Grüne Branche

Zukunft des europäischen Gartenbaues: ZVG nimmt in EU-Anhörung Stellung

Die Zunahme der Bedeutung des Gartenbaues in Europa und der Welt nahm der Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlamentes zum Anlass, um eine Expertenanhörung zum Thema „Die Zukunft des Europäischen Gartenbausektors – Strategien für Wachstum“ zu veranstalten. Vier Experten aus Europa diskutierten am 9. Juli mit den Parlamentariern. Für den deutschen Gartenbau sprach der Generalsekretär des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), Dr. Siegfried Scholz. 

Neben ihm waren Antony Snell, stellvertretender Vorsitzender der Sektion Gartenbau der National Farmer's Union (NFU, Bauernverband des Vereinigten Königreichs), Jorge Brotons, Vorsitzender des spanischen Dachverbandes der Erzeuger und Ausführer von Obst, Gemüse, Blumen und lebenden Pflanzen (FEPEX) und Donato L'Abbate, Mitglied des Vorstands des Unternehmens S.O.P (Società Ortofrutticola Polignanese, Gesellschaft für Obst- und Gemüse) als Experten geladen.

Während die Vertreter aus Spanien, Italien und Großbritannien fast ausschließlich auf den Obst- und Gemüsebau eingingen, sprach Scholz unter anderem Themen wie Ressourceneffizienz, Qualitätssicherung in Lehre und Ausbildung, Förderungen im Bereich Forschung und Innovation, den zu erhaltenden ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel, Blumen und Pflanzen aber auch EU-politisch aktuelle Themen, wie die finale Ausgestaltung der GAP-Reform und Förderungen innerhalb der zweiten Säule sowie das neue Paket zu Tier- und Pflanzengesundheit an.

In der anschließenden Diskussion griffen die Mitglieder des Europäischen Parlaments Kernpunkte des deutschen Beitrags auf. So fragte Britta Reimers (ALDE/FDP) ganz konkret nach der Berücksichtigung des Gartenbaues in der zweiten Säule der GAP. Ebenso wie Martin Häusling (VERTS/Grüne) interessierte sich Reimers für den Standpunkt der Experten zur neuen Saatgutverordnung der Kommission. Gezielt wurde nachgefragt, worauf hier speziell für den Gartenbau zu achten wäre, wo eventuell bürokratische Hürden drohten.

Die spanische Abgeordnete Pilar Ayuso (EVP/Christdemokraten, ES) sprach sich für gegenseitige Anerkennung beim Pflanzenschutz – gerade auch mit Blick auf den Handel mit dem außereuropäischen Ausland – aus. Die deutsche Abgeordnete Ulrike Rodust (S&D/SPD) machte sich für geschlossene Systeme stark und erbat zu diesem Punkt die Meinung der Experten.

In Reaktion auf die Fragen der Parlamentarier konnte Dr. Scholz erneut Problematiken, aber auch Chancen für den Gartenbau aufzeigen. Ebenso wie Ayuso sprach er sich auch für gegenseitige Anerkennung im Handel mit Blick auf Pflanzenschutzmaßnahmen aus, stellte aber deutlich das Problembewusstsein des Sektors heraus, wenn es darum geht, beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eine Risikominimierung zu erreichen.

Gleichzeitig forderte er den längst fälligen Vorschlag der Kommission zu einem EU-Fonds für Minor Uses ein. Ein gut ausgestatteter Fonds sei zwingend erforderlich, um die bestehenden Lücken zu schließen. Mit Blick auf die Saatgutverordnung bestätigte Scholz die Auffassung der Abgeordneten, dass die Formulierungen im Kommissionsvorschlag noch nicht eindeutig und verstärkte bürokratische Lasten für Unternehmer im Gartenbau zu befürchten seien.

Einig waren sich alle Experten, dass der Bereich Forschung und Innovation im Gartenbausektor ausgebaut werden müsse. Ebenso wurde in allen Vorträgen die Bedeutung der Nachwuchsförderung und der Bereitstellung von Arbeitsplätzen – gerade auch für junge Leute – herausgestellt. Berichterstatterin ist die Britin Anthea McIntyre (EKR, UK). Ihre Aufgabe sei es nun, die wertvollen Beiträge der Teilnehmer in einem Initiativbericht zum Gartenbau zusammenzubringen.

Im Anschluss an die Anhörung fanden bilaterale Gespräche zwischen einzelnen Abgeordneten des Europäischen Parlaments und dem ZVG in Brüssel statt, in denen die in der Anhörung behandelten Schwerpunkte vertiefend erörtert und nächste gemeinsame Schritte vereinbart wurden.

Redebeiträge der Experten als auch die anschließende Diskussion sind als Video im Internet verfügbar. Das Video der Anhörung kann in der Mediathek des Agrarausschusses des Europäischen Parlaments abgerufen werden. (zvg)