Grüne Branche

Zwei Kulturen auf der gleichen Fläche: Produktion für "Teller und Tank" ist möglich

Mit dem Mischfruchtanbau funktioniert im Ökolandbau Treibstoff-Autarkie auch ohne Flächenverbrauch, zeigten Forscher des von Thünen-Instituts (vTI, Braunschweig). Diese prüften nach den Angaben der Einrichtung verschiedene Kombinationen aus Raps mit Getreide, Senf mit Erbsen, Färberdistel mit Lupine oder Lein mit Weizen. Die alte Kulturpflanze Leindotter (Camelina sativa), die noch vor 50 Jahren verbreitet angebaut wurde, erwies sich dabei als guter Mischungspartner für Erbsen, Lupinen und Weizen. In der Kombination mit Erbsen sei es beispielsweise möglich gewesen, nahezu den vollen Erbsenertrag von drei Tonnen pro Hektar zu erzielen und zusätzlich 250 Liter Leindotteröl zu erzeugen. Die regenerative Treibstoffproduktion ist zuletzt häufiger in die Kritik geraten, da sie für den Anstieg der Lebensmittelpreise mit verantwortlich gemacht wird. So steht die Forderung "Teller statt Tank" im Raum, obwohl sich beides nicht gegenseitig ausschließen muss, erläutert Professor Gerold Rahmann, Leiter des zum Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) gehörenden Instituts für Ökologischen Landbau: "Wir haben eine Anbaukonzeption entwickelt, bei der auf dem Feld neben der Hauptkultur 'für den Teller' eine zusätzliche Kultur eingesät wird, die Treibstoff 'für den Tank' produziert."

Diese Zweitkultur ersetze dabei einen Teil der natürlichen Begleitflora (Unkraut) und nutze deren Nährstoffe. Geschickt gemischt könnten sich diese Kulturen dabei wunderbar ergänzen, heißt es weiter: Ist die eine Pflanze schwach oder krank, ist die Ernte der anderen Pflanze noch gesichert. Will eine Pflanze sich bei Hagel senken, wird sie vom Partner gestützt. Am vTI-Institut für Ökologischen Landbau wird seit 2001 intensiv geforscht, sich solche Effekte zu Nutze zu machen.

Weniger konkurrenzstark als in Kombination mit Erbsen sei der Leindotter im Sommerweizen, doch auch hier konnten 150 Liter Leindotteröl pro Hektar zusätzlich zur Sommerweizenernte gewonnen werden. Um einen Hektar zu beackern benötige man 80 bis 150 Liter Pflanzenöl als Treibstoff für die Landmaschinen. Dieser Bedarf werde durch diese Ernten mehr als gedeckt. Werden weitere Fruchtfolgeglieder mit Ölpflanzen im Mischfruchtanbau angereichert, könne ein Öko-Betrieb genug Pflanzenöl erzeugen, um seine Flächen zu bewirtschaften. Zudem habe das Pflanzenöl als Co-Produkt der Nahrungsmittelproduktion eine besonders günstige Ökobilanz.

Problem ist nach Angaben des vTI allerdings, dass es bisher nur für Rapsöl Standards und Erfahrungen für die notwendigen Motorenumrüstungen und Pflanzenölqualitäten gibt. Zurzeit führt das Institut daher gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren der Universität Rostock ein Forschungsprojekt durch, in dem Leindotteröl aus Kaltpressung in Mischungen mit anderen kaltgepressten Pflanzenölen in Versuchsmotoren und in einem Praxisschlepper neuester Bauart als Treibstoff erprobt wird. Die gesamten technischen und landwirtschaftlichen Versuche seien inzwischen abgeschlossen und ab Herbst 2008 soll ein Teilbetrieb des in Schleswig-Holstein liegenden Instituts für Ökologischen Landbau auf eigenerzeugten Treibstoff umgestellt werden. Institutsleiter Rahmann ist ehrgeizig: "Wir wollen genauso viel Lebensmittel wie vorher produzieren und zusätzlich den benötigten Treibstoff auf der gleichen Ackerfläche gewinnen."