Grüne Branche

Züchtung: „Man muss viele Rosen-Babys aussortieren“

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Die Züchtung einer neuen Rose ist ein harter Job, sagt Thomas Proll, Züchtungsleiter der Rosenschule W. Kordes’ Söhne. Zum einen braucht es einen langen Atem, zum anderen bleiben auf dem Weg zur Neuheit viele „Rosen-Babys“, wie Proll sie nennt, auf der Strecke. Die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft hat sich auf der BUGA mit dem passionierten Rosenzüchter über neue Sorten, aktuelle Trends und die harte Züchtungsarbeit unterhalten.

Thomas Proll ist Züchtungsleiter bei W. Kordes’ Söhne und stellt auf der Bundesgartenschau (BUGA) in Heilbronn aktuell einige Neuheiten der Schleswig-Holsteiner Rosenschule vor. Dafür konnte der passionierte Züchter stellvertretend eine Große Goldmedaille entgegennehmen. Foto: DBG

Sie haben eine Große Goldmedaille für Ihr gesundes, blühfreudiges und farbenprächtiges Neuheiten-Sortiment erhalten. Was gilt denn überhaupt als Neuheit?

Neuheiten sind all die Sorten, die seit der letzten Gartenschau, in diesem Fall also der internationalen Gartenschau in Berlin vor zwei Jahren, neu in den Handel gekommen sind. Ich weiß gar nicht, wie viele davon letztlich vom Planer gepflanzt wurden, aber es dürften so ungefähr zehn bis 15 sein, die hier zu sehen sind.

Es gibt tausende verschiedene Variationen an Rosen. Wieso braucht man da überhaupt noch neue Sorten?

Zum einen hat vor zwei bis drei Jahrzehnten ein großer Umbruch stattgefunden, als man anfing, mehr auf Blattgesundheit zu setzen, weil die Menschen weniger Gift in ihren Gärten haben wollten und sollten. Darüber hinaus ist der Markt immer hungrig nach Neuem, allein schon, was die Farben angeht. Inzwischen müssen sich die Pflanzen vor allem auch gut im Topf präsentieren, weil das immer mehr nachgefragt wird.

Auch in der Rosenwelt gibt es Trends. Wir wollen Duft mit Gesundheit kombinieren, was uns auch bei einigen Exemplaren gut gelungen ist. Dazu kommt natürlich das Thema Insektenfreundlichkeit, also weg von den ganz gefüllten Blüten. Aber das kann man gut kombinieren.

Apropos Duft: Oft heißt es, schöne Rosen duften nicht – was ist da dran?

Das ist ein absoluter Mythos, dass aus den neuen Arten der Duft herausgezüchtet wurde. Die Leute sind da irritiert, weil bei den Schnittrosen, die mit Gartenrosen nicht verwechselt werden dürfen, vor allem auf Haltbarkeit gezüchtet wird. Duft und Haltbarkeit zu kombinieren ist nicht einfach, da braucht es ein großes Zuchtprogramm. Aber mit unserem Parfuma-Sortiment ist uns da ein guter Erfolg gelungen.

Wie lange dauert die Züchtung einer neuen Rose?

Wir rechnen mit zehn Jahren. Die meisten Neuheiten, die hier sind, wurden 2007/08 gekreuzt. Allerdings muss man viele, viele Rosen-Babys aussortieren, das ist schon ein harter Job. Bereits im ersten Jahr schicken wir neunzig Prozent in den Rosen-Himmel, wie wir sagen, und dann hofft man, dass man auf die Richtigen gesetzt hat. Aber die Begeisterung der Rosen-Freunde gibt einem meist Recht.

Wenn das so lange dauert, wie können Sie da überhaupt auf Trends reagieren?

Man kann Trends nicht wirklich erfassen. Was die Farben angeht, verlaufen die bei Gartenrosen auch eher langsam. Während Floristen innerhalb kürzester Zeit bei sich im Laden merken, welche Farben gerade bei Kleidung und Inneneinrichtung angesagt sind, ist die Reaktionszeit im Garten gemächlicher. Letztlich musst du immer was in der Pipeline haben. Das Thema Bienenfreundlichkeit ist vor drei Jahren aufgetaucht und hat uns in seiner Vehemenz schon überrascht. Vorher waren solche Rosen echte Ladenhüter und plötzlich sind sie gefragt wie nie.