Grüne Branche

Zierpflanzen: Einwegtrays aus Kunststoff in der Kritik

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Die „Plastic Soup Foundation“ (PSF) setzt sich dafür ein, den Verbrauch von Kunststoff-Einwegtrays im Zierpflanzenbau zu verringern. Gleichzeitig kritisiert die niederländische Umweltorganisation, dass Royal FloraHolland zu wenig gegen Einwegtrays unternimmt – möglicherweise auch aus finanziellen Gründen.

Sowohl Einweg- als auch Mehrwegtrays nehmen jeweils sechs Töpfe auf. Foto: Royal FloraHolland

Vorteile von Mehrwegtrays seit Jahren belegt

Die Vorteile von Mehrwegtrays seien schon 1996 durch eine Studie belegt worden, so PSF. Eine von der Vermarktungsorganisation Royal FloraHolland in Auftrag gegebene aktuelle Studie nahm PSF zum Anlass, um erneut auf die Problematik von Kunststoff-Einwegtrays hinzuweisen.

Die von einer Unternehmensberatung erstellte Untersuchung befasst sich mit der Umweltbilanz von Einwegtrays (hier Normpack 306 und 236) und Mehrwegtrays (hier Floratino FC 746 und FC 736), die jeweils sechs Töpfe aufnehmen. Dabei ging es um die Auswirkungen von Transporten dieser Trays mit Topfpflanzen von der Veiling in Aalsmeer nach Berlin, Paris und London (internationale Märkte) sowie Arnheim (lokaler Markt) auf verschiedene Umweltparameter wie Klima und Wasser.

Mehr als 180 Millionen Einwegtrays pro Jahr im Umlauf

Zusammengefasst ergab die Studie, dass Mehrwegtrays insgesamt besser für die Umwelt sind als Einwegtrays. PSF ist der Meinung, dass Royal FloraHolland trotz dieses Ergebnisses zu wenig gegen Einwegtrays unternimmt, möglicherweise auch aus finanziellen Gründen.

Das niederländische Recherche-Netzwerk „Follow The Money“ (FTM) habe sich in einem Artikel mit den Trays befasst. Jährlich kämen mehr als 180 Millionen Einwegtrays in Umlauf, aus denen 23.000 Tonnen Polystyrol-Abfall entstehen. Das entspreche dem Plastikmüll, der jährlich bei einer Million Niederländern anfällt.

Millionengewinn durch Trays für Royal FloraHolland

Die Anlieferer seien verpflichtet, Normpack-Trays zu verwenden, die von Royal FloraHolland zugelassen sein müssen. Seinen Anlieferern vergüte der Vermarkter zum Beispiel 30 Cent pro Tray (abhängig vom Modell), das entspreche ungefähr dem Kaufpreis eines Trays.

Den Abnehmern der Ware berechne Royal FloraHolland dagegen in diesem Beispiel 34 Cent pro Tray, die Differenz verbleibe bei dem Vermarkter. Dieser gebe den jährlichen Gewinn aus diesem Geschäft mit fünf Millionen Euro an, schreibt FTM. Es handle sich um ein angemessenes Entgelt für seine Dienstleistungen, habe das Unternehmen dazu mitgeteilt.

Normpack-Zwang ermöglicht geschlossenen Markt

Die Tray-Hersteller würden dieses Modell akzeptieren, weil Royal FloraHolland ihnen durch den Normpack-Zwang einen geschlossenen Markt biete, so FTM. Der Vermarkter begründe das Normpack-System mit höherer Effizienz in der Logistik, die tatsächliche Vielfalt bei den Trays – laut Royal FloraHolland gibt es für Topfpflanzen 170 Modelle – stehe dazu aber im Widerspruch.

PSF fordert, dass Einwegtrays so schnell wie möglich durch nachhaltige, wiederverwendbare Systeme oder durch Trays aus alternativen Materialien wie Karton ersetzt werden. Dies verhindere auch, dass ein Teil der Kunststoff-Einwegtrays in der Umwelt lande, zum Beispiel beim Verbraucher im Garten.

Erhöhung der Recyclingquote bei Einwegtrays?

Als Unternehmensziele nennt Royal FloraHolland auf seiner Webseite die Erhöhung der Recyclingquote bei Einwegtrays in den Niederlanden und in Deutschland, die Steigerung des Einsatzes von Mehrweg-Systemen und von Trays aus biobasierten Rohstoffen sowie Transparenz in Bezug auf Eigenschaften und Auswirkungen der verwendeten Verpackungen.

Mehr dazu lesen Sie in unserem TASPO extra Töpfe & Trays, das in der TASPO 50/2018 erschienen ist.