Zierpflanzen-Betriebe: „Jetzt über Preisanpassungen reden!“

Veröffentlichungsdatum: , Therese Backhaus-Cysyk

Die Kostensteigerungen in Topfpflanzen-Betrieben lagen laut ZBG zwischen 2000 und 2019 bei plus 2,2 Prozent pro Jahr. Foto: Therese Backhaus-Cysyk

Welche Kostensteigerungen belasten Zierpflanzen-Betriebe 2022, wie wirken sich die Kosten auf Bilanzen aus und wie lassen sich höhere Preise beim Kunden durchsetzen? Wie reagiert der Handel? Hier sind keine einfachen Lösungen in Sicht, aber Berater und Vermarkter versuchen, Lösungswege aufzuzeigen.

Zahlreiche wirtschaftliche Herausforderungen für die Branche

„Fast jeder von Ihnen ist betroffen“, brachte es Torsten Wolf, Teamleiter „Ökonomie im Gartenbau“ beim Versuchszentrum Straelen, während der NRW-Zierpflanzentagung Ende 2021 in Herongen auf den Punkt. Nach seinen Schätzungen sind zwischen 75 und 85 Prozent aller Topfpflanzen-Betriebe in Deutschland vom Wegfall der Mehrwertsteuer-Pauschalierung betroffen. Damit nicht genug, denn zu weiteren wirtschaftlichen Herausforderungen zählen die Kostensteigerungen bei Produktionsmitteln, die Erhöhung der Energiekosten, unter anderem durch die CO2-Abgabe, aber auch Mindest- und Tariflohnsteigerungen und schlussendlich stark gestiegene Kosten von Stahl, Holz und vielem mehr bei Investitionsplänen, die auf den Unternehmer zukommen, so Wolf.

Zu den aktuellen Energiekosten, die sich am Weltmarkt vervielfacht haben, zeigte Wolf eine Grafik mit steigenden CO2-Abgaben von 2021 mit 25 Euro pro Tonne CO2 bis 55 Euro ab dem Jahr 2025, wobei eine weitere Erhöhung der Abgaben drohe. Auch Brennstoffkosten klettern dadurch in den kommenden Jahren in die Höhe. „Aus heutiger Sicht ist es nicht zu beurteilen, wohin die Preise gehen“, wagte Wolf damit keinen Blick in die Glaskugel.

Jährliche Kostensteigerungen in Zierpflanzen-Betrieben

Wolf nahm die Zuhörer dagegen mit, einen Blick zurück zu werfen und stellte die Frage: „Wie sind Sie mit bisherigen Kostensteigerungen umgegangen?“ Die Kostensteigerungen in Topfpflanzen-Betrieben lagen laut Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau (ZBG) zwischen 2000 und 2019 bei plus 2,2 Prozent pro Jahr, die Erträge beliefen sich auf plus 2,4 Prozent. „Wie haben Sie die Wirtschaftlichkeit verbessert?“, fragte Wolf und nannte als Antworten: durch neue, verbesserte Produkte, durch Optimierung der Produktionsverfahren, durch intensivere Nutzung der Kapazitäten (etwa der Flächen), durch Wachstum der Betriebe sowie durch Verändern und Erweitern der Produktpalette. Trotz vieler betrieblicher Veränderungen in der Vergangenheit müssten sich die Zierpflanzen-Betriebe mit weiteren beschäftigen, die durchaus eine Langzeitwirkung haben werden und nicht einfach verschwinden, betonte Wolf. Schließlich müssten Privatentnahmen inklusive Altersvorsorge weiterhin gewährleistet sein, ebenso wie Ersatzinvestitionen sowie Investitionen für Umstrukturierungen.

Wie kann der Unternehmer darauf reagieren?

Mit einer Teilung des Unternehmens in zwei Betriebe auf Änderungen bei der Pauschalierung zu reagieren, das sei nach Wolf sehr genau zu prüfen. Nur für wenige Betriebe sieht er es als sinnvoll an: „Die Finanzämter werden dies zum jetzigen Zeitpunkt sehr kritisch prüfen.“ Weitere Reaktionen sind laut Wolf, die Rückforderungen von Mehrwertsteuer aus den Vorjahren mit dem Steuerberater abzustimmen, Investitionen in (Arbeits-)Rationalisierungsmaßnahmen zu prüfen („dabei fällt vielen allerdings die Entwicklung der Bau- und Materialkosten wieder auf die Füße“), eine individuelle Kalkulation auf Netto-Basis umzustellen sowie Angebotspreise anzupassen. „Jetzt sind Ihre Kunden sensibilisiert. Agieren Sie jetzt und führen Sie nun Gespräche über eine Preisanpassung“, forderte Wolf die Unternehmer auf. „Neue Preiskalkulationen sind unbedingt notwendig, um den Status quo zu halten“, denn darüber hinaus werde es zusätzliche Auswirkungen der Kostensteigerungen auf Produktebene (wie etwa bei Töpfen, Substraten, Transport) geben.

► Was Zierpflanzen-Betriebe noch ändern können und wie der Handel reagiert, lesen Sie im kompletten Beitrag zur NRW-Zierpflanzentagung in TASPO 47/2021.