von zehn Jahren von annähernd null auf ungefähr fünf Prozent der Bestattungen gestiegen.

Nicht überall müssen die Bürger nach den Erkenntnissen der Verbraucherinitiative 2012 mit höheren Friedhofsgebühren rechnen:
Die Stadt Hilden zum Beispiel konnte die Gebühren aufgrund von Überschüssen aus dem Vorjahr senken. In Cottbus fallen verschiedene Grabgebühren in diesem Jahr sogar um bis zu 25 Prozent günstiger aus. Auch im münsterländischen Drensteinfurt konnten die Gebühren um einige Euro gesenkt werden, weil unter anderem Kapelle und Aufbahrungsräume privatisiert und die kalkulatorischen Abschreibungen reduziert wurden. (ae/ts)