150 Jahre TASPO: Knickrasen löst alle Mähprobleme

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Wann immer es vom Datum her passte, hat die TASPO im Laufe ihrer 150 Jahre ihren Lesern gerne zum 1. April einen kleinen Aprilscherz untergejubelt. Einen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten: Er stammt von 1982 und handelt vom pflegeleichten, nie mehr zu mähenden Knickrasen.

Einer unserer Leser freut sich noch heute über just diesen Aprilscherz, wie er uns auf der diesjährigen IPM bestätigte. Damals – 1982 – gab es sogar Anfragen an die TASPO, wo denn das Saatgut für den Knickrasen zu beziehen sei. Aber lesen Sie selbst. Wir finden, dieser Scherz ist es wert, noch einmal veröffentlicht zu werden:

Gutsbesitzer fand die Lösung: „Knickrasen“ muss nicht mehr gemäht werden

Eine Rasen-Sorte zu züchten, die sämtliche Mähprobleme löst – das war die fixe Idee des Gutsbesitzers Siegfried von Kahlschnitt aus Klein-Waabs in Schleswig-Holstein. Nach jahrelangen Versuchen kann er heute auf einer Pressekonferenz in der Landeshauptstadt Kiel seinen „Knickrasen“ (eingetragenes Warenzeichen) vorstellen. Die TASPO informierte er zu Beginn der Woche über seinen Züchtungserfolg, der schon erhebliche Unruhe in der Rasenmäher-Industrie hervorgerufen hat.

Begonnen hatte alles ganz banal: Der Gärtner, der die Grünanlagen des Gutshofes derer von Kahlschnitt betreute, kündigte. Ein Nachfolger war nicht so schnell zu finden. Deshalb musste der Gutsherr persönlich die riesigen Rasenflächen pflegen.

Die monotone Arbeit des Rasenmähens ließ in ihm die Idee reifen, die Natur zu überlisten. Erste Versuche mit verschiedenen Rasen-Sorten (Agrostis tennis, A. canina, Poa pratensis, P. trivialis, P. nemoralis). Durch Selektion gelang es ihm, eine erste Wachstumsgrenze von Gräsern zu erzielen.

Erste Sackgasse auf dem Weg zum Knickrasen

Die einzelnen Halme erreichten eine maximale Höhe zwischen sieben und neun Zentimetern. Ein schöner Erfolg, aber noch kein „englischer Rasen“. Weitere Selektionsversuche und auch Kreuzungen erwiesen sich als Sackgasse. Ein direkter Eingriff in die Erbanlagen und das Zellsystem eröffnete neue Lösungsmöglichkeiten. Hier kamen dem Gutsherren seine Kenntnisse aus der Humanmedizin zugute.

Zellen und Gewebestruktur so massiv zu verändern, konnte nur durch das Einwirken von Strahlen auf das Samenkorn erreichbar sein. In fünf Jahre andauernden Versuchen testete von Kahlschnitt 164 verschiedene Gamma-Strahlenstärken und die Bestrahlungsdauer, bis er die ersten signifikanten Werte erreichte.

Wie beeinflussen Gamma-Strahlen die Entwicklung des Halmes?

Wie aber wirken nun die Gamma-Strahlen auf das Samenkorn und die Entwicklung des Halmes? Wie in der normalen Entwicklung einer Pflanze wird frühzeitig im heranreifenden Embryo (Keimling) die Polaritätsachse festgelegt: Aus dem basalen Pol entstehen die Primärwurzeln. Der apikale Pol liefert später den Spross-Scheitel.

Wenn der Embryo heranreift, beschränkt sich schließlich das Wachstum auf die beiden Punkte Wurzel und Spross. Bildungsgewebe (nach wie vor teilungsbereit) und Dauergewebe (Teilungsfähigkeit vorübergehend eingestellt) kristallisieren sich nun heraus.

Durch den Einfluss der Gamma-Strahlen geben die Gene im heranwachsenden Halm nun einen ungewöhnlichen Befehl: An der Spitze wird zunehmend Bildungsgewebe durch Dauergewebe ersetzt. Durch das genaue Dosieren der Gamma-Bestrahlung erreichte von Kahlschnitt, dass der Grashalm in einer Höhe von etwa 2,5 Zentimetern kaum noch teilungsfähige Zellen, dafür aber zunehmend Dauergewebe in der Spitze aufweist. Über den nächsten halben Zentimeter erfolgt deshalb ein langsames Wachstum.

Endgültiger Knick im Halm durch Seismonastie

Der endgültige Knick des Halms wird schließlich durch die so genannte Seismonastie hervorgerufen. Das heißt: Durch einen äußeren Einfluss, beispielsweise eine Erschütterung, die auf die Pflanze wirkt, beginnt sich der Turgordruck (er sorgt für die gleichmäßige Verteilung des Wassers in allen Zellen) zu verändern.

Bei den tropischen Mimosen ist die anschließende Reaktion besonders auffällig: Die Fiederblättchen klappen paarweise nach oben. Beim Knickrasen lösen Wind und Temperaturschwankungen das Absinken des Turgordrucks aus. Als seismonastische Reaktion knickt der Halm, jetzt 3,6 Zentimeter hoch, ab!

Damit hat Gutsherr von Kahlschnitt seinen englischen Rasen erreicht. Rasen-Sorten und Behandlungsverfahren sind beim Bundessortenamt angemeldet. Vor einer Woche wurde der Knickrasen genehmigt und eingetragen.

Rasen-Experten in den USA setzen Hoffnungen auf Knickrasen

Inzwischen laufen schon zahlreiche Lizenzverhandlungen mit schwedischen und australischen Partnern sowie Sportplatzfirmen in England, Australien und Neuseeland. Rasenexperten in den USA sehen im Knickrasen eine neue Zukunft und leiern schon geschäftliche Verbindungen zu Golfclubs und Kommunen an.

Einen großen Nachteil hat der Knickrasen allerdings: Das Gras knickt ab, bevor die Schafe zubeißen können. Gutsherr von Kahlschnitt wird also nicht umhin kommen, für seine 14 Schafe demnächst Heu zuzukaufen.

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