Zweites Leben für altes Gewächshaus

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Auf der südlichen Seite des Gebäudes befindet sich das ausgemusterte Gewächshaus einer Gärtnerei. Foto: Denis Guzzo

In den Niederlanden haben eine alte Hippie-Kommune und ein Architekturbüro ein gebrauchtes Gewächshaus einer neuen Nutzung zugeführt. Entstanden ist ein Mehrfamilienhaus aus einer alten Holzscheune mit einem neuen Wintergarten aus dem feuerverzinkten Gewächshaus.

Kommune feiert 50-jähriges Jubiläum

In den Niederlanden besteht seit 1969 zwischen Amersfoort und Groningen im Norden des Landes die Hippie-Kommune De Hobbitstee. Damals kauften sich eine Handvoll Gleichgesinnter hier vier Hektar Land, um einem alternativen Lebensstil nachzugehen. Die Kommune wuchs und besteht auch heute noch aus zehn Erwachsenen mit sieben Kindern. Neben verschiedenen Wohnbereichen haben die Kommunarden auch ein Gewächshaus und einen Permakultur Gemüsegarten angelegt. Zudem wurden auf dem Gelände auch unternehmerische Tätigkeiten gestartet, wie etwa die Austernpilzfarm WesterZwam. Pünktlich zum 50-jährigen Bestehen der Kommune wollte sich die Kommune mit einem neuen Wohnhaus, dem ersten Neubau auf dem Gelände selbst beschenken. Der Clou an der Sache sollten allerdings die verwendeten Baumaterialien sein, die vorzugsweise biobasiert und wiederverwertet sein sollten. Das Gebäude sollte demnach so nachhaltig und zirkulär geplant sein sollte, dass es die Werte der Gemeinschaft ausdrücken könnte.

250.000 Euro Budget für den Neubau

Bei der Suche nach einem Planungsbüro stieß man schnell auf Superuse Studios aus Rotterdam, die sich über die letzten 15 Jahre einen hervorragenden Ruf als Recycling-Spezialisten aufgebaut haben und für nachhaltige und radikale Architekturkonzepte bekannt sind. Die Aufgabe bestand nun darin, ein Wohnhaus zu entwerfen, welches Platz für zwei Familien bietet, aber bei Bedarf auch in ein Vier-Familien-Haus umgewandelt werden kann. Es sollte so wenig Energie wie möglich verbrauchen und auch der Bau an sich sollte die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Für das Projekt hatte das Kollektiv ein schlankes Budget von 250.000 Euro zur Verfügung, welches aus der gemeinsamen Kasse stammt. Sämtliche Einkünfte landen in dieser und kommen der Gemeinschaft zu Gute. Nach Möglichkeit sollte das neue Haus mit viel Eigenleistung errichtet werden.

Ausgedientes Gewächshaus aus Gäertnerei

Superuse erstellte eine Liste mit in Frage kommenden Materialien für den Bau, darunter auch ein altes feuerverzinktes Gewächshaus. Als die Pläne schließlich standen, konnte losgelegt werden und der Holzskelettbau beginnen. Angelehnt wurde der Bau an alte amerikanische Siedlungshäuser. Die Nordseite sollte aus Holz sein und der südliche Teil sollte aus einem alten Gewächshaus entstehen. Dieses sollte als eine Art Wintergarten vor dem Holzteil stehen. Das Gewächshaus stammte aus dem Inventar einer ehemaligen Gärtnerei aus Venlo. Weiteres Sicherheitsglas organisierte man vom Bau einer Shoppingmall, dort wurde es wegen kleinerer Mängel aussortiert. Letztendlich blieb durch den großen Teil an Eigenleistung sogar noch etwas Geld übrig, so dass PV-Paneele aufs Dach gesetzt werden konnten.

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