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Antarktis-Gewächshaus: Rekordernte im ewigen Eis

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77 Kilo Salat, 51 Kilo Gurken und 29 Kilo Tomaten: So viel frisches Gemüse konnte im Antarktis-Gewächshaus EDEN-ISS inzwischen geerntet werden. Deutlich mehr, als das Team um DLR-Forscher Paul Zabel angesichts der extremen Witterungsbedingungen erwartet hätte.

Reiche Ernte im Antarktis-Gewächshaus: Unter anderem zwölf Kilo Kohlrabi konnte DLR-Forscher Paul Zabel bereits ernten. Foto: DLR

Antarktis-Gemüse auf Vorrat

„Die Ernte ist mittlerweile so reichlich, dass ein Teil nicht immer gleich direkt auf den Tisch kommt und wir nun den Luxus haben, manche Salate und Kräuter aufbewahrt im Kühlschrank über mehrere Tage verteilt zu verzehren“, berichtet Zabel, der sich auf der Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) um den Pflanzenanbau kümmert. „Die Mitüberwinterer freuen sich immer schon auf die nächste frische Mahlzeit.“

Tatsächlich gedeihen die Salate, Tomaten, Gurken und Kräuter im Antarktis-Gewächshaus unter Bedingungen von 21 Grad Celsius und 65 Prozent relativer Luftfeuchte ausgesprochen gut. Auf einer Anbaufläche von insgesamt etwa 13 Quadratmetern konnten neben den eingangs erwähnten 77 Kilo Salat, 51 Kilo Gurken und 29 Kilo Tomaten auch zwölf Kilo Kohlrabi, fünf Kilo Radieschen und neun Kilo Kräuter geerntet werden.

Kaum bis gar keine Früchte bei Paprika und Erdbeeren

„Erstaunt hat uns die ausgebliebene Paprika- und Erdbeer-Ernte“, sagt Zabel. Beim Gewächshaus-Probebetrieb in Bremen im vergangenen Jahr hatten zumindest die Paprika-Pflanzen noch zahlreiche Früchte getragen, wie EDEN-ISS-Projektleiter Dr. Daniel Schubert ergänzt. In der Antarktis hingegen wachsen zwar sowohl Paprika- wie auch Erdbeer-Pflanzen schnell, allerdings bilden sich nur wenige bis gar keine Früchte. Als Ursache vermuten die Forscher Probleme mit der künstlichen Bestäubung.

Über ein halbes Jahr ist das Antarktis-Gewächshaus EDEN-ISS unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) jetzt bereits in Betrieb und hat im Praxistest in den vergangenen sechs Monaten die Polarnacht, antarktische Stürme und Temperaturen bis unter minus 40 Grad Celsius überstanden. Seit Anfang 2018 liefert es erstmals Kräuter, Salate und frisch geerntetes Gemüse für die zehnköpfige Überwinterungscrew auf der Neumayer-Station III.

Gewächshaus-Technik schwächelt unter extremen Bedingungen

Wobei Anbau und Ernte im „ewigen Eis“ nicht einfach sind: Immer wieder kommt es vor, dass ein Sturm Antarktis-Gärtner Zabel daran hindert, die 400 Meter von der Neumayer-Station III zum Gewächshaus im Freien zurückzulegen. Dann übernimmt das Bremer Kontrollzentrum das Monitoring der Pflanzen und die Überwachung des Gewächshauses. Bislang war das allerdings höchstens an drei aufeinanderfolgenden Tagen nötig.

Wie wichtig Zabels Präsenz vor Ort ist, zeigte sich wiederholt, wenn die Gewächshaus-Technik unter den extremen antarktischen Bedingungen Schwierigkeiten bekam. „So musste ich beispielsweise einmal schnell zum Gewächshaus, weil sich eine Schraubenverbindung im Thermalsystem gelockert hatte und die Kühlung der Lampen nicht mehr ausreichend gewährleistet war.“

32 Kameras senden live aus dem Antarktis-Gewächshaus

Kleinere Reparaturen wie diese sind kaum vorherzusehen und lehren die Forscher, wo das Gewächshaus-Konzept für zukünftige Einsätze – ob in klimatisch anspruchsvollen Regionen auf der Erde oder bei künftigen bemannten Missionen zu Mond und Mars – noch robuster ausgelegt werden muss.

Einblicke in das Antarktis-Gewächshaus gibt es übrigens täglich über ein Online-Tool auf der EDEN-ISS-Projektwebsite – ab sofort für jedermann und nicht mehr nur für die am Projekt beteiligten Forscher. 32 Kameras im Gewächshaus liefern aktuelle Bilder der einzelnen Pflanzenzuchtkisten, sodass über einen interaktiven Zeitstrahl die Gemüsezucht und das Pflanzenwachstum im „ewigen Eis“ live verfolgt werden können.