Zustandserhebung 2021: Wälder haben stark gelitten

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Die mittlere Kronenverlichtung ist bei vielen Bäumen zwar eetwas zurückgegangen, von einer Entwarnung kann allerdings nicht gesprochen werden. Symbolfoto: Sven Weschnowsky

Die Bundesländer und die Bundesregierung haben die Waldzustandserhebung 2021 veröffentlicht, die weiterhin hohe Kronenverlichtungen aufweisen, wenngleich diese verglichen mit 2020 etwas zurückgegangen seien. In Mecklenburg-Vorpommern ist unterdessen ein Programm gestartet, welches die Wiederaufforstung von Wäldern vergütet.

Kronenverlichtung mit geringer Verbesserung  

Im vergangenen Jahr stellte das Bundeslandwirtschaftsministerium die schlechteste Waldzustandserhebung seit 1984 vor. Auch in diesem Jahr liegen die einzelnen Berichte der Bundesländer, sowie die bundesweite Erhebung vor, die vom Thünen-Institut ausgewertet wurde. Demnach sei die Kronenverlichtung im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen, von einer Entwarnung könne aber keinesfalls die Rede sein. 35 Prozent der Bäume zeigten deutliche Verlichtungen, 2020 waren es noch 37 Prozent. Besonders deutlich wurden die Schäden bei den über 60 Jahre alten Bäumen. Hier wiesen 42 Prozent deutliche Verlichtungen auf, eine ebenso geringe Verbesserung zu den 45 Prozent im Vorjahr. Die mittlere Kronenverlichtung habe währenddessen mit 25,7 Prozent einen geringen Zuwachs gegenüber den 25,1 Prozent aus 2020 bekommen.

Prognose für 2022 ungewiss

Die drei Trockenjahre von 2018 bis einschließlich 2020 haben den Laub- und Nadelbäumen demnach unterschiedlich stark zugesetzt. Bei der Buche nahm die Kronenverlichtung im vergangenen Jahr zum Beispiel wieder ab, nachdem 2020 noch 55 Prozent mit mittlerer Kronenverlichtung registriert wurden, waren es 2021 45 Prozent. Bei der Fichte wurde 2021 allerdings ein Maximum mit 29,8 Prozent erreicht, was den höchsten Wert seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1984 darstellt. Auch die Kiefer verzeichnete einen Rekordwert bei der mittleren Kronenverlichtung mit 22,9 Prozent. Darüber hinaus lag auch die Mortalitätsrate 2021 weiterhin auf hohem Niveau, wenngleich sie nach 1,7 Prozent im Jahr 2020 wieder auf 1,2 Prozent sank. „Trotz günstiger Witterung in 2021 ist die Entwicklung des Waldzustands im Jahr 2022 ungewiss“, sagt Dr. Nicole Wellbrock, Koordinatorin der Waldzustandserhebung am Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. „Der Bodenwasserspeicher hat sich auch 2021 in einigen Regionen Deutschlands nicht vollständig aufgefüllt.“

Mecklenburg-Vorpommern vergütet Aufforstungsmaßnahmen

Es müsse laut Thünen-Institut mehr für den Klimaschutz getan werden, um deutlichere Verbesserungen beim Waldzustand zu erreichen. In Mecklenburg-Vorpommern stellte unterdessen Forstminister Dr. Till Backhaus die neue Waldfunktionenbewertungsverordnung MV vor, mit der Ersatzaufforstungen als vorgezogene Waldkompensationsmaßnahmen anerkannt werden. „Bei vorgezogenen Waldkompensationsmaßnahmen handelt es sich um Flächen, die für zu erwartende Waldumwandlungen aufgeforstet und in Waldpunkten bewertet werden. Die neue Verordnung bietet hierfür ein landesweit einheitliches sowie transparentes Berechnungsverfahren, welches die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes gleichrangig berücksichtigt. Landeigentümer, die sich für die Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzung entschließen und ihre Flächen aufforsten, erhalten so eine Vergütung ihrer Entscheidung. Damit ist ein weiteres, bundesweit einmaliges Instrument aus dem Forstrecht für die Vergütung von Ökosystemleistungen des Waldes in Mecklenburg-Vorpommern etabliert worden“, erklärt Backhaus. „Die durch Neuwaldbildung generierten Waldpunkte können dann anschließend durch den Flächeneigentümer vermarktet werden. Der Preis pro Waldpunkt bildet sich am Markt und liegt aktuell zwischen 2,50 und 3,00 Euro pro Waldpunkt. Somit ist eine Vergütung der entstandenen Ökosystemleistungen für den Waldbesitzer möglich“, erklärt der Minister das Programm weiter.