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Adventsausstellungen: 3G, 2G – oder ganz ausfallen lassen?

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Die Zeit rückt näher und es wird in vielen Blumengeschäften, Einzelhandelsgärtnereien und auch familiengeführten Gartencentern überlegt, ob im zweiten Jahr der Corona-Pandemie, unter den besonderen Gegebenheiten, eine Adventsausstellung durchgeführt werden soll oder eher nicht. Marketingberater Norbert Elgner geht dieser Frage im Folgenden nach.

Für floristische Fachgeschäfte eines der Highlights im Jahresverlauf

Viele Unternehmer:innen können bereits auf Erkenntnisse des letzten Jahres zurückblicken, die doch meistens zeigten, dass die Geschäfte auch ohne ein solches Event recht gut laufen. Fest steht jedoch, dass eine Adventsausstellung für floristisch ausgerichtete Fachgeschäfte zu den Highlights im Jahresverlauf zählt. Dabei geht es weniger um die Generierung zusätzlicher Umsätze, sondern darum, Kunden eine Vorfreude auf die stimmungsvolle Advents- und Weihnachtszeit zu bereiten. Sich dabei zu präsentieren als kreativer, kundenfreundlicher, sympathischer Partner in Sachen Blumen, Pflanzen und allem, was zu aktuellen Dekorationen dazugehört. PR- und Reputationsaspekte rangieren vor Wirtschaftlichkeit. Meist wird das Event noch verbunden mit einer Bewirtung und einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm.

Jedoch steht vieles von dem auch in 2021 Corona-bedingt auf tönernen Füssen. Es mangelt an Planungssicherheit bei der Durchführung einer Adventsausstellung, denn immer wieder werden neue Regelungen länderspezifisch in Corona-Verordnungen vorgegeben. Wie sich die Situation zum Ausstellungstermin vor Ort darstellt, welche Maßnahmen und Einschränkungen noch gelten oder gar zum Schutz der Bevölkerung wieder verschärft werden, steht in den Sternen. Daher können zum jetzigen Zeitpunkt an dieser Stelle nur allgemeingültige Aussagen getroffen werden.

Voraussetzungen für Adventsausstellungen anders als 2020

Bei allen Unwägbarkeiten, die nach wie vor die Pandemie mit sich bringt, sind die Voraussetzungen für die Durchführung einer Adventsausstellung in diesem Jahr anders als 2020. Inzwischen werden bereits vielerorts Veranstaltungen und Events durchgeführt. Warum also nicht auch eine Adventsausstellung, wenn für die entsprechenden Vorkehrungen gesorgt werden kann? Schließlich sind laut RKI mittlerweile (Stand Anfang November) 66,7 Prozent der Gesamtbevölkerung und rund drei Viertel der Erwachsenen vollständig geimpft. Der Anteil derer über 60 Jahre liegt sogar über 85 Prozent. Somit besteht für das Hauptklientel, das zu den Besuchern einer Adventsausstellung gezählt werden kann, im Prinzip kein besonderes Gesundheitsrisiko mehr, zumindest keines mit schwerwiegendem Verlauf. Das macht Hoffnung, wieder in den Normalmodus vor Corona zurückzukehren.

Dennoch, die Gefahr ist noch nicht ganz gebannt. Insofern gilt es nach wie vor, im Falle einer Adventsausstellung die gerade geltenden Corona-Bestimmungen des jeweiligen Bundeslands einzuhalten. Sie rücken besonders dann in den Blickpunkt, wenn eine Bewirtung der Besucher eingeplant werden soll. Bekanntermaßen ist gerade sie der Besuchermagnet schlechthin. Ohne Bewirtung verliert jede Veranstaltung deutlich an Zugkraft. Allerdings erhöht eine Bewirtung, speziell im Innenbereich, die Vorkehrungsmaßnahmen.

Bei 2G-Regelung fallen Corona-Einschränkungen weg

Zu einer klaren Angelegenheit des Ganzen wird es dann, wenn das Unternehmen für die Zeit der Veranstaltung die 2G-Regelung festlegt. In diesem Fall haben nur Geimpfte und Genesene Zutritt (Optionsregelung auch für den Einzelhandel, beispielsweise gültig für Hessen). Damit fallen alle Corona-Einschränkungen weg. Besucher können sich frei, ohne Maske und ohne Abstandsregeln sowohl im Außen-, als auch im Innenbereich bewegen. Normalität hält somit Einzug, bei einer höchstmöglichen Sicherheit für Besucher. Natürlich setzt die 2G-Regelung eine Kontrolle des Impfstatus‘ der Besucher am Eingang voraus. Eventuell lässt sich für das Kontrollieren ein Security-Unternehmen engagieren. Ob gleichzeitig auch eine personenbezogene Rückverfolgung notwendig ist, etwa mittels der Luca-App oder Adresszettel, wäre zu prüfen. In Hessen ist sie derzeit nicht erforderlich. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren können in der Regel an 2G-Veranstaltungen teilnehmen. Allerdings kann der Veranstalter auch für diesen Personenkreis auf einen negativen Testnachweis bestehen.

