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200 Jahre Zierpflanzenbau im Freistaat Sachsen

Ist der Zierpflanzenbau wirklich so jung? Diese Frage stellte Norbert Eichkorn, Präsident des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, zum Jubiläum 200 Jahre Zierpflanzenbau in Sachsen. Klostergärten, gestaltete Schlossparks, exotische Pflanzen in Herrschaftshäusern gab es doch schon viel länger.

Matthias Riedel führte durch die Ausstellung „200 Jahre Zierpflanzenbau in Sachsen“ im Landschloss Pirna-Zuschendorf. Foto: M. Dallmann, LfULG

Am 19. März wurde in Dresden-Pillnitz der ersten Firmengründung einer Erwerbsgärtnerei vor 200 Jahren gedacht. Durch die Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und steigenden Wohlstand stieg die Nachfrage nach Zierpflanzen durch die gesamte Bevölkerung und Firmengründungen von Erwerbsgärtnereien wurden möglich.

Wie es zu dieser ersten und weiteren Betriebsgründungen in Sachsen kam, berichtete Matthias Riedel, Leiter der Botanischen Sammlungen Pirna-Zuschendorf. Es begann mit den Wanderjahren des Dresdner Gärtnergehilfen Jacob Friedrich Seidel nach Paris. Von dort brachte er im Tornister Kamelienstecklinge mit. Gemeinsam mit seinem Bruder gründete er eine Gärtnerei zur Produktion von Kamelien.

Die Gärtnerei Seidel züchtete und kultivierte über 130 Jahre erfolgreich Kamelien und weitere Moorbeetkulturen. Zur Firmenphilosophie der Dynastie Seidel gehörte auch der Einsatz für den ganzen Berufsstand. So gründete Hermann Seidel den Gartenbau-Verband für das Königreich Sachsen mit. Riedel stellte daneben weitere Gärtnerpersönlichkeiten der ersten 100 Jahre vor.

Seine eigenen Berufserlebnisse im damaligen VEB (K) Gartenbau der Stadt Dresden, der die Seidelschen Kamelien weiter produzierte, schilderte Eberhard Kügler. Er machte den jungen Zuhörern Mut, sich nicht durch Widerstände und Sachzwänge von eigenen Vorstellungen abbringen zu lassen. Trotz politischer Wirren und technischer Probleme gelang es, 58 Seidelsche Kameliensorten zu retten. Diese können nun in den Botanischen Sammlungen Pirna-Zuschendorf bewundert werden. (Beate Kollatz, LfULG, Dresden-Pillnitz)