Grüne Branche

„Zielsicher auf die Grüne Revolution zusteuern“

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Eigentlich arbeitet Marco Tidona als Software-Entwickler. Ein Zufall brachte ihn dazu, sich mit der Urban Farming-Szene in New York vertraut zu machen. Jetzt führt Tidona aponix – ein vertikales Anbau-System für den Gartenbau – auf den Markt, das Produktion und Konsument näher zusammenrücken lassen soll. TASPO Online sprach mit dem findigen Unternehmer.

Das vertikale Anbau-System aponix: Die Höhe und damit die Anzahl der Pflanzplätze der Tonnen-Aufbauten sind variabel. Foto: Manticore IT GmbH

Wie kommt man als Software-Entwickler darauf, ein vertikales Anbau-System für den Gartenbau zu entwerfen?

Als damals 1999 der Neue Markt und das Internet so richtig durchstartete, wurde ich Dienstleister. Heute bin ich wieder bereit, mit einem neuen Markt zu starten, allerdings diesmal mit einem Produkt für den Bereich Vertical Urban Farming. Ich habe 2014 zunächst privat eine Aquaponik-Kreislaufanlage mit 4.000 Liter Wasser und 100 Tilapia aufgesetzt und dabei die Menge an Pflanzen unterschätzt, die notwendig gewesen wären, ein Gleichgewicht zu den immer höher konzentrierten Nitrat-Werten in der Anlage her zu stellen.

Zu diesem Zeitpunkt war keine gleichzeitig bezahlbare, benutzbare und vertikal flexible Lösung auf dem jungen Urban-Farming Markt zu finden. Hinzu kam, dass ich 2015 dann durch einen Zufall einen Tag in New York City verbrachte und dort ungeahnte Einblicke in den Stand der Urban Farming-Szene und die Farming-Operationen bekam. Nachdem ich daraufhin noch weitere professionelle Produktionsstätten besichtigt und mir auch die bestehenden Wertschöpfungsketten vom Anbau über die Ernte über die Logistik bis hin zum Verzehr durch den Konsumenten genauer angesehen hatte, war mir schnell klar, dass wir hier zielsicher auf eine Grüne Revolution zusteuern.

Wo liegt der Unterschied zwischen aponix und gängigen vertikalen Systemen?

Es gibt mehrere Unterschiede und speziell vertikale Systeme sind sehr unterschiedlich. Jedes System hat seine individuellen Stärken und Schwächen, die man sich vor einer Anschaffung genauer ansehen und gegeneinander abwägen sollte. Im Zweifel empfehlen wir, zunächst einen praktischen Test zu machen. Die Mission von aponix ist, den Anbau von hyperlokalen essbaren Pflanzen in 3D zu vereinfachen. Und zwar a) für den kommerziellen Nutzer einer urbanen Farm mit schlanken Abläufen, b) den ambitionierten Hobby-Grower und c) den „Prosumenten“ – den Konsumenten, der einen Teil seiner Lebensmittel selbst produziert und gegebenenfalls über keinen Garten verfügt.

Die Höhe und damit die Anzahl der Pflanzplätze der Tonnen-Aufbauten sind variabel. Die Tonnen werden aus gleichartigen lego-ähnlichen Bauteilen mit unterschiedlichen Pflanzadaptern aufgebaut. Es werden keine fest installierten Einbauten wie Tische oder Regal-Systeme dazu benötigt. Alles ist mobil, modular und skalierbar. Im Prinzip kann man das System von aponix als Bausatz verstehen, mit dem man sehr viele verschiedene urbane Lösungen konfigurieren kann. Im Sommer kommen weitere Elemente hinzu, mit dem man substratbasierte Tonnen zusammen bauen kann, die dann als Hochbeet-Alternative für den Balkon oder auch als Grauwasser-Filter eingesetzt werden können. Wir zeigen diese Beispiele auf unserer Website.

Wie werden die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt? Wie viele Pflanzen passen in ein solches System?

In der erdlosen Variante kann man mit mineralischem oder organischem Dünger arbeiten – Hydroponik oder Aquaponik. Im Sommer kommen weitere Teile hinzu, mit der man eine erdbasierte Version zusammenbauen kann. Bei der erdlosen Version verkaufen wir zumeist die Variante mit einer Höhe von 12 Ringsegmenten. Jedes Ringsegment stellt 12 2-Zoll Netztopf-Einschübe bereit, also Platz für 144 Kräuter- oder Salatpflanzen. Eine Tonne hat einen Durchmesser von 57 Zentimetern.

Die Höhe der Tonnen kann jederzeit verändert werden. Die Bewässerung mittels Sprinkler und Schwerkraft funktioniert unabhängig von der Höhe immer gleich über einen Deckel. Man kann mehrere Tonnen zu einer Produktionslinie zusammenschließen und das Reservoir zentral managen oder eine einzelne Tonne betreiben.

Wo liegt der Vorteil für Unternehmen aus dem Gartenbau, die dieses System einsetzen?

Wenn wir die Produktion näher an den Endverbraucher heran verschieben möchten (=hyperlokal), um damit die durchschnittlichen 1.500 „Foodmeilen“ in der bestehenden Wertschöpfungskette auf Null zu bekommen und so dem Endverbraucher deutlich mehr Vielfalt, Frische und Nährstoffe zu bieten, werden sich die Anbauflächen deutlich verändern. In dezentralen verteilten urbanen Mikro-Farmen wird es darauf ankommen, Kulturflächen von weniger als 1.000 Quadratmetern profitabel zu betreiben.

Das geht nur mit hoher Pflanzdichte und einem konkurrenzfähigen Angebot. Die Frische, Nachhaltigkeit der Produktion und Abwesenheit von Herbiziden/Pestiziden wird hier unter anderem der Schlüssel für den mündigen Konsumenten sein, gerne einen kleinen Aufpreis verglichen zur Standard-Ware aus dem Supermarkt und den Discountern zu zahlen. Dafür ernährt er sich auf höchsten Nährstoffniveau und mit höchstem Genuss.

Was hat es mit der Umbenennung noch während der Projektphase auf sich? Entstand der Konflikt mit einem anderen Produkt aus derselben Branche oder einer „fremden“ Branche?

Ursprünglich hatten wir uns in der Prototypen-Phase mal ‚ponix’ genannt und ein Fisch Symbol drum herum im Logo gehabt. Kurz danach kam eine Firma aus Österreich auf den Markt mit dem Namen ‚Ponix Systems’. Da in den meisten Fällen alphabetisch sortiert wird, haben wir uns hier die Umbenennung leicht gemacht und ein ‚a’ voran gehängt und aus dem Fisch bei der Gelegenheit noch eine liegende „unendliche 8“ als Zeichen für die kommende Circular Economy gemacht.