Grüne Branche

Zukunftsstrategie Gartenbau trägt Früchte

, erstellt von

Zukunftsstrategie – da war doch mal etwas. 2013 haben wir in der TASPO ausführlich über die Ergebnisse des Zukunftskongresses berichtet. Was liegt näher, als die Unternehmensberatung CoConcept, die damals den Prozess begleitete, zu fragen: Wie ist jetzt der Stand der Dinge? Und, wenn wir schon mal dabei sind: Wo geht es hin mit dem Gartenbau in sagen wir 30 Jahren?

Gemeinsam auf dem Weg in die grüne Zukunft: Kooperatives Denken setzt sich im Gartenbau durch, auch wenn noch nicht immer Taten folgen. Grafik: Carsten Bittner

Unternehmen und Verbände beschäftigen sich mit Zukunftsstrategien

Im Anschluss an den Zukunftskongress im Jahr 2013 haben sich viele Unternehmen und insbesondere die Verbände mit der Zukunftsstrategie auseinandergesetzt und überlegt, wie sie die drei Leitlinien für sich umsetzen können. Die Diskussion begann – keine Gärtnerversammlung, die das Thema nicht auf der Agenda hatte.

Es wurden Zukunftsworkshops in Verbänden durchgeführt. Aber auch einzelne Unternehmen haben sich nach dem Zukunftskongress intensiv mit den Leitlinien auseinandergesetzt und ihre Unternehmensstrategien daraufhin angepasst oder ausgerichtet. Es finden noch immer Zukunftstage in Unternehmen statt.

Gartenbau: Effizienzsteigerung durch Kooperationen

Gerade die Effizienzsteigerung durch Kooperationen, aber auch die Inwertsetzung bildeten in der Praxis Themenschwerpunkte. Unter den Überlegungen der Zukunftsstrategie näherten sich Landesverbände in ihrer Arbeit schneller an, und auch Aktionen zur Inwertsetzung gartenbaulicher Produkte wurden schneller umgesetzt, als gedacht. Die Ergebnisse der Überlegungen sind der Branche durch die TASPO bekannt.

Die Pflanze inwertsetzen – Marken bilden

Kampagnen wie „Blumen – 1.000 gute Gründe“ von Landgard oder „Natürlich schöne Augenblicke“ vom Zentralverband Gartenbau (ZVG) wurden aus der Taufe gehoben und sind mit Kampagnen des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) und des Blumenbüro Holland Maßnahmen, die einen wichtigen Beitrag zur Inwertsetzung gartenbaulicher Produkte liefern.

Aber auch Beispiele für Markenbildung, bei der ein für die Verbraucher spürbarer Mehrwert herausgestellt wird und nicht nur schlicht die Spezies leistet durch ihre stärkere Kommunikation einen Beitrag zur Inwertsetzungsstrategie. Ein schönes Beispiel liefert die Baumschule Heinje, die statt einfach Hydrangea macrophylla an den Endverbraucher zu kommunizieren, ihre Forever&Ever Kollektion inszeniert.

Das Denken in Wertschöpfungsketten hat sich etabliert

Die Bedeutung und das Verständnis für Wertschöpfungsketten ist in der Branche seit dem Zukunftskongress deutlich stärker ausgeprägt. Jeder spricht mittlerweile von Wertschöpfungsketten und der Notwendigkeit, strategische Partner zu suchen. Kooperatives Denken setzt sich durch, auch wenn noch nicht immer Taten folgen.

Vielen ist bewusst geworden, dass die Branche sich deutlich stärker für die Inwertsetzung unserer gartenbaulichen Produkte aber auch für die Betriebe einsetzen muss. Dies ist oftmals alleine als Einzelunternehmen gar nicht möglich. Der Begriff „Wertschöpfungskette“ bestimmt auch hier die Diskussion.

