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41. Steuerkolloquium 2012: Besucherrekord in Bonn

Das 41. Kolloquium über Steuerfragen im Gartenbau verzeichnete in diesem Jahr erneut mit mehr als 180 Teilnehmern einen Besucherrekord. Unter der Leitung von Michael Speth, Vorsitzender des Arbeitsausschusses für Recht und Steuern des ZVG, und Dipl.-Finanzwirt, Steuerberater Ernst Gossert, Vorsitzender des Steuerausschusses des HLBS, wurde ein breites Spektrum an Themen erörtert. 

Intensiv setzte sich Rechtsanwalt und Steuerberater Ralf Stephany von der Parta in Bonn mit Zweifelsfragen zur ertragsteuerlichen Abgrenzung zwischen Landwirtschaft und Gewerbe bei Mitunternehmerschaften auseinander, die sich aufgrund der neuen Abgrenzungskriterien ergeben könnten. Einen Schwerpunkt legte er dabei auf die Frage, inwieweit und unter welchen Voraussetzungen gewerbliche Einkünfte bei faktischen Ehegatten-Gesellschaften, die einen landwirtschaftlichen Betrieb leiten, dazu führen, dass der gesamte Betrieb gewerblich werde.

Dabei arbeitete er heraus, dass es sich bei der faktischen Ehegatten-Gesellschaft in der Land- und Forstwirtschaft – und damit auch bei Gartenbaubetrieben mit landwirtschaftlichen Einkünften – um eine spezifische Mitunternehmerschaft bezogen auf die Einkunftsart „landwirtschaftliche Einkünfte“ handele und daher nach seiner Auffassung in einem solchen Fall es nicht zu einer Abfärbung eventueller gewerblicher Einkünfte komme.

Auf weitere Veränderungen, auf die sich eine Reihe von Gartenbaubetrieben einstellen müssten, ging Dipl.-Ing. agr. Benjamin Scherm, bbv-Computerdienst GmbH, München, unter der Fragestellung „Die Unmöglichkeit der E-Bilanz für Gartenbaubetriebe?“ ein. Etwa müsse man sich die Frage stellen, ob sich die Buchführung in Zukunft eher an der Kerntaxonomie ausrichte oder an der speziellen Branchentaxonomie Land- und Forstwirtschaft.

In der Diskussion wurde deutlich, dass von Seiten der Steuerberater praktische Probleme für die Gartenbaubetriebe gesehen werden, da geplant sei, die Branchentaxonomie für Land- und Forstwirtschaft an dem Rahmen zu orientieren, der bisher für das BMELV-Testbetriebsnetz gelte. Dieser sei für Gartenbaubetriebe, die neben der Produktion oft auch Dienstleistungen ausführten, nicht vollständig geeignet und im Rahmen der Kerntaxonomie fehle es an spezifischen Möglichkeiten, etwa Gewächshäuser anzugeben. Diese müssten dann als „Gebäude“ bilanziert werden. Ob hier noch Verbesserungen erzielt werden können, ließe sich erst nach der Sitzung der Branchenarbeitsgruppe Land- und Forstwirtschaft sagen, die im Oktober 2012 tagen soll.

Ein weiteres Thema, mit dem sich insbesondere Gartenbaubetriebe beschäftigen müssen, die Waren umsatzsteuerfrei in andere EU-Staaten liefern wollen, griff Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Ulrich Grünwald, Flick Gocke Schaumburg Partnerschaft, Bonn, auf. In seinem Vortrag mit dem Thema „Anforderungen an umsatzsteuerfreie Lieferungen im Binnenmarkt durch eine Gelangensbestätigung: auch für Gartenbaubetriebe ein neues bürokratisches Hindernis?“, zeigte er den aktuellen Sachstand der Rechtslage auf und gab einen Ausblick darauf, mit welchen Änderungen, die in der Praxis auch zu deutlichen Vereinfachungen führen sollen, noch im Rahmen der geplanten Änderung der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung zu rechnen seien.

Die bewertungsrechtliche Beurteilung eines Gartenbaubetriebs mit Blick auf „steuerschädliche“ Verwendungen in der Erbschaftsteuer war das Thema des Vortrags von Dipl.-Finanzwirtin Andrea Köcher vom HLBS in St. Augustin. Dabei setzte sie sich auch kritisch mit der Auffassung der Finanzverwaltung auseinander, dass eine Reinvestition von veräußertem Betriebsvermögen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs immer in das Betriebsvermögen investiert werden müsse, was insbesondere bei Betrieben im Strukturwandel im Rahmen der Behaltefristen dann zu Schwierigkeiten führen würde, wenn aus dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb alleine aus diesen Gründen ein Gewerbebetrieb werde.

Die weiteren Vorträge beschäftigten sich unter anderem mit aktuellen steuerlichen Änderungen, dem Umsatzsteuerrecht sowie der Besteuerung der Wärmeabgabe von Blockheizkraftwerken, der Umsatzbesteuerung der Vermietung von Räumlichkeiten auf dem Betrieb an Saisonarbeitskräfte.

Sicher ist bereits, dass auch im Jahr 2013 der Zentralverband Gartenbau (ZVG) und der Hauptverband der landwirtschaftlichen Buchstellen und Sachverständigen (HLBS) wieder ein Steuerkolloquium in Bonn durchführen, und zwar am 10. September 2013 in der Stadthalle in Bonn-Bad Godesberg. (zvg)