Die restriktive 2G-Regelung kann allerdings zu Unmut im Kundenkreis führen. Sie steht deshalb in der Kritik, da mit ihr ein gewisser Impfzwang durch die Hintertür verbunden ist, denn es werden selbst Testwillige kategorisch von der Veranstaltung ausgeschlossen. Wäre noch auf die 2G-Plus-Regel als weitere Option hinzuweisen, gültig in Bayern und im Saarland. Die Regel gestattet bei niedriger Inzidenz auch den Zutritt von Personen mit einem maximal 48 Stunden alten PCR-Test.

Hygienekonzept erforderlich bei 3G-Regelung

Wird 3G als Einlassvoraussetzung zur Sonderveranstaltung – sprich Adventsausstellung – vom Unternehmen festgesetzt, so erscheint zumindest die Außendarstellung weniger restriktiv. Jede Person, die möchte, hat Zutritt, vorausgesetzt, sie kann einen tagesaktuellen, negativen Antigen-Schnelltest nachweisen. Selbsttests sind jedoch nicht zulässig. Bei hoher Inzidenz, insbesondere einer hohen Hospitalisierungsrate kann auch ein negativer PCR-Test für den Einlass erforderlich werden (Baden-Württemberg). Auch eine 3G-Regelung erfordert die Kontrollpflicht. Weiterhin ist ein Hygienekonzept erforderlich, mit Maskenpflicht, Abstandsregelung sowie einer Begrenzung der Personenzahl. Bedenkt man, dass wahrscheinlich über 90 Prozent der Besucher einer Adventsausstellung den vollen Impfschutz haben, so ergibt im Grunde eine 3G-Regelung wenig Sinn. Auch muss jede und jeder Nichtgeimpfte, will er denn die Ausstellung besuchen, zeitnah eine Teststelle aufsuchen und vorab eine Testgebühr mit einkalkulieren. Folglich kommt man bei nüchterner Betrachtung zu dem Schluss, dass nur eine 2G-Regelung einen unter Corona-Aspekten sicheren Ablauf einer Adventsausstellung im herkömmlichen Stil ermöglicht, nämlich mit Eventcharakter und gewohnt vollem Haus.

Abwägung im Einzelfall entscheidet

Sind die Fakten geklärt, geht es ans Abwägen. Zumindest in Einzelhandelsgärtnereien oder Gartencentern erstreckt sich die Ausstellung auf die Außenflächen ebenso wie auf die Innenräume. Deshalb müssen sich die Vorkehrungen an den Maßgaben für Innenraum-Veranstaltungen richten. Da bei einer 3G-Regelung, je nach Besucherandrang, die flächenbezogene Beschränkung der Personenanzahl zum Tragen kommen kann, besteht die Gefahr, dass es zu Einlassregulierungen mit Warteschlangen kommen könnte, was ebenfalls zu Unmut unter den Besuchern führt. Da Stand jetzt nicht abzusehen ist, wie sich die Infektionslage entwickelt, ob weitere Lockerungen möglich sind oder die vierte Welle diese verhindert, tendiert die Praxis derzeit eher in Richtung Nummer sicher, was auf einen gänzlichen Verzicht einer Adventsausstellung im herkömmlichen Stil hinausläuft. Um den vielen Unwägbarkeiten ganz aus dem Weg zu gehen, veranstalten etliche Unternehmen als Alternative zu einer Ausstellung eine spezielle Adventswoche für Kunden, und zwar im Rahmen des „normalen Geschäftsbetriebs“. Denn die Crux der ganzen Thematik liegt aus derzeitiger Sicht eben in der Planungsunsicherheit.

Wer sich für eine Adventsausstellung im herkömmlichen Stil entscheidet, für den ist es ratsam, sich beim zuständigen Ordnungsamt bezüglich der gerade notwendigen Vorkehrungen rückzuversichern, und zwar auf schriftlichem Wege. Im Falle einer Bewirtung kann gegebenenfalls auch der zuständige Hotel- und Gastronomieverband (DEHOGA) Auskunft geben, ebenso die zuständige IHK. Wie auch immer sich die Situation in der außergewöhnlichen Zeit darstellt, das Meinungsbild, ob eine Adventsausstellung durchgeführt werden soll und wenn ja, unter welchen Bedingungen, ist geteilt. Die Abwägung im Einzelfall entscheidet. Bei einer Entscheidung pro Ausstellung darf nicht vergessen werden, die gültigen Regelungen etwa durch eine entsprechende Plakatierung vor und in den Verkaufsanlagen kundzutun. Dies gilt auch für die gesamte mediale Außenkommunikation. Eines ist ebenfalls klar, in Zeiten vor Corona waren Adventsausstellungen an der Tagesordnung. In Pandemiezeiten sind sie eine sportliche Herausforderung, unter Einhaltung der gültigen Verordnungen, Kunden den grauen Alltag durch ein Wohlfühlerlebnis ein Stück weit freundlicher zu gestalten.

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