Es gibt kaum eine Veranstaltung oder neue Konzepte, bei denen nicht in Richtung Wertschöpfungskette gedacht wird. Gerade gärtnerische Unternehmer haben aus der Zukunftsstrategie geschlussfolgert, dass sie viel mehr aus Sicht des Verbrauchers denken und umso stärker in Wertschöpfungsketten denken und zusammenarbeiten müssen, je weiter sie vom Verbraucher entfernt sind. Die Aussage der damaligen Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf dem Kongress: „Wenn Du schnell gehen willst, gehe alleine, wenn Du weit gehen willst, gehe zusammen mit anderen!“ ist aktueller denn je.

Politik orientiert sich an Leitlinien – spannende Zukunft der Branche

Auch die Politik sieht sich gefordert. Sie hat mit Projekten wie beispielsweise dem zuvor genannten „Weißbuch Stadtgrün“, aber auch mit Projekten wie „Hortinova“, dem „Energieeffizienzprogramm“ und dem „Betriebsvergleich 4.0“ wertvolle Projekte angestoßen, die den Aussagen der Zukunftsstrategie folgen.

Die Zukunft der Grünen Branche bleibt spannend. Gerade wenn man versucht, weiter als 2020 für den Gartenbau zu blicken und Visionen für die nächsten 30 oder sogar 50 Jahre weiter spinnt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich der Wettbewerb der Zukunft noch stärker zwischen den Wertschöpfungsketten entscheiden, die zunehmend als „closed shop“ agieren werden. Eigene Warenwirtschaftssysteme verbunden mit einer stark ausgeprägten digitalen Vernetzung dürften in 30 Jahren Standard sein.

Stärkere Verschmelzung zwischen Züchtung, Produktion und Handel?

Es wird vermutlich zu einer deutlich stärkeren Verschmelzung zwischen Züchtung, Produktion, Groß- und Einzelhandel kommen. Unsere klassischen Marktstufen werden neu gemischt, die Lieferketten verkürzt. Dabei werden in der Branche große Unternehmen entstehen, die im Handelsregister Dimensionen ausweisen, wie man sie nur aus anderen Branchen kennt.

Gleichzeitig werden als Gegenstrom zur Konzentration einzelner Wertschöpfungsketten viele neue Unternehmen entstehen, die in vielfältigen Nischen die Bedürfnisse der noch heterogener werdenden Kundenwünsche und Zielgruppen erfolgreich bedienen.

Gerade branchenfremde Startups werden sich hier vermehrt tummeln, für die die grüne Branche schon heute von außen betrachtet immer „sexier“ erscheint. Sie werden in neuen Geschäftsmodellen denken und diese ausprobieren. Dabei wird weniger das Produkt selbst, sondern vielmehr das Beherrschen von Datenmengen, sprich „BigData“, als Erfolgsfaktor entscheidend sein.

In diesem Zusammenhang wird es spannend sein und eine große Herausforderung darstellen, wenn branchenfremde Großkonzerne mit ihrem Know-how bei BigData und Logistik den Gartenbau für sich entdecken und in den Sektor investieren.

Gartenbau: kapitalstarke Akteure am Horizont

Die Idee, dass die Automobilindustrie, Logistiker, Agrar- oder Ölkonzerne in den Gartenbau oder vor allem die Nahrungsmittelproduktion einsteigen, ist leicht nachvollziehbar. Entsprechend kapitalstarke Akteure sind zu erwarten.

Gerade bei der Lebensmittelproduktion kann man sich gut vorstellen, dass die gesicherte Produktion, unabhängig von Freilandfaktoren, zunehmen wird. Der geschützte Anbau mit Kreislaufsystemen wird Standard. Ob sich heutige Gartenbaugebiete in Deutschland dabei zu einer Art „Almería deluxe“ entwickeln, bleibt abzuwarten. In 50 Jahren wissen wir mehr, wenn wir Satellitenbilder auswerten.

Erfreulich ist die Vision, dass die Bedeutung des Grüns zunehmen wird, die wachsenden Städte deutlich grüner werden als heute und der „Urbanfarmer“ zum anerkannten Ausbildungsberuf wird. Es wird spanned!