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Ambrosia: gefräßiger Gegenspieler aufgetaucht

Die Forschung rund um die Bekämpfung der Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) macht nach Informationen der Universität Freiburg einen großen Schritt vorwärts.

Könnte die Ausbreitung von Ambrosia in Europa eindämmen: Ophraella communa. Foto: Peter Toth

Erstmals wurde in Europa ein Käfer identifiziert, der dem schädlichen Gewächs, das starke Allergien auslösen kann, den Garaus machen und somit als biologische Waffe eingesetzt werden könnte. Allerdings muss Prof. Heinz Müller-Schärer von der Universität Freiburg noch beweisen, dass der Käfer nur dort zugreift, wo er erwünscht ist.

Der etwa vier Millimeter große Ambrosia-Blattkäfer (Ophraella communa) wurde vergangenen Sommer im Tessin nahe der italienischen Grenze entdeckt und seither wurde der äußerst effiziente Ambrosia-Fresser nicht wieder aus den Augen gelassen. Im Gegenteil: Unter Leitung von Prof. Müller-Schärer und Dr. Suzanne Lommen beobachteten Forscher an über 150 Ambrosia-Plätzen im Tessin sowie in Italien und Frankreich, ob der Käfer ansässig ist und wie durchschlagend seine Attacken gegen die Pflanzen sind.

Das vielversprechende und von der Fachzeitschrift Weed Research online publizierte Resultat zeigt, dass der Käfer an über 80 Prozent der beobachteten Standorte präsent ist und die Ambrosia an gewissen Orten komplett vernichtet hat.

Vermutlich ist der Käfer über den internationalen Flughafen Milano Malpensa nach Norditalien und in die Südschweiz gekommen. In China gilt Ophraella communa bereits seit längerer Zeit als die wichtigste biologische Waffe zur Vernichtung der Ambrosia. Ein Umstand, der den Forschern wie auch den unter der Pflanze leidenden Menschen zu Gute kommen könnte. Zwar ist es aus Sicherheitsgründen nicht möglich, eine hierzulande unbekannte Spezies einzuführen, so Prof. Müller-Schärer. Da sich der Käfer aber bereits hier befindet, gelte es „nur“ noch abzuklären, ob er sich auch wirklich nur an Ambrosia zu schaffen macht.

Zu diesem Zweck möchten Müller-Schärer und sein Team den Käfer in den Quarantäne-Raum an der Universität Freiburg bringen (das entsprechende Gesuch sei beim Bundesamt für Umwelt noch hängig) und auf Wirtsspezifität testen. Erst wenn definitiv und von Amtes wegen beglaubigt feststeht, dass der Käfer anderen Pflanzen keinen Schaden zufügt, darf er willentlich ausgesetzt werden.

Daneben plant Heinz Müller-Schärer im kommenden Sommer Feldversuche in der Südschweiz und Norditalien, wo der Käfer bereits vorhanden ist. Er plant nach Angaben seiner Universität auch, Experimente zur Langzeit-Effizienz des Käfers zu beginnen sowie gemeinsam mit Aerobiologen und Allergologen zu untersuchen, ob die relativ neue Ansässigkeit des Käfers in den entsprechenden Regionen bereits Effekte auf die Pollenbelastung in der Luft sowie auf Meldungen über Ambrosia-Allergien und den Verkauf von Antiallergika zeigt.

Nach ersten Messdaten im Tessin und in der Lombardei scheint der Pollengehalt in der Luft bereits zurückgegangen zu sein, so Heinz Müller-Schärer. (ts)