Grüne Branche

Zündstoff im BNatSchG, § 40

Deutsche Baumpflegetage Augsburg
Ab dem 1. März 2020 dürfen bei Pflanzungen in freier Natur ausschließlich gebietseigene Gehölze zum Einsatz kommen. „Aus diesem Grund haben wir gleich zwei Vorträge und eine Diskussion dem aktuellen Stand der Dinge gewidmet“, so der Veranstalter der Deutschen Baumpflegetage, Prof. Dr. Dirk Dujesiefken.

Als Vertreter des zuständigen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) verwies Dr. Rudolf Specht auf die Komplexität des Themas und die zahlreichen beteiligten Akteure: „Wenn das System 2020 praxistauglich funktionieren soll, müssen enorm viele Rädchen ineinandergreifen.“

Gebietseigene Herkunft bedeutet, dass das Saatgut der Pflanzen, die in der freien Natur eingesetzt werden sollen, aus dem „Gebiet“ (siehe Abb.) stammen müssen, in das die Pflanze gepflanzt werden soll. Was aber versteht der Gesetzgeber unter „freie Natur“, beziehungsweise was nicht?

Nicht dazu zählen:

  • Land- und Forstwirtschaft
  • Innerstädtische/innerörtliche Bereiche, besiedelter Bereich
  • Sportanlagen
  • Obstgehölze (Streuobstwiesen, Obstalleen, die regionaltypische bzw. alte Sorten enthalten sollen)


Unter die Regelung aber fällt in der Regel Straßenbegleitgrün; Ausnahme: Sonderstandorte, bei denen andere Aspekte vorrangig zu betrachten sind, etwa Verkehrssicherheit, die durch gebietseigene Herkünfte nicht gewährleistet werden können. Und: Bis 1. März 2020 sollen Pflanzen gebietseigener Herkunft vorrangig eingesetzt werden. Erst danach ist die Verwendung von gebietsheimischen Gehölzen bindend.

Auf dem Weg dorthin nannte Dr. Specht zwei „Meilensteine“: den Leitfaden und die Vereinbarung von Mindeststandards. Er berichtete von dem Erfahrungsaustausch beteiligter Stellen im Oktober 2017. Deutlich wurde: Viel Abstimmungsbedarf besteht unter anderem noch bei Zertifizierung und Akkreditierung.
Ausschreiber und Anbieter brauchen Rechtssicherheit. Es geht um Transparenz auf allen Ebenen und einheitliche Mindestanforderungen. Eine Möglichkeit hierfür ist die Akkreditierung der Zertifizierungsstellen durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS). Die dafür unter anderem nötige Einführung eines Bewertungsmaßstabs für gebietseigene Gehölze zur Akkreditierung bei der DAkkS, der „Scope“, steht noch auf der To-Do-Liste des BMU. Die bisher vereinbarten Mindestanforderungen (Leitfaden, Mindeststandards) werden als Grundlage für einen DAkkS-Scope dienen und nicht verschärft, aber – soweit erforderlich – konkretisiert. Annette Hackbarth

Erfahren Sie mehr zu dem Thema wie die Sicht der Baumschuler, die Produktionsbedungungen sowie die Diskussion während der Deutschen Baumpflegetage in Augsburg in Ausgabe 06/2018 Deutsche Baumschule.


Leitfaden unter: www.bfn.de/fileadmin/BfN/recht/Dokumente/leitfaden_gehoelze_.pdf
Ausführliche Informationen in der Deutschen Baumschule 2018 in den Ausgaben 2, 3 und 4 aus der Serie „Gebietseigene Gehölze“.