Grüne Branche

Zukunft sichern: Herbsttagung 2012 des deutschen Gemüsebaus

„Zukunft sichern – Ausbilden im Gemüsebau“: Unter diesem Motto stand die diesjährige Herbsttagung der Bundesfachgruppe Gemüsebau (BFG) im Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG) und im Zentralverband Gartenbau (ZVG), die vom 21. bis 24. November erstmals in Berlin stattfand. Der langjährige Vorsitzende Gerhard Schulz gab zu diesem Anlass seinen Vorsitz an Christian Ufen ab. 

Jens Stechmann, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau, Theo Germes, stv. Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau, Jochen Winkhoff, Geschäftsführer Fachgruppe Gemüsebau, Christian Ufen, Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau, Gerhard Schulz, ehemaliger Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau, Wilhelm Böck, stv. Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau, Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau. Foto: ZVG

Jürgen Mertz, Präsident des ZVG bedankte sich bei Gerhard Schulz für dessen 21-jährigen erfolgreichen und beglückwünschte den neuen Vorsitzenden der Bundesfachgruppe Gemüsebau Christian Ufen aus Kronprinzenkoog.

Der ZVG will die Fachgruppenarbeit auch zukünftig begleitend unterstützen, insbesondere bei den Themen wie die Saisonarbeitskräfteregelung, die Versicherungssteuer für die Mehrgefahrenversicherung, Umweltauflagen, die Nachwuchswerbung für den Gartenbau und hinsichtlich der Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln.

Auch der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Norbert Schindler, gratulierte Christian Ufen zu seiner einstimmigen Wahl und wünschte ihm eine glückliche Hand. Der neue Vorsitzende Christian Ufen äußerte sich in seiner Antrittsrede zur zukünftigen Arbeit der Fachgruppe. Im Mittelpunkt werde insbesondere die Energiewende stehen. „Wir müssen aufpassen, dass wir gegenüber unseren europäischen Mitbewerbern konkurrenzfähig bleiben. Jedoch die Energiewende ist gewollt und beschlossen. Außerdem werden die Themen Pflanzenschutz, Saisonarbeitskräfte und Qualitätssicherungssysteme die Arbeit bestimmen.“ Zusammenfassend betonte Ufen, dass der deutsche Gemüsebau eine starke Kraft mit hervorragenden Standorten und Unternehmern sei und die Herausforderung für die Zukunft gerne annehme.

Das Leitthema „Zukunft sichern – Ausbilden im Gemüsebau“ wurde aus verschiedenen Perspektiven abgearbeitet. ZVG-Bildungsreferent Walter Holbeck befasste sich mit der Frage, ob dem Gartenbau/Gemüsebau die Fachkräfte ausgehen, So zeige der demographische Wandel, dass immer weniger Jugendliche dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stünden.

Dies könne für manche Unternehmen zur Konjunkturbremse werden. Auch für den Gemüse-bau werde es eng, um in Zukunft den Bestand an qualifizierten Fach- und Führungskräften zu sichern.

Ist der Traumjob Gärtner in den Köpfen junger Leute? Dieser Fragestellung ging Werner Riedel vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz auf den Grund. Das soziale Ansehen eines Berufs, der Umgang mit moderner Technik, aber auch die Möglichkeit, sein Selbstvertrauen auszubauen, sind einige Voraussetzungen für junge, zielstrebige Menschen.

In seinem Vortrag stellte Michael Legrand vom Grünen Medienhaus den aktuellen Stand zur berufsständischen Nachwuchswerbung im Gartenbau und speziell im Gemüsebau vor. Erläutert wurde hierbei der Werdegang zum neuen Corporate Design (CD), bei dem besonderes Augenmerk auf eine umfangreiche Marktforschung in der Zielgruppe gelegt wurde.

Wilhelm Böck aus Neufarn, einer der renommiertesten Gemüsebau-Ausbildungsbetriebe in Deutschland, sprach über seine Erfahrungen als Ausbilder. Der Betrieb Böck bildet seit 150 Jahren mittlerweile in der fünften Generation junge Menschen zum Gärtner der Fachrichtung Gemüsebau aus. 180 Lehrlinge, oft potenzielle Betriebsnachfolger, und fünfzig Praktikanten wurden in seinem Betrieb dual erfolgreich ausgebildet. Sein Motto heißt: „Geduld mit jungen Menschen aufbringen“.

Eine Zwischenbilanz zog Professor Dr. Eckhard George, Direktor des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) e.V. Großbeeren/Erfurt, zur EHEC-Krise in 2011. Es könne nicht Ziel möglicher Vorbeugemaßnahmen sein, „keimfreies“ Gemüse zu erzeugen. Jedoch seien zuverlässige Dekontaminationsverfahren nicht immer in der Gemüseproduktion verfügbar, betonte George. 99,99 Prozent des Essens in Deutschland sei ungefährlich. Dennoch könnten humanpathogene Mikroorganismen sich in Einzelfällen verbreiten. Diese auch bei Gemüse zu vermeiden, erfordere die bestmögliche Überprüfung von Saatgut, Böden, Wasser, Verletzungsstellen, Düngemitteln etc.

Zum Abschluss der diesjährigen Herbsttagung wurde das IGZ in Großbeeren besucht. Das IGZ beschäftigt ca. 130 Personen. Es betreibt praxisorientierte und angewandte Grundlagenforschung und sei in Deutschland für den Gemüse- und Zierpflanzenbau einmalig und unverzichtbar, betonte der neue Vorsitzende der Bundesfachgruppe Gemüsebau Christian Ufen. (ts/vs)