Akku-Technologie: Wenn die Zelle knapp wird …

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Erst das Zusammenspiel der Zelle mit der Batterie-Steuerung und dem Motor ergibt die Performance, sagt Torsten Bollweg, CEO Globe Tools Europa. Foto: Renate Veth

Die Globe Tools Gruppe setzt auf den europäischen Markt für batteriebetriebene Gartengeräte. Der Marktführer in den USA hat im schwedischen Jönköping jüngst ein Forschungs- und Entwicklungscenter gegründet. Drei Teams arbeiten weltweit im 24-Stunden-Takt an neuen Produkten. TASPO GartenMarkt sprach mit Torsten Bollweg, CEO Globe Tools Europa, über Innovationen bei der Akku-Technologie.

Herr Bollweg, Sie entwickeln mit 350 Ingenieuren im 24-Stunden-Takt Kontinent-übergreifend neue Lösungen für batteriebetriebene Gartengeräte. Wo, glauben Sie, gehen die Innovationen bei der Akku-Technologie hin?

Es gibt in Sachen Batterie/Akkus unglaublich viele Entwicklungen. Nahezu jede zweite Universität dieser Welt arbeitet an neuen Batterie-Technologien. Im Grundsatz ist eine Batterie relativ simpel aufgebaut. Da sind eine Anode und eine Kathode und das Elektrolyt in der Mitte. Das Elektrolyt leitet die Ionen hin und her und erzeugt dabei Energie – vereinfacht dargestellt.

Jetzt gibt es verschiedene Entwicklungen, das Elektrolyt durch unterschiedliche Materialien zu ersetzen. Oder das Set-up der Kathoden noch anders zu regulieren, sodass man sie noch schneller und öfter beladen sowie mehr Energie speichern und diese schneller abgegeben werden kann. Ein ganz großer Teil der Forschung ist auch, dass die Batterien flexibler werden, weil heute ein Batterie-Paket noch relativ groß ist und ergonomisch Produkte relativ einschränkt.

Was glauben Sie, setzt sich durch?

Woran wir glauben, ist, Batterie-Technologie ist nicht nur die Zelle. Ganz häufig reduziert man das auf die Zelle, sie ist aber nur ein Bestandteil. Für uns besteht das gesamte System aus Zelle, Batterie-Steuerung und Motor. Unsere Philosophie ist, das diese drei Komponenten aufeinander abgestimmt und füreinander entwickelt sein müssen. Wir glauben, dass das Ergebnis wirklich nur energieeffizient sein kann, wenn man die Batterie-Steuerung und den Motor aufeinander abgestimmt und selbst entwickelt hat.

Alle Produkte von uns im Haus haben eine eigene, von uns selbst entwickelte Batterie-Steuerung, einen eigenen, von uns selbst entwickelten Motor, die wir mit den zugekauften Zellen in die Applikation hineinbringen und sehr genau aufeinander abstimmen. Das macht den großen Unterschied in der Performance und Energieeffizienz aus.

Was können wir von Tesla & Co. lernen?

Ich glaube, die Branche kann lernen, dass es bei batteriebetriebenen Geräten eben nicht nur ein anderer Antrieb ist, den sie auf ein normales Gerät raufflanschen. Der Unterschied ist, dass sie wie Tesla ein Auto, ein Gerät komplett batteriegetrieben entwickeln müssen um die höchste Energieeffizienz und Performance zu erreichen. Es funktioniert nicht, einfach nur vorhandene Bauteile mit moderner Akku-Technik zu ergänzen.

Wie hoch kann die Energieeffizienz, die Performance bei Gartengeräten sein?

Die Energieeffizienz bei einem Verbrennungsmotor liegt um die 15 Prozent. Der Rest geht durch Emissionen, Wärmeentwicklung verloren. Beim Elektromotor haben Sie eine Energieeffizienz von 70 Prozent, bei einem bürstenlosen Motor, wie wir ihn für Akku-Gartengeräte verwenden, fast von 90 Prozent. Das heißt, die Effektivität der Energie nimmt bei batteriebetriebenen Geräten eklatant zu.

Wo kommen die bürstenlosen Motoren schon zum Einsatz?

