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Zahlungsarten im Handel: Bundeskartellamt sorgt für Verbesserungen

Die deutsche Kreditwirtschaft muss nach dem Willen des Bundeskartellamtes künftig individuelle Verhandlungen über die Autorisierungsgebühren für das electronic cash-/girocard-System mit dem Handel führen.

Die Neuregelung gilt ab November 2014. Erwartet werden deutliche Gebührensenkungen bei großen Handelsunternehmen und damit Einsparungen, die sich auch für kleinere Händler positiv auswirken könnten.

Das geht aus der Studie des EHI Retail Instituts „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2014“ hervor, die auf dem Kartenkongress in Bonn vorgestellt wurde. Die Studie geht außerdem auf Entwicklung der Zahlungsarten und Trends ein, die Investitionstreiber sind.

Die EU-Kommission fordert laut EHI zudem, die Interchange-Gebühren auf 0,2 Prozent und höchstens sieben Cent pro Transaktion (bei Debit-Karten) oder 0,3 Prozent (Kreditkarten) zu deckeln. Bislang lag bei electronic-cash-Transaktionen die Gebühr bei 0,3 Prozent und mindestens acht Cent pro Transaktion. Zukünftig müsste sich die Kreditwirtschaft bei einem Einkaufsbetrag von 200 Euro statt mit bisher 60 Cent dann nur noch mit sieben Cent zufrieden geben. Von den erwarteten Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe werde nicht zuletzt auch der Verbraucher profitieren.

Während in 2013 der Bargeldanteil im deutschen Einzelhandel um 1,2 Prozent weiter auf 54,4 Prozent gesunken ist, legten Zahlungskarten weiter zu. Dabei hatte die ec-/Debit-Karte klar die Nase vorn: 23,1 Prozent des gesamten Umsatzes im Einzelhandel tätigten die Kunden mit ihrer ec-Karte plus Geheimnummer und weitere 12,9 Prozent (50 Milliarden Euro) mit ec-Karte plus Unterschrift. Kreditkarten wurden nur zu einem Anteil von 5,4 Prozent eingesetzt.

Nearfield Communication (NFC) wird von 82 Prozent der Händler als technischer Standard für mobiles oder kontaktloses Bezahlen favorisiert. Es rangiert damit deutlich vor QR-Code basierten Lösungen oder dem neuen Übertragungsstandard Bluetooth Low Energy (BLE). Dabei bevorzugen sechs von zehn Händlern Mobile Wallets (digitale Karten auf dem Smartphone) gegenüber mobilen Einzellösungen. Bei den meisten Unternehmen seien die Investitionen in kontaktloses Bezahlen größtenteils abgeschlossen.

Gutscheinkarten (gift cards) erfreuen sich großer Beliebtheit und werden von 93 Prozent der großen Unternehmen eingesetzt. In Unternehmen des Textileinzelhandels werden über Gutscheinkarten bereits ein bis zwei Prozent des Umsatzes generiert.

Setzt sich die Entwicklung der Zahlungsanteile tendenziell fort, wird in drei bis vier Jahren der Bargeldanteil unter die 50-Prozentmarke rutschen.

Das EHI hält eine fünfzigprozentige Steigerung des bisherigen Kreditkartenvolumens im deutschen Einzelhandel für realistisch. 43 Prozent der Händler erwarten, dass auch die internationalen Marken Maestro und V Pay viel stärker in den Wettbewerb mit girocard/electronic cash und Lastschrift (ELV) treten könnten, falls die Gebühren erwartungsgemäß sinken.

Bestellmöglichkeit der kostenpflichtigen Studie unter: www.ehi.org oder bei Claudia Husseck, 0221–57993–64, husseck(at)ehi.org (ts)