Zukunftsweisendes Konzept: „NaturRuh“ in Bad Gandersheim

Veröffentlichungsdatum: , Katrin Klawitter

Das von tatkräftigen niedersächsischen Gärtnern wie Anne Gosmann und Robin Keanu Stucke bepflanzte NaturRuh-Areal in Bad Gandersheim hat bis 2023 Zeit, sich zu entwickeln. Foto: Katrin Klawitter

Die Corona-bedingte Verschiebung des Starts der Landesgartenschau Bad Gandersheim auf 2023 bringt den gärtnerischen Anlagen dort einen großen Vorteil: Sie können ein Jahr länger anwachsen und sich bestens entwickeln. So auch das geplante friedhofsgärtnerische Areal, das mit einer großen „NaturRuh“-Anlage aufwartet.

„NaturRuh“-Konzept verbindet Vergangenheit und Zukunft

Bekanntlich hebt sich das „NaturRuh“-Konzept durch eine stauden- und artenreiche, insektenattraktive Pflanzenwahl von bisherigen Gemeinschaftsgrabanlagen ab – und trifft so den Trend der Zeit. Das sehen auch die Verantwortlichen der Landesgartenschau so: „Ein spannendes Konzept, die Notwendigkeit einer Grabstelle mit einem nachhaltigen Aspekt zu verbinden. Das schafft eine interessante Verbindung von Vergangenheit und Zukunft: Die Vergangenheit in Form einer toll gestalteten Grabfläche und die Zukunft durch die Förderung der biologischen Vielfalt. Schließlich werden ja Nistkästen, Totholzhaufen und Insektenhotel integriert“, heißt es von dort lobend.

NaturRuh-Areal auch nach der Landesgartenschau

Für die niedersächsische Kleinstadt Bad Gandersheim, in der einst der Kurbetrieb dominierte, ist die Landesgartenschau das größte Investitionsprojekt seit Jahrzehnten, das die Stadt ohne Unterstützung des Landes Niedersachsen und des Landkreises Northeim nicht hätte realisieren können, erläutert Frank Terhorst, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Ausrichtung eröffne der Stadt die einmalige Chance, mehrere zukunftsweisende Fragen zu lösen, wie die nachhaltige Weiterentwicklung beziehungsweise zeitgemäße Neuinterpretation der Themen Gesundheit und Wellness im Rahmen eines Kurortes. Wie bei jeder Landesgartenschau musste der überwiegende Teil aller Gewerke und Teilflächen europaweit ausgeschrieben werden. Umso erfreulicher sei es, dass bei einem Großteil der Ausschreibungen Unternehmen aus der Region zum Zuge gekommen sind, so Terhorst.

Areal Teil der alten Kulturanlagen von Bad Gandersheim

Das friedhofsgärtnerische Areal ist ein Teil der alten Kuranlagen und gehört der Stadt. Dort gab es früher einen Minigolfplatz, später einen kleinen Spielplatz. Die Landesgartenschau war Anlass für die Sanierung der dortigen ehemaligen Kurklinik, die nun ein Boarding House wird. Was mitten in dem Areal optischer Hingucker ist und wie eine kleine Kapelle erscheint, ist ein Quellhäuschen aus dem 19. Jahrhundert. Der Bereich um diese Quelle, also der gesamte NaturRuh-Bereich, bleibt laut Terhorst auch nach der Landesgartenschau erhalten.
Während der Landesgartenschau werden die Friedhofsgärtner dort mit einem Präsentationspavillon vor Ort sein, die Kirchen werden das Gelände für Andachten, kleine Konzerte und anderes nutzen. Zudem gibt es Überlegungen für eine Veranstaltung für Friedhofsverwaltungen und eine weitere am „Tag des Friedhofs“ 2023.

Bepflanzung startete im April

Eine zehnköpfige Delegation niedersächsischer Friedhofsgärtner, darunter engagierte Azubis und junge Gehilfen, startete bereits Ende April dieses Jahres mit der Bepflanzung des Areals auf dem Gartenschaugelände. Beteiligt an der Gestaltung waren auch die Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen-Anhalt und die Nordwestdeutsche Treuhandstelle für Dauergrabpflege, die dort 2023 ein bienenfreundliches Urnenwahlgrab zeigen werden. Der Wirtschaftsverband Gartenbau Nord hat die bisherigen Pflanzungen unterstützt, besagte niedersächsische Gärtner haben die Arbeitskraft zur Verfügung gestellt.

► Mehr über das Projekt erfahren Sie in der Friedhofskultur 7/2022, die am 1. Juli erscheint.