Alle Geräte über 60 Volt und solche, die benzingleiche Performance liefern, haben ausschließlich bürstenlose Motoren bei uns im Hause. Wir offerieren sie auch bereits auf der 40-Volt-Plattform – bei Anwendungen die extrem energieeffizient sind, wie Kettensägen und Rasenmäher.

Generell ist bei der Batterie-Technologie die Top-Performance aber nicht der limitierende Faktor. Da ist ein Vergleich mit der Automobil-Industrie ganz angebracht: Ein Tesla ist heute eines der schnellsten Automobile auf den Straßen und die Beschleunigung eines Tesla lässt jeden Ferrari stehen.

Was ist dann der limitierende Faktor?

Es ist oftmals die Reichweite, wie auch bei den Elektro-Autos. Wobei man davon ausgehen kann, dass Zellen künftig noch mehr Energie speichern können. In der Regel reicht die heute verfügbare Akku-Kapazität für jeden privaten Garten aus. In der kommerziellen Anwendung gibt es sicher bislang noch Limitierungen. Mit der 82-Volt-Akku-Linie und unserer patentierten intelligenten Software sind wir aber gut aufgestellt, Profi-Anwendern benzingleiche Power bei geringerem Gewicht zur Verfügung stellen zu können.

Wohin wird sich der Markt für Akku-Geräte entwickeln?

Die Hauptbotschaft ist: Wenn jemand glaubt, dass das Akku-/Batterie-Zeitalter gerade beginnt, und man noch viel Zeit hat, auf den Trend aufzusatteln, dann ist man extrem falsch. Wir befinden uns, selbst wenn das Marktvolumen noch relativ gering ist, bereits auf der Zielgeraden. Das Potenzial entwickelt sich unglaublich schnell und die Entwicklung zu Batterie-Technologie wird unglaublich steigen.

So etwas Ähnliches fand ja bei Mährobotern statt. Auch hier fing es ganz langsam an, über viele, viele Jahre sich zu entwickeln. Seit zwei Jahren gibt es einen ungebremsten Boom, der explosionsartig steigt. Genau die gleiche Entwicklung, wenn nicht sogar noch schneller, sehen wir auch bei der Akku-Technologie in unserer Branche. Ein gutes Beispiel ist auch wieder die Automobil-Industrie. Auch dort sieht man, dass Umweltauflagen der Städte das Ganze noch beschleunigen.

Was kommt nach der Lithium-Ionen-Technik? Manche schwören ja auf Glasfaser?

Ich glaube, es lässt sich extrem schwer vorhersehen, welche Technologie sich bei der Akku-Herstellung massenhaft produziert durchsetzt. Im Labor gibt es extrem viele Alternativen. Wir glauben, dass Lithium-Ionen uns noch die nächsten drei bis fünf Jahre bestimmen werden. Die Zellentwicklung ist extrem interessant. Wir legen dort großen Wert auf eine strategische Partnerschaft. Wir arbeiten sehr stark mit einem führenden Hersteller zusammen.

Warum?

Es gibt von vornherein nur wenig Zell-Hersteller. Darunter werden die qualitativ hochwertigen noch weniger, weil die Firma Tesla einen Lieferanten stark beansprucht, der nur noch für Tesla arbeiten wird. Man muss kein Prophet sein um vorauszusehen, dass die Verfügbarkeit von Zellen in näherer Zeit ein Problem sein könnte, weil der Bedarf so derart steigt und es nicht viele Hersteller gibt.

Wie wichtig ist die Zelle für das Ergebnis?

Sie kann ein limitierender Faktor sein – etwa wenn Sie die Zell-Zahl in der Batterie auf sechs Ampere erhöhen, haben Sie auch mehr Gewicht. Wir glauben, dass wir mit der neuen Zelle ein gutes Set-up in der Balance zwischen Leistung und Gewicht gefunden haben. Wenn neue, größere Zellen kommen, sind wir an vorderster Front, diese für noch mehr Power in unsere Geräte zu integrieren.

Wichtig ist, dass die Komponenten Batterie, Motor, Zelle nicht nur einfach zusammengefügt werden. Erst das Zusammenspiel der Zelle mit der Batterie-Steuerung und dem Motor ergibt die Performance.

Mehr zum Thema lesen Sie im neuen TASPO GartenMarkt, der am 20. Oktober 2017 erscheint.

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